28.04.2019 Marion Schlegel

Deutsche Biotech-Perle InflaRx: Finanzvorstand verrät im Interview hochinteressante Details

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INFLARX
Trendthema

Was die deutsche Biotech-Gesellschaft InflaRx so interessant macht, konnten Sie bereits im Artikel „InflaRx: Diesen deutschen Biotech-Senkrechtstarter müssen Sie kennen“ lesen. Der Finanzvorstand des Unternehmens, Arnd Christ, hat im Interview mit dem AKTIONÄR Details zum am weitesten fortgeschrittenen Projekt IFX-1 erläutert.

DER AKTIONÄR: Herr Christ, es gibt derzeit nur eine Behandlungsoption für Hidradenitis suppurativa (HS): Humira von AbbVie. Wie sehen Sie sich im Vergleich zur Konkurrenz positioniert?

Arnd Christ: Wir denken, dass unser Ansatz aufgrund seines anderen Wirkmechanismus das Potenzial hat, mehr Patienten eine bessere Behandlungsoption für HS zu bieten. Bei der Phase-3-Studie mit Humira haben nur circa 50 Prozent der Patienten auf Humira angesprochen. Die Placeborate lag dabei bei circa 27 Prozent. Letztendlich zeigte also nur rund die Hälfte der behandelten Patienten eine positive klinische Wirkung mit diesem Medikament. Hinzu kommt, dass man in den vergangenen Jahren gelernt hat, dass sehr viele Patienten, die mit Humira behandelt werden, nicht mehr auf die Therapie ansprechen und wieder das typische Krankheitsbild von HS entwickeln. Schätzungen zufolge trifft dies auf circa 50 Prozent aller mit Humira behandelten Patienten zu. Wir sind zuversichtlich, dass IFX-1 das Potenzial hat, sich in verschiedenen Aspekten von Humira zu unterscheiden. Im Prinzip kommt es auf folgende Dinge an: Ist der Wirkstoff in der Lage, die Schmerzen des Patienten zu reduzieren? Kann der Eiterfluss, unter dem diese Patienten extrem leiden, reduziert oder gestoppt werden? Und der vielleicht wichtigste Punkt: Sprechen HS-Patienten langfristig und nachhaltig auf die Behandlung mit IFX-1 an – was wie gesagt bei Humira nicht der Fall ist. Wenn wir mit unserem Medikamentenkandidaten diese genannten Aspekte positiv adressieren können, dann haben wir einen entscheidenden Vorteil im Vergleich zu Humira.

Quelle: InflaRx

Derzeit durchläuft ihr Produkt IFX-1 eine Phase-2b-Studie. Wann kann man hier mit Ergebnissen rechnen?

Wir haben insgesamt knapp 180 Patienten in die Studie eingeschlossen und die Patientenaufnahme Ende November abgeschlossen. Die Ergebnisse der Phase-2b-Studie erwarten wir Ende des zweiten Quartals. Das primäre Ziel dieser Studie ist: Wir wollen zeigen, dass wir einen dosisabhängigen Effekt auf den klinisch relevanten „Highscore“ nach der Behandlung von vier Monaten haben. Damit lässt sich dann auch beantworten, mit welcher minimalen Dosis IFX-1 wirkt. Das wird dann die Dosis sein, mit der wir in die Phase 3 gehen wollen. Sekundäre Endpunkte sind unter anderem Faktoren wie Schmerzreduzierung, Eiterfluss sowie insgesamt die Lebensqualität des Patienten.

Zudem planen wir eine Open-Label-Extension. Das heißt, die Patienten, die bislang verblindet behandelt worden sind, gehen dann in eine weitere 5-monatige Behandlungsphase, die nicht verblindet ist. Zum einen wollen wir damit erforschen, wie die Langzeitwirkung ist, mit anderen Worten, ob IFX-1 in dieser Patientenpopulation während der Behandlung wirkt und das Medikament nicht seine Wirkung verliert, wie wir bei Humira sehen. Zum anderen wollten wir eine Dosis testen, mit der der Patient langfristig behandelt werden kann. Unsere momentane wissenschaftliche Hypothese ist nämlich, dass wir das Target C5a nur für eine bestimmte Zeit komplett mit IFX-1 blockieren wollen, bis der HS-Patient signifikant reduzierte oder vielleicht keine krankheitsspezifischen Symptome aufzeigt. Wir nehmen an, dass dann anschließend C5a nicht mehr langfristig komplett blockiert werden muss, sondern vielleicht nur auf normalem Niveau reguliert werden muss, um ein erneutes Ausbrechen der Krankheit zu verhindern.

Herr Christ, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview ist bereits in der AKTIONÄR Ausgabe 16/2019 erschienen, die Sie hier herunterladen können.