Gestern fiel nun auch noch die Marke von 80,00 Euro: Angesichts der weiteren Zuspitzung im Nahen Osten überschritt der maßgebliche TTF-Terminkontrakt mit Lieferung in einem Monat an der Amsterdamer Börse erstmals seit Ende 2022 die Marke von 80 Euro je Megawattstunde und erreichte dabei zeitweise ein Hoch von 80,51 Euro.
Zuletzt gab die Notierung leicht nach und lag bei 79,30 Euro – ein Plus von 4,56 Prozent gegenüber dem Vortag. Weiter verschärft hat sich zuletzt der Konflikt zwischen den USA und dem Iran um die Kontrolle der Straße von Hormus. Als Vergeltung für iranische Angriffe auf ein US-Kriegsschiff zerstörte das US-Militär nach eigenen Angaben fünf iranische Rohöltanker und versenkte eines der Schiffe. Die iranischen Revolutionsgarden reagierten daraufhin nach eigener Darstellung mit "schweren Raketenangriffen" auf das mit Washington verbündete Königreich Jordanien. Die staatliche jordanische Nachrichtenagentur Petra berichtete, die Armee habe 20 ballistische Raketen abgefangen.
Mit dem aktuellen Preisanstieg notiert Erdgas im Großhandel nun höher als zu Kriegsbeginn im März, als der Kurs kurzzeitig die 70-Euro-Marke je MWh überschritten hatte. Teurer war Gas zuletzt 2022, als die Notierung nach dem russischen Lieferstopp im Zuge des Ukraine-Kriegs zeitweise über 300 Euro geklettert war.
Jetzt auch noch Folgen von "El Niño"?
Treiber des aktuellen Preisanstiegs ist die Befürchtung, dass Lieferungen von Flüssigerdgas (LNG) aus den Förderregionen am Persischen Golf dauerhaft unterbrochen bleiben könnten. Eine dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus zeichnet sich derzeit nicht ab, und an den Finanzmärkten schwindet zunehmend die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung. Bereits seit Anfang Juli befindet sich der Gaspreis im Aufwärtstrend – damals hatte er noch bei gut 40 Euro gelegen. Als wichtigster Erdgasproduzent der Region gilt Katar, dessen Staatskonzern QatarEnergy seine Förderung angesichts der angespannten Lage an der Straße von Hormus mittlerweile weitgehend gedrosselt hat. Zudem müssen große Länder wie Deutschland ihre Gasspeicher auffüllen.
Auch mittelfristig rechnen Experten nicht mit einer Entspannung am Gasmarkt. "Nun wird in Asien durch das Wetterphänomen El Niño generell ein kälterer Winter erwartet, wodurch die LNG-Nachfrage dort höher ausfallen könnte", erklärt Commerzbank-Experte Norman Liebke. "Durch die niedrigen Gasspeicher in Europa wird auch die LNG-Nachfrage hierzulande hoch bleiben, wodurch sich der Wettbewerb verstärken und daraus folgend die Preise weiter erhöhen könnten."
DER AKTIONÄR bleibt angesichts der aktuellen Entwicklung für die Anteilscheine von Equinor weiterhin zuversichtlich gestimmt. Die immer noch relativ günstige Dividendenperle ist ein attraktives Investment, zumal auch der Chart spannend ist. Der Stoppkurs kann vorerst noch bei 27,00 Euro belassen werden.
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