Die Bundesregierung verabschiedet sich mehr und mehr von ihrer Abwehrhaltung im Übernahmestreit um die Commerzbank. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat dem UniCredit-Chef nun offenbar einen konkreten Termin für ein Treffen genannt. Und dieser steht schon bald ins Haus.
- Lars Klingbeil hat UniCredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September nach Berlin eingeladen.
- Ein weiteres Indiz für eine Ende der Blockadehaltung des Bundes.
- Investierte Anleger halten weiter an der Aktie fest.
Lars Klingbeil hat UniCredit-Chef Andrea Orcel für den 14. September zu einem Treffen ins Bundesfinanzministerium nach Berlin eingeladen. Das berichtet die Agentur Reuters. Quelle seien mit der Angelegenheit vertraute Regierungskreise.
Der Termin würde bestätigen, dass Berlin zunehmend bereit ist, mit der italienischen Großbank in den direkten Dialog einzutreten und die lange aufrechterhaltene Blockadehaltung aufzugeben.
Nach Angaben der Informanten will Klingbeil im Gespräch die Rolle der Commerzbank bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft betonen. Zudem dürfte es um die Bedeutung des Frankfurter Instituts für den Finanzplatz Frankfurt gehen.
„Dies ergänzt die Gespräche zwischen den beiden Banken, die weiterhin dafür verantwortlich sind, das weitere Vorgehen direkt miteinander zu erörtern“, wird eine Quelle zitiert.
Damit deutet sich ein Kurswechsel der Bundesregierung an. Berlin hatte eine Übernahme durch UniCredit lange abgelehnt, und das Vorgehen der UniCredit war in Berlin wiederholt als feindselig und aggressiv kritisiert.
Auch das Management der Commerzbank hatte sich gegen einen Zusammenschluss mit dem italienischen Institut gestellt. Orcel hatte seinerseits auf Gespräche mit der Bundesregierung und den Arbeitnehmervertretern gedrängt.
Der Widerstand der Commerzbank war im Juli allerdings abgeebbt. Die UniCredit hat ihre Beteiligung an dem deutschen Geldhaus mittlerweile auf bis zu 49,65 Prozent ausgebaut. Damit kann die italienische Bank bei wichtigen Aktionärsbeschlüssen erheblichen Einfluss ausüben.
Die Bundesregierung hält noch etwas mehr als zwölf Prozent an der Commerzbank. Die Beteiligung geht auf die Rettung des Frankfurter Instituts während der globalen Finanzkrise zurück.
Das nun geplante Treffen könnte deshalb ein wichtiger Schritt im weiteren Übernahmekampf sein. Eine Entscheidung über das konkrete Vorgehen der Bundesregierung oder über eine mögliche Übernahme der Commerzbank ist damit jedoch noch nicht verbunden. Die Einschätzung zur Aktie bleibt unverändert: Wer bereits investiert ist, bleibt das auch.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 15:17
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