19.02.2012 Markus Horntrich

Curasan: "Wir erwarten 2012 mindestens drei Produktzulassungen"

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Die auf regenerative Medizin fokussierte Curasan AG will im laufenden Jahr einiges bewegen. Dabei helfen sollen unter anderem die Vereinbarung mit Zimmer und der Start des eigenen Vertriebs. Im Exklusivinterview verrät Firmenchef Rössler seine Pläne für 2012.

2012 soll für Curasan ein Jahr des Aufschwungs werden. Dazu sollen dem Hersteller von Medizinprodukten für die regenerative Medizin mit Schwerpunkt in der Knochen- und Geweberegeneration insbesondere Vereinbarungen mit Zimmer sowie der eigene Vertrieb helfen, der am 01.02.12 aufgenommen worden ist. Mehrheitsaktionär und Vorstandschef Hans-Dieter Rössler erklärt im Exklusivinterview mit dem AKTIONÄR, dass 2012 ein Jahr des Durchbruchs werden könnte.

DER AKTIONÄR: Herr Rössler, wie groß ist das Produktspektrum, das Curasan heute international tätigen Vertriebspartnern anbieten kann?

Wie viele Produktzulassungen erwarten Sie im laufenden Jahr für die USA und Europa ?

Wir erwarten mindestens drei maximal sechs weitere Produktzulassungen alleine in 2012.

Ist Ihr neuer Vertriebspartner Zimmer Dental ausschließlich im Dentalmarkt tätig oder deckt er auch den sonstigen Orthopädiebereich ab?

Es handelt es sich um die Tochtergesellschaft, die nur im Dentalmarkt tätig ist,  aber sie ist weltweit in allen  wirtschaftlich interessanten  Ländern der Welt tätig und besucht mit ca. 300  Außendienstmitarbeiter  regelmäßig Zahnkliniken und Implantologen. Zimmer Dental ist das viertgrößte Unternehmen in der Welt in diesem Marktsegment. Die Muttergesellschaft vertreibt Ihre Produkte  ebenfalls auf den Orthopädiemarkt und gehört zu den führenden global playern.

Gibt es hier auch eine Zusammenarbeit oder könnte eine solche in Kürze etabliert werden?

Sobald wir mit unseren USA-Zulassungsprojekten bestimmte weitere Teilziele  erreicht  haben, werden wir eine ganze Reihe von potentiellen Vertriebspartnern ansprechen. Darunter wird natürlich auch Zimmer sein.

Können Sie Umsatzschätzungen des Marktes bestätigen, wonach in der Kooperation mit Zimmer in den nächsten Jahren ein zweistelliger Millionenbetrag erzielt werden kann und können Sie unseren Lesern auch erläutern weshalb?

Der Markt der Knochenersatzmaterialien für dentale Indikationen wächst auch weiterhin kontinuierlich auf hohem Niveau und wird derzeit mit 250 Millionen Euro weltweit beziffert. Zimmer Dental hat sich zum Ziel gesetzt, in diesem Segment Marktführer werden zu wollen. Da Zimmer Dental über die notwendigen Strukturen und Ressourcen verfügt,  ein solches Ziel auch umzusetzen, sind solche Schätzungen absolut nachvollziehbar.

Sie wollen den eigenen Vertrieb forcieren, um den europäischen Orthopädiemarkt zu bedienen. Wie groß ist derzeit Ihre Außendienstmannschaft für diesen Bereich und welche Fixkostenbelastung haben Sie damit für Curasan zusätzlich geschaffen?

Wir verfügen über fünf Mitarbeiter im Außendienst für den deutschen Markt. Für den europäischen Markt haben wir den Exportspezialisten geholt, der die jeweiligen externen Vertriebspartner in den einzelnen Ländern auswählt und später betreut. Zum 1. März haben wir noch einen Medicalmanager für den Orthopädiemarkt eingestellt. Er und drei weitere Mitarbeiter in der Konzernzentrale unterstützen die Vertriebsorganisationen. Die jährlichen Fixkosten liegen bei etwa einer Million Euro. Hinzu kommen weitere Beträge für bedingt variable Kosten wie Klinische Forschung, Werbung und Sponsoring. Wir erwarten, dass diese zusätzlichen Kosten spätestens in drei Jahren gedeckt werden können und wir im Jahr 2015 mit diesem Teilbereich in die schwarzen Zahlen kommen werden.

Haben Sie mit dem Eigenvertreib nicht Ihre früheren Pläne über den Haufen geworfen, selbst nicht mehr im Vertrieb sein zu wollen?

Nein, das haben wir nicht. Es ist nach wie vor unser Ziel den Vertrieb nicht selber machen zu wollen. Dies haben wir etwa durch die Vereinbarungen mit der Riemser Arzneimittel AG, der Axxana GmbH, der Trimedicales GmbH, der Transcorp Inc. und aktuell der Zimmer Dental Inc. deutlich unter Beweis gestellt. Wir haben jedoch auf den Vertragsbruch durch Stryker S.A., die den europäischen Orthopädiemarkt abdecken sollten, reagieren müssen. Unter Abwägung der Alternativen haben wir uns in Europa für den Eigenvertrieb entschieden.

Der Vertragsbruch von Stryker S.A. in der Schweiz hat Curasan mindestens zwölf Monate in den vertrieblichen Aktivitäten zurückgeworfen. Wie groß sind die Chancen, dass Sie in diesem Jahr für den Vertragsbruch noch eine Entschädigung bekommen können?

Eine Chance besteht im Falle einer Einigung bekanntlich immer. Wenn der Streit aber über mehrere Instanzen ausgefochten werden muss, kann es noch sehr lange dauern, bis wir eine Zahlung erhalten werden. Wie groß die Chance ist, lässt sich nicht seriös prognostizieren. Soeben haben wir den Erwiderungsschriftsatz auf unsere Schadensersatzklage erhalten, so dass es wahrscheinlich erscheint, das eine erste Verhandlung noch vor der Sommerpause stattfinden kann.

Warburg Research schätzte im November 2011 für dieses Jahr, dass sich der Umsatz knapp verzweieinhalbfacht und der Verlustes gegenüber 2011 geviertelt wird. Halten Sie diese Schätzungen, vor dem Hintergrund der laufenden Aktivitäten noch für aktuell?

Nein, diese Schätzung ist nicht mehr aktuell. Spätestens mit der Vorlage des Geschäftsberichtes wird es ein Update geben.

Planen Sie selbst noch persönliche Zukäufe am Aktienmarkt, wo das Erreichen der Gewinnzone jetzt in Reichweite ist und auch die Produktpipeline nicht besser gefüllt sein könnte?

Meine Familie und ich halten bereits gute 37 Prozent der Curasan-Aktien. Damit werden wir am meisten von der weiteren Entwicklung des Unternehmens profitieren. Derzeit beabsichtige  ich daher nicht,  an der Vermögensstruktur größere Umschichtungen vorzunehmen.

Herr Rössler besten Dank für das Interview.

Spekulative Depotbeimischung

Bei Curasan können sich die Aktionäre im laufenden Jahr auf einen positiven Nachrichtenfluss einstellen, der auch dem Kurs wieder auf die Sprünge helfen sollte. Früher oder später dürfte die Firma ins Visier von größeren Branchenvertretern geraten. Stryker etwa hat im vergangenen Jahr den Wettbewerber Orthovita geschluckt. Mit Stopp bei 2,40 Euro bietet sich eine kleine Position als spekulative Depotbeimischung an.