Mit dem Verkauf von 3.588 Bitcoin im Wert von rund 216 Millionen Dollar hat Strategy nun zum dritten Mal in seiner Geschichte eigene Bestände abgestoßen. Die Reaktion am Markt ist deutlich: Analysten hinterfragen nun, ob dies ein Einzelfall bleibt oder der Beginn einer dauerhaften Strategie zur Liquiditätssicherung ist.
Zwischen Ende Juni und Anfang Juli stieß Strategy insgesamt 3.588 Bitcoin ab. Der Verkauf erfolgte zu durchschnittlichen Preisen zwischen 59.256 Dollar und 60.773 Dollar. Trotz des Verkaufs bleibt der Bestand mit 843.775 Bitcoin – aktuell etwa 52,3 Milliarden Dollar wert – massiv. Doch die Bilanz zeigt eine Schieflage: Die durchschnittlichen Anschaffungskosten liegen bei 74.476 Dollar pro Bitcoin. Das entspricht einem Buchverlust von rund 11,4 Milliarden Dollar zum Zeitpunkt der Ankündigung.
Der Grund für den jüngsten Abverkauf: Die Sicherung der Dollar-Liquidität. Gabe Selby, Forschungsleiter bei CF Benchmarks, betont, dass es nicht um die Frage geht, ob Strategy zahlen kann, sondern ob das Management bereit ist, Bitcoin zu opfern, um Verpflichtungen zu decken. Der Verkauf macht nur etwa 0,42 Prozent des Bestandes aus, zeigt aber eine neue Bereitschaft zur Monetarisierung.
Die Sorge der Investoren richtet sich weniger auf den drohenden Vermögensverlust, sondern auf die Prioritäten des Managements. Ein zentraler Punkt ist die Finanzierungsstruktur über das Produkt STRC, das derzeit mit einer annualisierten Rendite von zwölf Prozent lockt. Da der Kurs von STRC seit Mai unter dem Nennwert notiert, ist dieses Instrument zur Akkumulation von neuem Kapital derzeit weitgehend blockiert.
Analysten von CF Benchmarks geben Entwarnung, was die kurzfristige Solvenz angeht. Die jährlichen Finanzierungskosten entsprechen lediglich 3,4 Prozent des Bitcoin-Bestandes. Die Barreserven decken die Kosten für etwa 17,4 Monate, bei voller Ausnutzung der Reserven sogar für knapp 26 Monate. Das Risiko beginnt dort, wo der Verkauf von Bitcoin von einer bewussten Wahl zu einer notwendigen Pflicht wird, um die Kapitalstruktur zu stützen.
Interessant ist die unternehmenseigene Sicht: Strategy hat ein „BTC Monetization Program“ aufgelegt, das Verkäufe bis zu 1,25 Milliarden Dollar erlaubt. Experten wie Matthew Sigel von VanEck weisen jedoch darauf hin, dass die tatsächliche Verkaufskapazität weit höher liegen könnte. Verkäufe zur direkten Finanzierung von Dividendenzahlungen fallen demnach teilweise nicht unter das Limit des Monetarisierungsprogramms.
Solange das Unternehmen nur in Ausnahmefällen verkauft, bleibt das Vertrauen in die "HODL"-Strategie intakt. Sollten die Verkäufe jedoch zur Regel werden, um die Dividendenpolitik zu stützen, droht eine dauerhafte Verwässerung des eigentlichen Wertversprechens.
Heute, 10:22