05.05.2013 Markus Horntrich

Ecommerce Alliance: Zurück zu den Wurzeln

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Ecommerce Allinace will mit dem Kauf der wap-telecom GmbH zurück zu den Wurzeln. Im Interview mit dem AKTIONÄR erklärt Vorstandschef Daniel Wild, wie er mit dem Smartphone- und Tablet-Geschäft an alte Erfolge anknüpfen will.

Mit der Übernahme von 51 Prozent der wap-telecom GmbH mit drei Tochtergesellschaften sichert sich die Internet-Holding für Online-Aktivitäten - die Ecommerce Alliance AG - einen Umsatzzuwachs von circa 65 Millionen Euro, so dass sich im laufenden Jahr ein Gesamtumsatz von mehr als 100 Millionen Euro ergeben könnte. DER AKTIONÄR wollte vom Großaktionär und Vorstandschef Daniel Wild wissen, wie er die neue Ecommerce Alliance positionieren möchte, welche Pläne er mit der neuen Firma hat und wie das Smartphone- und Tablet-Geschäft in die bestehenden Internetgesellschaften integriert werden soll.

DER AKTIONÄR: Herr Wild, ein Großteil der Aktivitäten von wap-telecom besteht auch aus der Getmobile, die Sie im Jahr 2009 zu einem guten Geld an wap verkauft haben. Drehen Sie das Rad jetzt wieder zurück?

Daniel Wild: Mit dieser strategischen Akquisition stellen wir uns im Mobilfunkmarkt sehr breit auf. Wichtigstes Element der WAP-Firmengruppe - und damit Hauptgrund der Akquisition -  ist die WAP Telecom GmbH, ein seit Jahren sehr erfolgreicher Distributor für Smartphones und Tablets. Zudem gehören zur Gruppe die getsmart GmbH, die getmobile GmbH und die axxamo GmbH. An letzter waren wir bereits vor der Übernahme beteiligt. Die getsmart vertreibt als Serviceprovider Mobilfunkverträge - u.a. über den ADAC. Dadurch verdienen wir nicht nur am Geräteverkauf, sondern auch an der Telefonie. Die beiden Online-Direktvertriebs-Spezialisten getmobile und die axxamo runden das Bild ab. Insofern freut es mich persönlich, dass die getmobile wieder zur ECA-Gruppe gehört, jedoch war sie nicht ausschlaggebend für die Übernahme der WAP-Gruppe.

Wie unterscheidet sich der Mobilfunkmarkt von heute von dem vor vier Jahren?

Vor vier Jahren war der Mobilfunkmarkt in Deutschland gesättigt. Datenverträge spielten noch keine große Rolle. Sowohl Handys als auch Verträge wurden immer billiger. Stand heute hat sich das Bild zu damals völlig gewandelt. Mit Smartphones und Tablets beherrschen zwei neue spannende Produktgruppen den Mobilfunkmarkt, und aufgrund hoher Datenvolumina wird mit Mobilfunkverträgen wieder viel verdient.

Welche Wachstumspläne haben Sie für das Smartphone- und Tablet-Geschäft in den nächsten fünf Jahren?

Wir wollen in diesem Segment jedes Jahr um 20 Prozent wachsen.

Ihre bisheriges Beteiligungsportfolio besteht noch aus zehn weiteren anderen im Ecommerce angesiedelten Firmen, bei denen der Geschäftszweck sehr stark variiert - angefangen von den Servicegesellschaften getperformance, mailcommerce und getlogics etc. bis hin zu MYBESTBRANDS und posterjack.  Welche Synergieeffekte gibt es bei den letztgenannten Gesellschaften zu den Firmen, die im Smartphone- und Tablet-Geschäft tätig sind?

Die beiden wichtigsten Säulen in der neuen Firmenstruktur sind die Ecommerce-Services mit den Firmen getperformance, mailcommerce und getlogics und die Mobilfunksparte mit den Unternehmen der WAP-Gruppe. Die Synergien zwischen diesen beiden Sparten sind sehr hoch, da die Servicefirmen immer intensiver mit den Mobilfunkfirmen zusammenarbeiten. Hier werden vor allen Dingen im Bereich der Kundenakquisition, des Kundemanagements und der Logistik enge Verzahnungen eingegangen. Neben den beiden zentralen Sparten gibt  es noch andere Ecommerce-Brands-Firmen und spannende Ventures, wie z.B. pearlfection. Diese Firmen werden über die nächsten Jahre - wenn der Preis stimmt - Stück für Stück verkauft werden. Somit erhöht sich der Fokus auf die beiden zentralen Sparten.

