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Applied Materials: Der Rekord, den niemand feiern wollte

Applied Materials: Der Rekord, den niemand feiern wollte
Foto: michelmond/Shutterstock
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Ingo Nix Heute, 07:39 Ingo Nix
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Applied Materials liefert das beste Quartal seiner Geschichte, hebt den Ausblick erneut an – und die Aktie fällt trotzdem. Was am Donnerstagabend in Santa Clara passierte, erzählt weniger über den Zulieferer als über den Preis, den der Markt für die KI-Geschichte inzwischen verlangt. 


Ein Quartal ohne Schwachstelle 

Applied Materials hat nach US-Schluss starke Quartalsergebnisse geliefert: 9,12 Milliarden Dollar Umsatz gegenüber rund 9,00 Milliarden Dollar Konsens, ein Plus von 25 Prozent zum Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 3,50 Dollar gegenüber erwarteten 3,40 Dollar, das Ergebnis nach US-Bilanzrecht bei 3,17 Dollar je Aktie und einem Nettogewinn von 2,54 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge erreichte 50,3 Prozent, bereinigt 50,4 Prozent – das dreizehnte Quartal in Folge mit einer Ausweitung gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis lag mit 3,08 Milliarden Dollar oder 33,7 Prozent vom Umsatz auf Rekordniveau, der operative Cashflow mit 3,04 Milliarden Dollar ebenfalls. 

Der Ausblick spricht lauter als das Quartal 

Entscheidend war die Prognose: Für das vierte Quartal stellt der Konzern 10,25 Milliarden Dollar plus oder minus 500 Millionen Dollar in Aussicht – der Konsens lag bei 9,54 Milliarden Dollar – und 3,82 bis 4,22 Dollar je Aktie gegenüber erwarteten 3,69 Dollar. Selbst das untere Ende der Spanne liegt damit über der Erwartung der Analysten. Vorstandschef Gary Dickerson sprach im Analysen-Call von einer beispiellosen Nachfrage durch die weltweite Einführung von KI und hob die Erwartung für das Wachstum der Halbleiterausrüstung im Kalenderjahr 2026 an; für 2027 stellte er ein weiteres starkes Wachstumsjahr in Aussicht. 

Wo das Wachstum wirklich herkommt 

Unter der Oberfläche liegt die eigentliche Geschichte im Mix. Das Segment Semiconductor Systems kam auf einen Rekordumsatz von 7,04 Milliarden Dollar nach 5,56 Milliarden Dollar im Vorjahr, die bereinigte Segmentmarge stieg von 33,2 auf 38,0 Prozent. Der DRAM-Anteil am Segmentumsatz legte kräftig zu und liegt nun bei 26 Prozent nach 22 Prozent im Vorjahr – getrieben von Hochbandbreitenspeicher, für dessen Fertigung Applied im selben Quartal sechs neue Anlagen vorgestellt hat. Applied Global Services steigerte den Umsatz auf 1,78 Milliarden Dollar nach 1,46 Milliarden Dollar. Der Umsatzanteil Chinas fiel auf 28 Prozent nach 35 Prozent im Vorjahr; absolut blieb das Geschäft dort mit 2,51 Milliarden Dollar nahezu unverändert, der Anteil sinkt also, weil der Westen mehr bestellt, nicht weil Peking weniger kauft. Führende Logikfertigung, DRAM und Advanced Packaging sollen, laut Analysten-Call zusammen rund 80 Prozent des Wachstums bei Fertigungsanlagen in den Jahren 2026 und 2027 tragen. Damit rückt Applied näher an die Rolle, die der Markt bislang vor allem ASML zuschreibt: Wer die Kapazität der KI-Fertigung erhöhen will, kommt an den Anlagen dieser beiden Häuser nicht vorbei – nur dass Applied nicht an einer einzelnen Belichtungstechnik hängt, sondern an nahezu jedem Prozessschritt davor und danach verdient. 

Warum die Aktie trotzdem fällt

Die Kursreaktion lief in die Gegenrichtung, und sie verstärkte sich im Verlauf: Nach einem regulären Schluss von 534,54 Dollar, bereits 2,5 Prozent im Minus, gab die Aktie nachbörslich bis auf 506,51 Dollar nach, ein Abschlag von gut 5 Prozent. Verwiesen wurde auf den kurzfristigen Margenausblick und das Tempo des künftigen Wachstums. Damit wiederholt sich ein Muster, das der Titel seit fünf aufeinanderfolgenden Übertreffungen mit sich trägt: Im Schnitt schließt die Aktie am Zahlentag rund zwei Prozent im Minus – und lag 30 Tage später jedes Mal höher. Wer die Meldung liest, sieht ein Rekordquartal. Wer den Kurs liest, sieht eine Erwartung, die schon höher stand. 

Der Engpass wandert zurück in die Fabrik 

Die Botschaft dahinter ist einfach und für den Sektor bedeutsam: Der Engpass der KI-Aufrüstung verschiebt sich vom Rechenzentrum zurück in die Fabrik. Wer Speicherchips stapeln, Transistoren umbauen und Chiplets fertigen will, braucht Maschinen, die es in ausreichender Zahl nicht gibt.

Applied Materials (WKN: 865177)

Applied Materials hat geliefert, was ein Ausrüster in einem Investitionsboom liefern soll: Rekordumsatz, Rekordmarge, Rekordcashflow und einen Ausblick, der selbst an seiner Untergrenze über der Erwartung liegt.  

Applied Materials ist aktuell die größte Position im Chip Titans Index des AKTIONÄR, in dem auch ASML, Nvidia, Intel oder TSMC vertreten sind. Mehr Informationen dazu finden Sie hier

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