03.12.2015 DER AKTIONÄR

Gazprom: Die nächste Pipeline vor dem Aus

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Turkish Stream liegt wegen des Streits zwischen Moskau und Ankara vorerst auf Eis. Die Verhandlungen über die geplante Gaspipeline von Russland durch das Schwarze Meer in die Türkei sind gestoppt, da die Arbeit der gemeinsamen Regierungskommission ausgesetzt worden ist, so der russische Energieminister Alexander Nowak laut der Agentur Tass.

Grund seien die vom Kreml gegen Ankara verhängten Sanktionen nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei. Gazprom-Chef Alexej Miller erklärte, der Ball liegt im Feld der Türkei. Falls Ankara Interesse an Turkish Stream habe, sollte die dortige Regierung ein Signal an Moskau senden. "Falls ein Vorschlag kommt, sehen wir ihn uns an", sagte er. Vor fast einem Jahr hatte Russland bereits den Bau der Pipeline South Stream beschlossen und wollte sich daraufhin stärker auf Turkish Stream konzentrieren.

Vorrang für Nord Stream
Turkish Stream soll vom russischen Küstenort Anapa über den europäischen Teil der Türkei bis nach Griechenland weitergebaut werden. Gazprom strich im Oktober die Pläne von vier auf zwei Stränge zusammen, die eine Kapazität von 32 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr haben. Als Grund für die Reduzierung nannte das Unternehmen den vereinbarten Ausbau der Ostseepipeline Nord Stream von Russland nach Deutschland. Gegen diese Pläne protestieren das für russisches Gas wichtige Transitland Ukraine und weitere osteuropäische Staaten.

Chart im Auge behalten!
Die Entscheidung ist eigentlich keine Überraschung mehr und wegen der Pipeline Nord Stream, die ebenfalls unter Umgehung der Ukraine Erdgas nach Westeuropa bringt, kein Beinbruch für Gazprom. Allerdings sieht mittlerweile das Kursbild der Aktie wieder besorgniserregend aus. Im Falle des Kursrückgangs unter die Marke von 4,00 Dollar drohen weitere Anschlussverkäufe.

Auch mutige Anleger sollten nun vorerst an der Seitenlinie verharren, zumal morgen im Zuge der OPEC-Sitzung weiterer Abgabedruck entstehen könnte. Konservative Anleger sollten ohnehin die Finger von der zwar extrem günstig bewerteten, aber eben sehr volatilen Aktie lassen.

(Mit Material von dpa-AFX)