Das heißt also, Sie wollen die Liste der Tochtergesellschaften in den nächsten Monaten deutlich reduzieren?

Wir hatten für das Jahr 2012 angekündigt, ein bis zweii Firmen zu verkaufen. Dies haben wir bis Dezember 2012 mit dem Verkauf von netmoms und 52Weine realisiert. Auch in diesem und nächstem Jahr erwarte ich jeweils ein bis zwei Verkäufe. Im März 2013 wurde bereits posterjack verkauft.  

Wie schätzen Sie den Wert Ihres bisherigen - nicht des neuen - Portfolios ein und wie viel soll dieses Jahr in cash umgewandelt werden?

Aktuelle Werte sind immer schwer zu schätzen. Ich persönlich habe für alle Firmen einen Wert im Kopf, den ich bei einem evtl. Verkauf erzielen möchte. Egal, wann dieser stattfindet, ich rechne in jedem Fall mit einem Rückfluß im 7-stelligen Bereich.

Wie lange dauert der Umstrukturierungsprozess und mit welchem Umsatz- und Ertragsvolumen wollen Sie dann mit der erstrangig auf Kommunikationsprodukten ausgerichteten Beteiligungsholding starten?

Wir machen als Ecommerce Alliance keine eigenen Prognosen  - daher beziehe ich mich auf die Analystenstudie von Close Brothers Seydler. Die Analysten von CBS gehen in diesem Jahr von einem Umsatz von 164 Millionen Euro und einem EBITDA von 2,6 Millionen Euro aus.

Im Zuge des Anteilserwerbs wurden die 51 Prozent der wap-telecom GmbH durch die Ausgabe von 519.413 neuen Aktien von Ecommerce bewertet, wobei jede Aktie zu einem Kurs von 9,85 Euro angesetzt worden ist. Wie sind Sie auf diesen Wert gekommen?

Wir haben, unterstützt durch unsere Berater, im Rahmen der Due Diligence die gesamte WAP-Gruppe mit knapp über 10 Millionen Euro bewertet, daher ergab sich ein Kaufpreis von circa fünf Millionen Euro für 51 Prozent Dies entspricht auch dem Wert der dafür ausgegeben Aktien im Wert von je 9,88 Euro.

Wie sieht die Aktionärsstruktur bei der börsennotierten Holding derzeit aus?

Wenn die neuen Aktien im Handelsregister eingetragen und in Folge ausgegeben wurden, haben wir ein Grundkapital von 2,077.655  Millionen Euro. Auch nach der Transaktion bin ich zusammen mit der Tiburon GmbH der größte Anteilseigner mit über 20 Prozent. Die beiden Verkäufer der WAP-Gruppe, Andreas Schmidt und Stefan Schmidt, halten jeweils 11,5 Prozent.

In welcher Range könnte der net-Profit der umstrukturierten Holding in 2013 liegen und was kann dies für das EPS bedeuten?

Wir machen keine eigene Prognose. Wir beziehen uns auf die CBS-Studie.

Was ist an dieser Firma dann so außergewöhnlich  interessant?

Die Positionierung und das Zusammenspiel  von zwei starken Wachstumsmärkten Ecommerce-Services und Mobilfunk sind sehr spannend. Darüber hinaus ergeben sich weitere Möglichkeiten, unsere eigenen und fremde Content-Angebote über die Smartphones und Tablets zu distribuieren.

Welche weiteren Aktivitäten im Zusammenhang mit der Kooperation mit dem ADAC wollen Sie noch einbringen?

Die getsmart wird weitere Vertriebspartnerschaften anstreben.

Haben Sie weitere Pläne in der Ausweitung des Geschäftes, die Sie bisher noch nicht veröffentlicht haben?

Aktuell gibt es keine weiteren Planungen. Wir haben mit dem Wachstum  der Gruppe derzeit genug zu tun.

Was sind die neuen Schritte im Kommunikationsfahrplan, den Sie für die nächsten 9 Monate geplant haben?

Um unserer neuen Größe Rechnung zu tragen, werden wir deutlich mehr in die Börsen- und IR-Kommunikation investieren.

Herr Wild, vielen Dank für das Interview und viel Erfolg bei der Umsetzung Ihrer Pläne.