12.09.2009 Frank Phillipps

iQ-Power-Chef: "Das konnte es nicht gewesen sein"

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Trendthema

Kein Geld mehr in der Kasse, die Aktie nur noch ein fast wertloser Pennystock - im Frühjahr 2009 sah die Welt für iQ Power noch trostlos aus. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet. Die Chancen auf eine nachhaltige Trendwende beim Batterien-Hersteller sind gestiegen. Die Aktie auch.

Im Frühjahr 2009 war iQ Power noch am Boden. Der Hersteller von Spezial-Autobatterien war zahlungsunfähig, die Aktie abgestürzt. Nur drei Monate später starteten die Schweizer ein bemerkenswertes Comeback. Mit frischem Geld aus einer Kapitalerhöhung und einem neuen prominenten Vertriebspartner sind die Weichen für eine Trendwende gestellt.

Im ersten Teil des großen Vorstandsinterviews sprach DER AKTIONÄR mit iQ-Power-Chef Charles Robert Sullivan über den schwierigen Weg aus der Insolvenz und die wichtigsten Zielmärkte für das Unternehmen.

DER AKTIONÄR: Herr Sullivan, Anfang März war iQ Power zahlungsunfähig. Drei Monate später kam Anfang Juni dann die überraschende Meldung über die Aufhebung des Insolvenzverfahrens. Wie ist dem Unternehmen der Weg zurück aus der Zahlungsunfähigkeit gelungen?

Charles Robert Sullivan: Uns war von Anfang an klar: Das konnte es nicht gewesen sein. Nur weil die Finanz- und Wirtschaftskrise iQ Power nach dem Fall der Lehman-Bank exakt in der Phase seiner Produkteinführung kalt erwischte, wird eine bahnbrechende Innovation nicht von heute auf morgen obsolet. Immerhin hatten wir davor sehr großen Zuspruch von Seiten der Märkte erfahren. Und so beschlossen Dr. Raymond Wicki, Präsident des Verwaltungsrates von iQ Power, und ich einen entsprechenden Rettungsplan für das Unternehmen. Unterstützt wurde unser Plan hierbei von einer kleinen Gruppe sehr entschlossener Aktionäre.

Wie kam es eigentlich zu der Insolvenz?

Die Krise und ihre Folgen trafen iQ Power zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, denn wir hatten gerade mit der Markteinführung unserer Produkte begonnen. Die Situation veränderte sich quasi von heute auf morgen. Der Einbruch im weltweiten Verkauf von Neufahrzeugen führte dazu, dass Batteriehersteller weltweit ihre für die Erstausrüstung vorgesehenen Starterbatterien jetzt in den Ersatzmarkt pumpten, und zwar mit sehr langen Zahlungsbedingungen, die für viele Händler in Zeiten der Finanzkrise unabdinglich waren. Außerdem reichte uns das Geld nicht für Werkzeuge für ein Vollsortiment. Dadurch hatten viele Kunden Hemmungen, denn sie wären immer noch von Lieferungen der Konkurrenz abhängig gewesen.

Welche Maßnahmen wurden getroffen, um die Trendwende möglich zu machen?

Um einen Neustart überhaupt zu ermöglichen, standen wir vor vier großen zentralen Herausforderungen gleichzeitig. Erstens: Die Gläubiger mussten überzeugt werden, dass das Unternehmen zu retten ist und dass eine Fortführung bessere Chancen für eine Rückzahlung der offenen Forderung enthielt als eine Liquidation der Gesellschaft. Um eine Rücknahme der Insolvenz überhaupt zu erreichen, mussten 100 Prozent der Gläubiger von ihren offenen Forderungen zurücktreten und eine Verzichtserklärung unterzeichnen.

Zweitens: Die potentiellen Kunden mussten von der Leistungsfähigkeit des Unternehmens iQ Power überzeugt werden, um ihre bestehenden Kaufabsichten weiterhin aufrecht zu erhalten. Wir konnten selbst in dieser sehr schweren Zeit neue Kunden gewinnen.

Drittens: Um mit einem erweiterten Produktspektrum für die kommende Verkaufssaison lieferfähig zu sein, mussten wir für unsere neue Produktreihe ECO rechtzeitig Werkzeuge beauftragen und auch vorfinanzieren. Für ein Unternehmen, das gerade Insolvenz angemeldet hat und nicht handlungsfähig ist, stellt das eine echte Herausforderung dar.

Und viertens musste das Management für einen Neustart des Unternehmens Investoren gewinnen, um so an ausreichend Kapital zu gelangen.

Im Juni haben Sie erstmalig Muster Ihrer neuen Produktlinie ECO auf einer Messe in China gezeigt. Können Sie kurz erläutern, was Ihre wichtigsten Produkte sind und wann Sie mit ersten nennenswerten Umsätzen aus den Produktverkäufen rechnen?

Unser Main-Stream-Produkt und Hauptumsatzträger wird unsere neue Produktreihe ECO. Die ECO-Baureihe mit unserer innovativen und patentierten Durchmischungs-Technik ist speziell auf den preissensitiven, breiten Massenmarkt abgestimmt. Der Premium-Bereich wird durch die Produkte HEAT und COLD abgedeckt, mit der HEAT für überwiegend warme Klimaregionen sowie der COLD auch für zusätzlich kalte Klimata wie beispielsweise Mitteleuropa.

Für das zweite Halbjahr 2009 rechnen wir mit Auftragseingängen von rund 1,5 Millionen Euro. Nur soweit: Bei der Entwicklung der Aufträge liegen wir gut im Plan.

Ergänzt wird unser Starterbatterie-Geschäft durch unsere Industriebatterie-Sparte. Dort rechnen wir mit ersten Projekten in 2010.

 

Was sind die wichtigsten Zielmärkte für iQ Power und seine Produkte?

Unsere Strategie ist unverändert. Wichtigster Zielmarkt für unsere Produkte ist der Ersatzteilmarkt. Hier nutzen wir die großen einschlägigen Einkaufs- und Handelsorganisationen. Geografisch liegen unsere wichtigsten Märkte zunächst in Asien und Europa, später dann auch Nordamerika, Teilen Afrikas und Südamerikas.

Parallel dazu halten wir engen Kontakt mit den Automobilherstellern. In der Erstausrüstung erwarten wir jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt erste Vertriebserfolge.

Lesen Sie morgen den zweiten Teil des großen Vorstandsinterviews. Dann spricht iQ-Power-Chef Charles Robert Sullivan über den spektakulären Deal mit dem neuen Vertriebspartner und die Perspektiven für die iQ-Power-Aktie.