11.11.2016 Fabian Strebin

Experte Hein zu Deutscher Bank: "Abarbeitung der Rechtsstreitigkeiten dauert zehn Jahre"

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Deutsche Bank
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Im Interview mit dem AKTIONÄR steht Analyst Dieter Hein, von der Research-Gesellschaft Fairesearch, Rede und Antwort zur aktuellen Situation bei der Deutschen Bank. Im Fokus stehen vor allem die jüngsten Quartalszahlen.

DER AKTIONÄR: Wie beurteilen Sie im Nachgang die Zahlen der Deutschen Bank zum dritten Quartal?

Herr Hein: Die Deutsche Bank hat keinen Verlust im abgelaufenen Quartal ausgewiesen und das wurde schon als Erfolg gefeiert, leider auch von den Medien. Der Global Markets Bereich hat im Geschäft mit festverzinslichen Papieren wie auch die amerikanische Konkurrenz von Sonderfaktoren profitieren können. Die Eigenkapitalverzinsung lag hier trotzdem nur bei 3,4 Prozent. Wichtiger ist meiner Meinung nach aber, dass Analysten wegen des Hypothekenstreits in den USA höhere Rückstellungen erwartet hatten. Die Deutsche Bank hat aber im Vorjahresvergleich deutlich weniger zusätzliches Geld beiseite gelegt.

DER AKTIONÄR: Was heißt das konkret?

Herr Hein: Für die ersten neun Monate 2016 hat der Konzern 800 Millionen Euro für Rechtsstreitigkeiten aufgewandt, wovon 500 Millionen Euro alleine auf das dritte Quartal entfallen. Im Vorjahreszeitraum waren das letztes Jahr 4 Milliarden Euro, wovon 1,2 Milliarden Euro im dritten Quartal zu Buche schlugen. Meiner Einschätzung nach ist das Ergebnis der Deutschen Bank nur auf die geringeren Rückstellungen zurückzuführen und nicht auf Erfolge im operativen Geschäft.

DER AKTIONÄR: Wäre die Deutsche Bank denn zumindest bei den Rechtsstreitigkeiten über den Berg, wenn man sich in den USA im Hypothekenstreit einigt?

Herr Hein: Bei dem aktuellen Verfahren handelt es sich um Vorgänge aus den Jahren 2005 bis 2007. Es handelt sich also nur um einen relativ kurzen Zeitraum der Vorwürfe im Hypothekenbereich, worum es bei dieser Einigung hier geht.

DER AKTIONÄR: Anleger müssen also mit weiteren Strafen rechnen?

Herr Hein: Selbst wenn John Cryan jetzt die 14 Milliarden Dollar, die die USA fordern, zahlen würde, wären ja nicht alle Verfehlungen der Vergangenheit damit abgedeckt. Auch wenn man den angekündigten Kulturwechsel vollzogen und sauber gearbeitet hätte in den letzten Jahren, glaube ich, dass die Abarbeitung der ganzen Rechtsstreitigkeiten der Vergangenheit die Deutsche Bank noch zehn Jahre beschäftigen wird.