03.10.2015 Maximilian Steppan

IPO-Markt: Solar- und Windparkbetreiber Chorus Clean Energy steht in den Startlöchern!

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Der Countdown bei Chorus Clean Energy, oder besser gesagt die Angebotsfrist, läuft seit gestern. Noch bis zum 7. Oktober können Anleger die Aktie zeichnen. Der Emissionspreis der angebotenen Aktien wurde auf 9,75 Euro festgesetzt. Zuvor ging die Angebotsspanne von 9,75 Euro bis 12,50 Euro. DER AKTIONÄR hat sich deswegen mit dem Vorstandsvorsitzenden Holger Götze unterhalten.


Herr Götze, kauft Chorus fertige Parks zu oder ist ihr Unternehmen eher ein Projektierer wie PNE Wind?

Chorus kauft und betreibt Wind- und Solarparks und bietet institutionellen Investoren maßgeschneiderte Lösungen für die Investitionen im Bereich von Erneuerbare-Energien-Anlagen an. Damit unterscheiden wir uns grundlegend von Projektentwicklern. Wir erzielen Erlöse aus dem Verkauf von Strom, der von unseren Wind- und Solaranlagen produziert wird sowie aus dem Asset Management Dienstleistungen für Institutionelle Investoren.

Wie viele der Solar- und Windparks hat Chorus? Wo und wie sind diese innerhalb der fünf europäischen Länder verteilt?

Das Portfolio von Chorus besteht aus 57 Solar- und zehn Windparks in Europa mit einer Kapazität von 254 Megawatt. Der Schwerpunkt der Investments liegt dabei auf Deutschland, darüber hinaus gehören italienische Solaranlagen sowie Windparks in Österreich, Frankreich und Finnland zum Portfolio.

Im Grunde hat Chorus im ersten Halbjahr eine satte EBIT-Marge von 44 Prozent erzielt. Dem stehen aber Finanzverbindlichkeiten langfristiger Art von 324,3 Millionen Euro gegenüber – das Anlagevermögen beträgt rund 440 Millionen Euro. Wird sich das Anlagevermögen in den kommenden Jahren durch Abschreibungen vermindern? Kann der Umsatz in den kommenden Jahren durch Anlagen, die jetzt noch im Aufbau sind, gesteigert werden?

Wir streben zum einen an, unser Portfolio von Wind- und Solarparks in europäischen Ländern mit verlässlichen regulatorischen Rahmenbedingungen auszuweiten. Den wesentlichen Teil der Erlöse aus dem Börsengang wollen wir hier investieren. So können wir sowohl unser Anlagevermögen als auch unseren Umsatz aus dem Verkauf von Strom steigern.

Zum anderen werden wir das Asset Management ausbauen. Dies wollen wir über die Weiterentwicklung unseres Chorus Infrastructure Fund S.A. SICAV-SIF, einem regulierten Spezialfonds nach luxemburgischem Recht, erreichen. Über den Fonds können sich professionelle Investoren an einem diversifizierten Portfolio aus Erneuerbare-Energien-Anlagen beteiligen. Weiterhin bauen wir über das Dienstleistungsangebot 'Tailored Investment Solutions' für Kunden maßgeschneiderte Ziel-Portfolien aus Erneuerbare-Energien-Anlagen nach individuellen Vorgaben auf und optimieren die erforderliche Investitionsstruktur. Anschließend übernimmt Chorus die Betriebsführung der Anlagen.

Welche Subventionen könnten in den nächsten Jahren wegfallen und so das Risiko erhöhen?

Bei dem Erwerb jeder einzelnen Anlage kennen wir die Einspeisevergütungsmodalitäten am jeweiligen Standort genau. Das schließt die Laufzeit des Förderzeitraums mit ein. Daher ist das Risiko bei Anlagen in unserem Portfolio gering. In der Tat können und werden sich die Einspeisevergütungen in den nächsten Jahren für Anlagen, die neu ans Netz gehen, verringern. Wir sind aber davon überzeugt, dass es in unseren europäischen Zielmärkten durch den technischen Fortschritt und günstigere Technik weiter Anlagen mit einer attraktiven Rendite geben wird.

Werden durch den IPO-Erlös weitere Parks zugekauft?

Wie bereits erwähnt, wir wollen mit dem Börsengang unsere Wachstumsstrategie umsetzen und in Erneuerbare-Energien-Projekte investieren. Aus dem Blickwinkel unseres Unternehmens ist der jetzige Zeitpunkt ideal. Wir können auf eine Pipeline aus potenziellen Investitionsprojekten zurückgreifen. Sie umfasst derzeit Erneuerbare-Energien-Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 800 Megawatt. Einige davon wollen wir noch im laufenden Jahr realisieren. Darüber hinaus werden wir mit den eingeworbenen Mitteln unser Dienstleistungsangebot im Bereich Asset Management ausbauen.

Wann können Anleger mit einer Dividende rechnen?

Wir beabsichtigen, ab dem Geschäftsjahr 2015 eine jährliche Dividende auszuschütten. Den Beschluss darüber wird die im Jahr 2016 stattfindende Hauptversammlung fassen.

Derzeit drängen viele Unternehmen auf das Börsenparkett. Fühlen Sie sich in diesem Umfeld wohl?

Die zahlreichen Börsengange aktuell bestätigen unsere Einschätzung, dass jetzt ein gutes Zeitfenster für IPOs ist. Einen Wettbewerbsdruck empfinden wir nicht, da die Chorus Clean Energy AG mit einem Emissionsvolumen von rund 125 Millionen Euro ein anderes Investorenpublikum anspricht. Für uns sind das beispielsweise Small- und MidCap-Fonds oder auf Nachhaltigkeitsthemen spezialisierte Fonds.

Wo sehen Sie die Chorus Clean Energy AG im Wettbewerbsumfeld?

Die Attraktivität unseres Unternehmens hat sich im Vergleich zum Sommer weiter erhöht. Anders als der Gesamtmarkt haben sich Unternehmen aus unserer Peer Group seit Juli sehr positiv entwickelt. Beispielsweise ist der Kurs der Capital-Stage-Aktie um rund 25 Prozent gestiegen. Auf Basis unserer Preisspanne beträgt der Abschlag zu diesem Vergleichsunternehmen auf Basis des Kurs-Gewinn-Verhältnisses nach Einschätzung der Analysten über 40 Prozent.

Herr Götze, vielen Dank für das Gespräch.