08.08.2019 Florian Söllner

Ist das die deutsche Beyond Meat? Nein, besser! Gesünder! Günstiger!

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BEYOND MEAT

Der Hype rund um pflanzenbasierte Burger hat die Aktie des US-Start-ups Beyond Meat nach oben katapultiert. Anleger fahren auf die Story ab, mit dem Essen von grünen Patties statt Rindfleisch die Herzverfettung und nebenbei die Klimaerwärmung zu stoppen.

Auch unser Top-Tipp-Konservativ Nestlé ist erfolgreich auf den Fleischlos-Boom aufgesprungen. In Vergessenheit ist hingegen der deutsche Tiefkühlspezialist Frosta geraten. Zwar schätzt auch die AKTIONÄR-Redaktion, wenn es in der Mittagspause schnell gehen muss, die gesunden Nasi-Goreng- oder Paella-Gerichte. Doch seit der Einführung des Reinheitsgebotes vor über 15 Jahren fehlt der große Innovationssprung. Wäre nicht eine Hähnchen-Pfanne mit planzenbasierten Chicken-Stückchen eine leckere Alternative – und Grund genug für Investoren die Aktie wiederzuentdecken?

BEYOND MEAT (WKN: A2N7XQ)

Wir haben bei Frosta nachgefragt. Nein, man wird Beyond kurzfristig nicht nacheifern. Der Grund: Man hält seine Strategie für besser: „Da wir konsequent auf Zusatzstoffe und Aromen verzichten, kommen Fleischersatzprodukte wie von Beyond Meat für uns nicht in Frage. Es gibt aber auch bei uns viele Gerichte, die weder Fisch noch Fleisch enthalten.“

Frosta (WKN: 606900)

Trend Eiweiß!

Dennoch profitiert man vom Trend hin zu proteinreichen Mahlzeiten. „Anstatt pflanzenbasierte Ersatzprodukte zu verwenden, die in aller Regel nicht ohne eine Fülle an Zusatzstoffen und Aromen auskommen, um Fleisch zu imitieren, haben wir uns in den Küchen der Welt umgeschaut und setzen auf eiweißreiche Zutaten, die sich schon seit langem bewährt haben. Hülsenfrüchte wie Kichererbsen, Bohnen oder auch Quinoa gehören dazu. Wir haben ein veganes Chili con Quinoa, Gemüsepfannen mit Kichererbsen sowie, ganz neu auch ein Gericht mit Pasta aus Erbseneiweiß eingeführt. In diese Richtung werden wir sicherlich auch in Zukunft weitergehen.“

Zuletzt gab es einen Gewinnrückgang wegen steigender Rohstoffpreise. Das Problem hat sich nicht entschärft: „Das Thema der steigenden Preise ist weiterhin aktuell, betrifft allerdings nicht nur den Fisch sondern auch unser Gemüse.“

Frosta ist kein Wachstumswert wie Beyond Meat. Doch gerade für Value-Investoren das viel vernünftigere Investment. Während das US-Startup noch Verluste einfährt, ist Frosta profitabel und weist ein 2020er-KGV von 13 auf. 2020 erzielt Frosta mit 560 Millionen Euro deutlich mehr Umsatz als Beyond Meat mit 404 Millionen Dollar. Und jetzt kommt der Hammer: Die Traditionsfirma Frosta wird an der Börse mit 0,4 Milliarden Euro bewertet, Beyond Meat jedoch mit 10,1 Milliarden Dollar. Das KUV von Frosta beträgt 0,6, das des US-Highflyers 25 – also eine mehr als 40-mal so hohe relative Bewertung. Frosta wird dies ohne eigenen "Beyond-Burger" nicht über Nacht ändern – doch auf lange Sicht werden die Hamburger ihren Weg nachhaltig weitergehen. Daran glaubt auch Vorstand Ahlers, der erst gestern wieder für 27.000 Euro eigene Frosta-Aktien gekauft hat.