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14.05.2015 Andreas Deutsch

Die Prognosen der Profis

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Nach einem starken Start ins neue Jahr müssen die Anleger derzeit Geduld haben. Die Märkte warten ab: Kommt schon bald die Zinswende? Erholt sich der Euro weiter? War der Crash am Anleihenmarkt nur ein Vorgeschmack? DER AKTIONÄR hat nachgefragt.

„Hauptverantwortlich für die Jahresanfangsrallye waren der schwache Euro, der halbierte Ölpreis und die Null-/Negativzinsen“, sagt Daniel Zindstein, Dachfondsmanager bei Gecam. „Seit Mitte April machen die Treiber nun Pause beziehungsweise schlagen sogar die Gegenrichtung ein. Der Ölpreis stieg von 45 auf 68 Dollar, der Euro/Dollar-Kurs legte von 1,05 auf 1,13 zum Dollar zu und jüngst stiegen sogar die Renditen für Staatsanleihen weltweit an.“

War’s das jetzt mit der Aktienanlage, Herr Schönrock? Nein, meint Zindstein. „Die Kraft der drei Herzen wirkt weiter.“ Der Ölpreis habe nur eine strategische Niveau-Verschiebung vollzogen. „Das bedeutet, der jahrelang gültige Gleichgewichtspreis über 100 US-Dollar verschiebt sich dauerhaft nach unten – wahrscheinlich irgendwo zwischen 50 und 80 US-Dollar.“ Das liegt zum Beispiel daran, dass mit der US-Fracking-Industrie ein neuer großer Produzent entstanden sei.

Kein starker Euro in Sicht

Eine nachhaltige Gegenbewegung beim Euro sieht Zindstein nicht. „Die den Dollar stärkenden Kräfte sind auf jeden Fall nicht am Ende. Vor allem die schwächelnden US-Konjunkturdaten im ersten Quartal haben ihre Gründe. Wieder ein extrem harter Winter sowie Hafenarbeiter-Streiks an der Westküste sind singuläre Gründe für weniger Exporte und höhere Lagerhaltung und werden in den kommenden Wochen einen Rückprall-Effekt auslösen.“ Dann kehre auch die in den Hintergrund getretene Erwartung an steigende Leitzinsen in den USA zurück. „Die Euro-Erholung wird sich dann dem Ende zuneigen.“

Zinswende?

Den Renten-Crash sieht Zindstein als ein Abbau der Übertreibung an. „Wie wir das vom Aktienmarkt kennen: „Kursrückgänge gehen recht schnell und für viele überraschend vonstatten. Aber auch hier gilt: Scharfe Korrekturen sind meist trendbestätigend.“

Zindstein sieht die EZB erst am Anfang ihres Kaufprogrammes. „Somit ist die Erwartung vieler großer Anleger aufgegangen, was zu Gewinnmitnahmen einlädt.“ Das bedeutet laut dem Profi keine Abkehr vom grundsätzlichen Niedrigzinsumfeld. „Dieses ist existentiell für die chronisch überschuldeten Euro-Länder, für eine schwache Währung, und die verzweifelte Stimulation der Konjunktur in reformunfähigen oder unwilligen Ländern.“

Gute Chancen für die Aktienmärkte

Folglich ist Zindstein weiterhin optimistisch für die Aktiemärkte. „Die Welt hat sich nicht verändert, außer dass einige exzessive Bewegungen etwas relativiert wurden. Es wird weiterhin eine Welt bleiben, die eine expansive Geldpolitik betreibt und diese sogar noch ausweitet.“ Vor allem sei es eine Welt, die weiter wachse – quantitativ (mehr Menschen) und qualitativ (mehr Wohlstand). „Knapp vier Prozent Weltwirtschaftswachstum lässt eine gelassen positive Sicht auf die Exportindustrien von Deutschland, Japan, China und deren Aktienmärkte zu.“

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