28.10.2008 Markus Horntrich

Der Krimi um Volkswagen - Porsche blufft alle

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DAX
Trendthema

Im Übernahmekrimi um Volkswagen zieht Porsche alle Register und könnte mit den Optionsgeschäften bis zu 30 Milliarden Euro Gewinn einstreichen. Doch wann und wie übernehmen die „Hedgefondsmanager“ Wiedeking, Härter, Piëch, Porsche und Co VW?

Über 200 Prozent Kursgewinn an einem Tag – für einen DAX-Konzern ist dies ein absolutes Novum. Die Aktie des VW-Konzerns stieg im gestrigen Handel in der Spitze auf 635 Euro. Erklären lässt sich dieser Anstieg mit Zwangseindeckungen von Short-Sellern, die auf einen fallenden VW-Kurs gesetzt hatten. Mit der Meldung vom Wochenende, der Offenlegung der Optionen auf 31,5 Prozent der VW-Stämme sowie der aktuellen Beteiligungshöhe von 42,6 Prozent wollte Porsche den „Shorties“ „Gelegenheit geben, ihre Positionen in Ruhe und ohne größeres Risiko aufzulösen. Von Ruhe und ohne größeres Risiko kann nicht die Rede sein, was aber nicht das Problem von Porsche oder VW ist. Es ist nicht zu erwarten, dass Porsche mit der abgesetzten Pressemeldung tatsächlich das Wohl der Leerverkäufer im Sinne hatte. Vielmehr ist anzunehmen, dass Porsche den Kurs mit dieser Mitteilung bewusst angeheizt hat, um die Gewinne aus den Kaufoptionen einzustreichen. Und die könnten sich je nach Basispreis auf bis zu 30.000.000.000 Euro belaufen.

30 Milliarden Euro Gewinn?
Dazu eine mögliche Szenariorechnung: Angenommen Porsche hätte sich für 31,5 Prozent der Stammaktien Kaufoptionen für VW zum Basispreis von 200 Euro gesichert. Das würde bei 291 Millionen Aktien knapp 92 Millionen Kaufoptionen entsprechen. Geht man von einem Tagesdurchschnittskurs von 500 Euro für VW aus, so würde das im Schnitt einen Gewinn von fast 28 Milliarden Euro ergeben. Die Verkäufer der Kaufoptionen, das dürften mehrere Banken sein, müssten bei Ausübung der Optionen die Differenz zwischen aktuellem VW-Kurs und Basispreis der Optionen an Porsche überweisen. Also würden Porsche knapp 30 Milliarden Euro in die Kasse fließen. Ein schönes Geschäft für die Zuffenhausener, ein schlechtes für die Banken, die das Geld aufbringen müssen.

Porsche bestimmt den Preis
Doch wie und wann kauft Porsche VW-Aktien? Da Porsche sich zunächst die einfache Mehrheit sichern will, also den Anteil auf über 50 Prozent aufstocken muss, dürfte der Sportwagenbauer zunächst den Kauf von Stammaktien im Visier haben.
Wenn man das oben genannte Szenario weiterführt, müsste man davon ausgehen, dass die Optionsverkäufer, also die Banken, bei Abschluss des Optionsgeschäfts VW-Stammaktien zur Absicherung gekauft haben. Da die Optionen cash-gesettelt sind, Porsche also den Gewinn ausbezahlt und nicht die Aktien geliefert bekommt, müssten die Banken ihren VW-Bestand verkaufen, um den Differenzausgleich finanzieren zu können.
Problem für die Banken wäre dann: Abgesehen von Short-Sellern kauft ihnen auf dem aktuellen Niveau niemand VW-Aktien ab. Da sich das Feld der Shorties aufgrund deren Schieflage langsam lichtet, wird der Kaufdruck geringer, gleichzeitig erhöht sich der Verkaufsdruck auf die Banken, je mehr Optionen Porsche ausübt. Ein Absturz der VW-Stammaktien wäre daher nur eine Frage der Zeit. Und am Ende kann Porsche die Verkaufspanik nutzen, um die restlichen knapp acht Prozent zur Aktienmehrheit bequem einzusammeln.

VW oder Porsche?
Anleger dürften derzeit auf der Long-Seite mit dem Porsche-Papier besser fahren. Mit dem Erreichen der Mehrheit kann Porsche VW voll konsolidieren, was pro forma einem Jahresumsatz für 2008 von knapp 120 Milliarden Euro entsprechen würde. Da zudem ein Großteil der Marktkapitalisierung von Porsche aktuell mit Optionsgeschäften verdient sein dürfte, können sich die Anleger unter Umständen auch auf eine ordentliche Dividendenausschüttung im nächsten Jahr freuen. So gesehen passen auch die jüngsten Insiderkäufe der Familie Porsche für 7,7 Millionen Euro (siehe Tabelle unten) bei den Porsche Vorzugspapieren ins Bild.

Insiderkäufe der Familie Porsche: