Der DAX geht mit Rückenwind in den letzten Handelstag der Woche. Der S&P 500 schloss am Donnerstag 0,7 Prozent höher bei 7.799 Punkten und lag auch erstmals in der Börsenhistorie über der Marke von 7.800 Zählern, während der deutsche Leitindex den Tag mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 26.300 Punkten praktisch auf dem Tagestief beendete.
Für den Start in den heutigen Handel taxiert der Broker IG den DAX aktuell 0,5 Prozent höher auf 26.421 Punkte. Damit würde er nur rund 150 Zähler unter dem Rekordhoch starten, das am Mittwoch markiert wurde.
Marktanalyst Timo Emden von Captrader hält eine Konsolidierung auf diesem Kursniveau für gesund, bleibt aber skeptisch, weil Gewinnmitnahmen im größeren Stil bislang ausgeblieben sind. Stützend wirkt die Berichtssaison: Nach einer Auswertung der Deutschen Bank haben 70 Prozent der DAX-Unternehmen die Erwartungen übertroffen, das Gewinnwachstum fiel so hoch aus wie seit Jahren nicht.
Um 14:30 Uhr veröffentlicht das Handelsministerium den Einzelhandelsumsatz für Juli; erwartet wird nach der Dow-Jones-Erhebung ein Plus von 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat. Um 16:00 Uhr folgen die vorläufige Verbraucherstimmung der Universität Michigan für August sowie die Lagerbestände für Juni. Diese Konjunkturdaten sind auch im Hinblick auf mögliche Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed wichtig: Beth Hammack, Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, bekräftigte am Donnerstag ihre Forderung nach einer sofortigen Zinserhöhung, um die Inflation zu drücken. Der Markt preist derzeit weniger als vierzig Prozent Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt im September ein.
Unternehmensseitig legen Talanx, Nagarro und SFC Energy um 07:30 Uhr Zahlen zum zweiten Quartal vor, Wüstenrot & Württembergische sowie Aviva um 08:00 Uhr, Flatexdegiro folgt um 18:00 Uhr mit dem detaillierten Halbjahresbericht.
Anleger dürften zudem weiter die Vortagesgewinner und -Verlierer im DAX im Blick haben. Auf der Gewinnerseite standen am Donnerstag Continental mit einem Plus von 3,0 Prozent, RWE mit 2,6 Prozent, Qiagen mit 1,7 Prozent, die Commerzbank mit 1,2 Prozent und die Deutsche Telekom mit 1,0 Prozent. RWE überzeugte mit Aussagen in der Telefonkonferenz zum ausführlichen Quartalsbericht. DZ-Bank-Analyst Werner Eisenmann sprach von einer prall gefüllten Pipeline an positiven Impulsen und hält die Ende Juli angehobenen Ziele für 2026 und 2027 weiter für konservativ.
Größte Verlierer im DAX waren BASF mit einem Minus von 2,2 Prozent, Mercedes-Benz mit 1,6 Prozent, Volkswagen Vorzüge mit 1,3 Prozent, Daimler Truck mit 1,1 Prozent und BMW mit 0,9 Prozent – die Autowerte gaben damit geschlossen ab. In der zweiten und dritten Reihe war mehr Bewegung: TKMS setzten ihre Rally nach der Hochstufung durch Bernstein Research um weitere acht Prozent fort, Vincorion sprangen nach einem optimistischeren Umsatzausblick um zehn Prozent, Indus Holding zogen nach einer Kaufempfehlung der Privatbank Metzler um bis zu zehn Prozent an. Unter Druck gerieten Lanxess nach einer Verkaufsempfehlung der Berenberg Bank, Evotec nach schwachen Halbjahreszahlen und Energiekontor mit einem Minus von 6,7 Prozent.
Am Rohstoffmarkt setzte sich die Entspannung fort. Brent verbilligte sich um mehr als zwei Prozent auf 87,10 Dollar je Barrel, die amerikanische Sorte WTI auf 81,25 Dollar. Die Lage rund um die Straße von Hormus bleibt allerdings ungeklärt, der Iran hat wiederholten Aussagen aus Washington widersprochen. Gold gab um 1,2 Prozent auf rund 4.357 Dollar je Feinunze nach, der Bitcoin notierte am Morgen bei rund 63.300 Dollar.
An der Wall Street sorgten unveränderte Erzeugerpreise für Rückenwind – erwartet worden war ein Anstieg um 0,2 Prozent. Der Nasdaq Composite gewann 0,8 Prozent auf 26.803 Punkte, der Dow Jones 0,1 Prozent auf 53.840 Zähler, der Nebenwerteindex Russell 2000 erreichte mit 3.067 Punkten ein Rekordhoch. Getragen wurde der Tag vom Speichersektor: SanDisk sprang nach dem Investorentag zweistellig, Western Digital und SK Hynix legten jeweils rund acht Prozent zu, Micron rund sechs Prozent. Cisco verlor dagegen 8,8 Prozent. Nach Handelsschluss meldete Applied Materials mit 9,12 Milliarden Dollar einen Rekordumsatz und stellte für das laufende Quartal 10,25 Milliarden Dollar in Aussicht, deutlich mehr als die erwarteten 9,54 Milliarden Dollar – die Aktie gab nachbörslich dennoch bis zu 5,2 Prozent nach. Zudem unterzeichnete US-Präsident Donald Trump eine Proklamation über Zölle von bis zu hundert Prozent auf Drohnenimporte; für Ware aus der Europäischen Union gilt ein Satz von fünfzehn Prozent.
In Asien zeigten sich die Börsen am Freitagmorgen uneinheitlich. Der Hang Seng in Hongkong gab 0,9 Prozent nach, der chinesische CSI 300 trat auf der Stelle, während die übrigen Handelsplätze der Region überwiegend zulegten.
DER AKTIONÄR wird im Laufe des Tages über sämtliche wichtigen Entwicklungen und Neuigkeiten an den nationalen und internationalen Märkten berichten.
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