25.02.2012 Werner Sperber

Balda-Vorstand "verbrennt" 100 Millionen Euro der Aktionäre

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Aktionäre und interessierte Anleger von und an Balda lassen den Aktienkurs zum Wochenausklang prozentual zweistellig steigen. Grund ist der Teiverkauf des Anteils am taiwanisischen Touchscreen-Hersteller TPK. Es winkt zwar eine Sonderausschüttung, einige wichtige Fragen sind nach wie vor ungeklärt.

Es hätte ein Befreiungsschlag werden können, weg von Michael Chiang, der (offiziell beziehungsweise direkt) 27,6 Prozent an Balda hält und rund 60 Prozent an TPK: TPK geht an die Börse und Balda verkauft die Anteile nach der Sperrfrist, die der Konzern noch an dem taiwanesischen Hersteller von berührungsempfindlichen Bildschirmen und ehemaligen 50:50-Gemeinschaftsunternehmen hält. Mit dem Erlös holt sich Balda die eigenen Aktien von Chiang zurück und ist den Mann im Hintergrund, der sich offiziell nie negativ in Belange von Balda eingemischt hat, endgültig los. Mit dem restlichen Geld baut Balda die Sparte Medizintechnik auf und wird wieder zu einem Unternehmen, in dem ruhig am Erfolg des Konzerns und damit am Erfolg der Aktionäre gearbeitet wird. Dieser Befreiungsschlag kam nicht, obwohl Balda angekündigt hat, den TPK-Anteil teilweise zu versilbern.

"Rabatt" für den Käufer

Die Rechnung für den "entgangenen potenziellen Gewinn" der Aktionäre ist einfach. Am 16. September vergangenen Jahres widersprach der damalige Vorstand von Balda Meldungen, der Konzern trenne sich von TPK-Aktien. Die Papiere kosteten an diesem Tag 697 Taiwanesische Dollar (16,91 Euro). Am 15. November widersprach derselbe Vorstand erneut Verkaufsgerüchten und verwies auf das Kursniveau. An diesem Tag notierte TPK bei 453 Dollar (11,43 Euro). Nun heißt es, Balda verkauft 20 Millionen Titel von TPK zu umgerechnet etwa 11,90 Euro. Dabei kostet die Aktie heute 486 Dollar (12,26 Euro) und der Kurs befindet sich seit Mitte Dezember in einem Aufwärtstrend.

Chiang oder nicht Chiang, ...

Über den Käufer ist bislang nichts bekannt. Spekulationen darüber, es sei Michael Chiang, sind erlaubt. Der würde sich immerhin insgesamt also 100 Millionen Euro sparen, nachdem er 20 Millionen TPK-Aktien nun fünf Euro billiger bekommen würde als noch im September 2011, als das Zeitfenster für einen TPK-Verkauf nicht schlechter war.

Balda wiederum fehlt dieses Geld zum einen für die versprochene Ausschüttung an die Aktionäre. Zum anderen fehlt es für den seit Mai 2011 angekündigten und Anfang August sich "im Plan befindlichen" und "zeitnah darüber zu informierenden" Kauf einer Firma für die Sparte Medical.

Dominik Müser, der neue Vorstandsvorsitzende, freut sich schon, den Aktionären weiterhin Gutes tun zu können: "Die Veräußerung der restlichen Anteile werden wir ohne Hast vornehmen, um für Balda ein bestmögliches Verkaufsergebnis zu erzielen." Michael Chiang ist auch Aktionär und der freut sich vielleicht später an steigenden Aktienkursen von Balda, die er zum Verkauf nutzen kann.