Im Übernahmepoker um die Commerzbank verschärft UniCredit den Ton. Nach dem Ende der Offerte rücken mögliche Eingriffe bei Strategie und Aufsichtsrat in den Fokus. Und auch an der Dividende könnten die Italiener offenbar rütteln. Für Anleger steigt damit die Spannung vor den nächsten Signalen aus Mailand und Berlin.
Das Wichtigste kurz und knapp
• UniCredit stellt offenbar Commerzbank-Ausschüttungen infrage.
• Aufsichtsrat und Führung könnten neu sortiert werden.
• Berlin bleibt im Übernahmepoker ein Schlüsselfaktor.
Die Aktionäre der Commerzbank müssen einem aktuellen Bericht zufolge bei einer möglichen Übernahme durch UniCredit mit deutlich niedrigeren Ausschüttungen rechnen. Ein Sprecher der italienischen Großbank sagte auf Anfrage der Börsen-Zeitung, Restrukturierungskosten, IT-Investitionen und anstehende Sanierungen dürften die Ausschüttungsquote des deutschen Instituts von derzeit 100 Prozent wohl belasten.
Zuvor hatten Gerüchte für Aufsehen gesorgt, UniCredit-Chef Andrea Orcel habe bei einem Panel den kompletten Ausfall der Ausschüttungen in Aussicht gestellt und eine außerordentliche Hauptversammlung verlangt. Hintergrund ist eine Investorenkonferenz der Mediobanca in London.
Die UniCredit dürfte nach Ablauf des Übernahmeangebots am 3. Juli de facto 42 bis 45 Prozent der Commerzbank halten. Damit könnte UniCredit verlangen, künftig zehn der 20 Mitglieder des Commerzbank-Aufsichtsrats zu stellen — inklusive des Vorsitzes. Auch ein Austausch der Führung könnte im Raum stehen.
Die UniCredit könne anschließend mit der Umsetzung der eigenen „Unlocked“-Strategie beginnen. Dabei dürften mögliche Restrukturierungskosten, Sanierungsaufwendungen und IT-Investitionen auch von den Minderheitsaktionären mitgetragen werden, so die Einschätzung. Für Commerzbank-Aktionäre könnte das eine Kürzung der Aktionärsvergütung bedeuten.
Wie hoch die Beteiligung von UniCredit tatsächlich ist, wird voraussichtlich am Mittwoch, dem 8. Juli, feststehen. Der bisher aggressiv auftretende Orcel bemüht sich dem Vernehmen nach inzwischen um eine Lösung unter Einbeziehung Berlins.
Der Bund hält nach wie vor rund zwölf Prozent der Commerzbank-Anteile und kann im Rahmen einer Verpflichtungserklärung zwei Sitze im Aufsichtsrat beanspruchen. Die Bundesregierung lehnt eine Übernahme weiter genauso klar ab wie die Commerzbank-Führung, viele Anteilseigner und Arbeitnehmervertreter.
Ein höheres Angebot bleibt eine Option, etwa um Berlin zu überzeugen. Bis zu zwölf Monate nach Abschluss der aktuellen Offerte müssten Anleger, die ihre Aktien bereits angedient haben, dann mit einer Barzahlung in Höhe der Differenz entschädigt werden. Diese Bedingung entfällt erst danach.
Das Säbelrasseln geht weiter. Die UniCredit erhöht den Druck auf die Commerzbank und bringt niedrigere Ausschüttungen sowie eine Neubesetzung des Aufsichtsrats ins Spiel. Gleichzeitig bleibt Berlin ein entscheidender Gegenspieler. Investierte Anleger halten an der Aktie fest und setzen auf eine Erhöhung des Angebots.
FAQs zur Commerzbank
Was macht die Commerzbank?
Die Commerzbank ist eine der führenden Banken in Deutschland. Sie betreut Privatkunden, Firmenkunden und institutionelle Investoren. Nach der Deutschen Bank ist die Commerzbank die zweitgrößte börsengelistete Bank Deutschlands.
Ist die Commerzbank-Aktie im DAX gelistet?
Ja, die Commerzbank-Aktie ist im DAX gelistet und zählt damit zu den wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.
Zahlt die Commerzbank eine Dividende?
Ja, die Commerzbank zahlt grundsätzlich eine Dividende. Die Höhe hängt von der Geschäftsentwicklung, der Kapitalausstattung und den Beschlüssen von Vorstand, Aufsichtsrat und Hauptversammlung ab. In den vergangenen Jahren wurde sie mehrfach kräftig erhöht. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 1,10 Euro je Aktie gezahlt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
Heute, 08:24