Delivery Hero trennt sich vom Taiwan-Geschäft und kassiert 600 Millionen Dollar in bar. Der Essenslieferdienst will damit Schulden abbauen und seine Struktur stärken. Doch reicht das wirklich aus, um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen und die schwache Kursentwicklung zu drehen?
Delivery Hero hat zum Wochenstart einen weiteren Schritt im Umbau des Konzerns bekannt gegeben. Die Aktie notiert aktuell bei rund 15 Euro und damit nahe dem Rekordtief. Nun verkauft der MDAX-Konzern sein Essensliefergeschäft in Taiwan an den Rivalen Grab für 600 Millionen Dollar in bar. Grab ist ein in Singapur ansässiger Plattformanbieter für Fahrdienste und Essenslieferungen und in Südostasien Marktführer. Der Abschluss wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet.
Konkret geht es um die Plattform foodpanda in Taiwan. Das Geschäft brachte 2025 einen Bruttowarenwert von 1,5 Milliarden Euro und arbeitete operativ profitabel auf bereinigter Basis vor Konzernkosten. Käufer Grab expandiert damit erstmals außerhalb Südostasiens.
Der Erlös soll laut Unternehmen vor allem in den Schuldenabbau fließen. Delivery Hero spricht davon, die Kapitalstruktur zu stärken und Mittel für allgemeine Unternehmenszwecke zu sichern. Konzernchef Niklas Östberg bezeichnete die Transaktion als einen „wichtigen ersten Schritt in der laufenden strategischen Prüfung“.
Auch in der ausführlicheren Mitteilung wird die Stoßrichtung klar. Der Verkauf ermögliche es, erheblichen Wert für die Aktionäre zu realisieren. Gleichzeitig ist der Deal Teil einer breiteren Neuaufstellung, die von der Investmentbank JP Morgan begleitet wird. Delivery Hero prüft seit Monaten sein Portfolio und will sich stärker fokussieren.
Am Markt steht jedoch weniger der Verkauf selbst im Fokus, sondern die Frage nach der finanziellen Stabilität. Der Konzern hat in den vergangenen Jahren hohe Verluste geschrieben und kämpft weiterhin mit einer angespannten Bilanz. Entsprechend wird jeder Mittelzufluss genau beobachtet.
Charttechnisch bleibt das Bild angeschlagen. Die Aktie notiert auf dem tiefsten Stand seit dem Börsengang im Juni 2017. Am Montag legt das Papier in einem schwachen Gesamtmarkt jedoch um knapp vier Prozent zu.
Mit Blick nach vorne richtet sich der Fokus nun auf den Geschäftsbericht 2025, der am 26. März veröffentlicht wird.
Der Verkauf bringt dringend benötigte Liquidität. Operativ bleibt die Lage jedoch angespannt. Weder fundamental noch charttechnisch gibt es aktuell überzeugende Kaufargumente. Anleger machen weiterhin einen Bogen um den Underperformer.
Heute, 09:24