Chinas letzter „kleiner Drache“ der KI-Chipbranche ist an der Börse, und der Kurssprung ist spektakulär. Die Umsatzzahl darunter ist es nicht. Genau zwischen beiden liegt die eigentliche Bewertungsfrage.
„Vier kleine Drachen“ nennen Chinas Finanzmedien die heimischen GPU-Start-ups Moore Threads, MetaX, Biren und Enflame – nach den Tigerstaaten, die in den 80er-Jahren aus dem Nichts aufstiegen. Enflame ist der letzte der vier, der an die Börse geht.
Shanghai Enflame Technology ist am Freitag am STAR Market gestartet. Der Ausgabepreis lag bei 142,18 Yuan (18,28 Euro), die erste Notiz bei 410 Yuan (52,70 Euro), ein Plus von 188 Prozent.
Im Verlauf kletterte die Aktie bis auf 475 Yuan (61,05 Euro), zwischenzeitlich stand ein Zuwachs von 206 Prozent zu Buche. Der Emissionserlös liegt bei 6,12 Milliarden Yuan (787 Millionen Euro), die Bewertung zeitweise bei rund 185 Milliarden Yuan (23,78 Milliarden Euro). Tencent hält etwa 20 % und steht zugleich für rund 83 % des Umsatzes.
Enflame: 187 Yuan für einen Yuan Umsatz
Der Markt bepreist hier kein Geschäft, sondern eine Option auf ein Geschäft. Im Jahr 2025 kam Enflame laut Prospekt auf 990 Millionen Yuan Umsatz (127 Millionen Euro) – und blieb ohne Gewinn: Im ersten Halbjahr 2026 stand ein Nettoverlust von 632 Millionen Yuan (81,2 Millionen Euro) in den Büchern. Für jeden Yuan Umsatz zahlt der Käufer am ersten Tag rund 187 Yuan Börsenwert. Die Erlöse sollen in die fünfte und sechste Chipgeneration fließen, also in Produkte, die es noch nicht gibt.
Enflame: Warum das Angebot den Kurs macht
Über einen solchen Sprung entscheidet nicht die Nachfrage, sondern das Angebot, das in den Handel kommt. Die Onlinezeichnung war 6.109-fach überzeichnet; die Zuteilungsquote lag bei 0,025 Prozent. Das ist eine Tombola, bei der Millionen Lose ausgegeben werden und einige Tausend gewinnen. Wie klein das Geschäft dahinter ist, zeigt der Vergleich in derselben Währung: Der Speicherkonzern CXMT setzte allein im ersten Quartal 2026 50,8 Milliarden Yuan (6,53 Milliarden Euro) um. Enflames kompletter Jahresumsatz entspricht keinen zwei Tagen CXMT-Geschäft.
Enflame: Der Markt, der frei wird
Dagegen steht ein Markt, der real frei wird. Internationale Anbieter, angeführt von Nvidia, kamen im Jahr 2025 nach IDC-Daten im Enflame-Prospekt noch auf knapp 60 % des chinesischen Marktes für KI-Beschleuniger. Dass chinesische Chips im Alltagsbetrieb mithalten, ist inzwischen mehr als eine Behauptung: Der Anbieter Z.ai betreibt sein KI-Modell GLM-5.3-Flash nach eigenen Angaben komplett auf heimischer Hardware, Analysten vermuten neben Huawei auch Enflame-Chips im Einsatz. Dass die Technik funktioniert, ist damit gezeigt. Dass Enflame damit Geld verdient, noch nicht.
Drei Prüfsteine mit Datum
- Ende Oktober 2026 legt Enflame den ersten Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen vor.
- Am 17. Dezember 2026 jährt sich das MetaX-Debüt und zeigt, was ein Jahr nach dem Hype vom Kurs bleibt.
- Ab dem 11. September 2027 laufen die ersten Zwölfmonats-Sperrfristen der Altaktionäre aus.
An der Börse wird Enflame mit rund 187 Yuan je Yuan Umsatz bewertet – bei einem gewöhnlichen Industriewert ist es das Ein- bis Dreifache. So teuer ist die Aktie, weil Anleger nicht das heutige Geschäft kaufen, sondern die Erwartung, dass Chinas Rechenzentren ihre Nvidia-Chips durch heimische ersetzen. Angekommen ist davon bisher wenig: 127 Millionen Euro Umsatz, kein Gewinn, und 83 % davon von einem einzigen Kunden. Vom Trend profitieren neben Tencent auch andere Unternehmen aus dem Reich der Mitte.
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