10.07.2019 Michael Schröder

Deutz-Vorstand löst 25%-Kurssturz aus: Kommt jetzt die 20%-Gegenbewegung?

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Deutz
Trendthema

Börse kann knallhart sein. Seitdem der Deutz-Vorstand Frank Hiller Anfang der Woche in einem Interview erklärt hatte, dass sich die Nachfrage nach Motoren abkühle und der Höhepunkt wohl erreicht sei, ziehen die Investoren die Reißleine und steigen im großen Stil aus. Mittlerweile ist die Aktie seit den Aussagen des Firmenchefs um über 25 Prozent gefallen.

Die Furcht vor einer mauen Geschäftsentwicklung hat die Investoren des Motorenbauers Deutz verschreckt. Vorstand Frank Hiller hatte der Nachrichtenagentur Bloomberg am Montag gesagt, dass sich die Nachfrage nach Motoren abkühle und der Höhepunkt wohl erreicht sei.

Nach gut sechs Prozent Minus am Montag brachen die Papiere am Dienstag um weitere 15 Prozent ein. Heute goss Analystin Charlotte Friedrichs von der Berenberg Bank mit der Streichung ihrer Kaufempfehlung Öl ins Feuer. Sie ist mit ihrem neuen Kursziel von 7,70 Euro inzwischen die skeptischste Expertin. Folge: Die Aktie fällt erneut um fünf Prozent zurück.

Deutz (WKN: 630500)

Friedrichs sieht zwar die Jahresziele nicht in Gefahr, wird allerdings deutlich vorsichtiger für 2020 und darüber hinaus. Mit ihren Schätzungen für Umsatz und bereinigtem operativen Ergebnis bis 2021 liegt sie inzwischen um bis zu acht beziehungsweise zwölf Prozent unter dem Marktschnitt. Weitere Analystenstimmen dürften in Kürze folgen.

Wie sind die Aussagen einzuordnen? Die jüngsten Daten aus der Branche und Veröffentlichungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) mahnen zwar zur Vorsicht. Die Zahlen für das zweite und das dritte Quartal dürften jedoch noch recht solide ausfallen. Dank gut gefüllter Auftragsbücher sollte Deutz daher die Planvorgaben für das laufende Jahr auch erreichen.

Ab dem Schlussquartal könnte sich dann die Zurückhaltung der Kunden nach und nach in den Büchern bemerkbar machen. Mit dem Kurssturz von über 25 Prozent innerhalb weniger Tage sollte dieses Szenario aber mehr als eingepreist sein. Das Kursziel der Berenberg-Pessimistin liegt ebenfalls rund 20 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.

Die Halbjahreszahlen von Deutz und einen frischen Ausblick auf das Gesamtjahr gibt es am 1. August. Bisher erwartet der Vorstand offiziell trotz eines derzeit allgemein herausfordernden makroökonomischen sowie geopolitischen Umfelds eine Umsatzsteigerung auf mehr als 1,8 Milliarden Euro und ein Anstieg der EBIT-Rendite vor Sondereffekten auf mindestens 5,0 Prozent.

Dr.-Ing. Frank Hiller (CEO Deutz AG)

Eine Bestätigung der Prognosen sollte für eine gewisse Beruhigung sorgen. Eine Gegenbewegung auf die jüngsten Verluste dürfte schon im Vorfeld der Zahlen einsetzen. Risikobewusste Anleger gehen diese dann mit Ziel 7,50 Euro und Stopp bei 6,10 Euro mit.

(Mit Material von dpa-AFX)