24.04.2018 Andreas Deutsch

Egbert Prior: Fantasie durch Elektromobilität

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Er kennt die Börse aus dem Effeff. Die Rede ist von Egbert Prior. Der langjährige Herausgeber der Prior Börse nimmt für Sie seine Favoriten unter die Lupe: deutsche Nebenwerte. Lesen Sie seine Analyse.

„Die Rede ist von Nabaltec, ein typischer hidden champion. Beheimatet in der Provinz. Eigentümergeführt. In Nischen Weltmarktführer. Seit unserer letzten Empfehlung vor fünf Jahren (8. Mai 2013) hat sich der Kurs vervierfacht auf aktuell 25,40 Euro.

Über die weiteren Perspektiven sprechen wir mit Johannes Heckmann. Der Mitgründer und CEO stellt weiteres Wachstum in Aussicht. Bis 2022 soll der Umsatz auf 230 Millionen klettern, bei einer zweistelligen Ebit-Marge. Vergleichen Sie: Im vergangenen Geschäftsjahr legte der Konzernumsatz um knapp sechs Prozent auf 169 Millionen zu.

Heckmann betont, dass die Planung konservativ sei. Es könnte noch besser kommen. In Nabaltec steckt nämlich „Elektromobilitätsphantasie“!

Böhmit, ein spezielles Aluminiumhydroxid, das Nabaltec produziert, kann in Lithium-Ionen-Batterien die Brandgefahr reduzieren. Dazu werden in den Akkus Trennfolien mit Böhmiten beschichtet. Sollten sich batteriebetriebene Elektroautos tatsächlich durchsetzen, sieht der Unternehmenslenker ein zusätzliches Umsatzpotential von mittelfristig vielleicht 25 Millionen. Das Interessante dabei sei die hohe EBIT-Marge, die 30 Prozent erreichen könne.

Wichtigster Geschäftszweig sind flammhemmende Füllstoffe auf Basis von Aluminiumhydroxid, die in die Ummantelung von Elektrokabeln „gemixt“ werden. Besonders in Tunneln, Flughäfen, Hochhäusern hat Brandschutz Priorität, die Vorschriften werden zunehmend schärfer. Der CEO hebt die Umweltfreundlichkeit der Produkte hervor, die Dämpfe seien nicht giftig und die Entsorgung kein Problem.

Darüber hinaus produziert das Unternehmen aus dem oberfränkischen Schwandorf Spe-zialoxide zum Einsatz in Technischer Keramik und der Feuerfestindustrie. In den letzten zehn Jahren hat das Spezialchemieunternehmen den Umsatz um durchschnittlich 6,7 Prozent p.a. gesteigert.

Nach dem Ausfall eines Joint-Venture-Partners in den USA investiert Nabaltec jenseits des großen Teichs einen zweistelligen Millionenbetrag in den Ausbau der Produktionskapazitäten. Derzeit erzielen die Oberfranken 26 Prozent ihrer Erlöse in Deutschland, 49 Prozent im übrigen Europa, 13 Prozent in den USA und acht Prozent in Asien.

2018 bezeichnet Heckmann als „Übergangsjahr“, weil die Produktion in den USA nach längerer Unterbrechung erst Ende des zweiten Quartals wieder anläuft, sind im laufenden Turnus keine großen Sprünge zu erwarten.

Für 2018 stellt Heckmann ein Umsatzwachstum im „mittleren einstelligen Prozentbereich“ in Aussicht, die Ebit-Marge soll im „oberen einstelligen Prozentbereich“ landen. Das Ergebnis je Aktie schätzen wir auf 1,35 Euro. Das KGV ca. 18.

Welches Potential in der Aktie steckt, deutet eine Analystenstudie an. Hauck & Aufhäuser glaubt, daß der Umsatz bis 2022 auf 260 Millionen klettern kann, bei einer Ebit-Marge von mehr als 13 Prozent. Das bedeutete ein Ergebnis je Aktie von mehr als drei Euro. So gesehen beliefe sich das KGV auf ganze 8. Marktkapitalisierung gut 200 Millionen. 56 Prozent der Anteile liegen bei den Gründern.

Fazit: Solide Wachstumsaktie. Weitere Kursgewinne programmiert.“