Nach 15 Jahren unter Tim Cook weht bei Apple ein anderer Wind. Der neue Vorstandschef John Ternus baut den iPhone-Konzern grundlegend um. Seine Kernziele: kürzere Entwicklungszeiten, ein breiteres Produktangebot und eine deutlich schlankere Organisation. Der 51-jährige frühere Hardware-Chef will die Bürokratie abbauen und die Macht wieder den Ingenieuren übergeben.
Ternus bricht mit einer eisernen Unternehmenstradition. Jahrelang taktete Apple seine Neuvorstellungen verlässlich auf das Frühjahr und den Herbst. Künftig sollen neue Geräte flexibel über das gesamte Jahr verteilt erscheinen. Der Grund: Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz kann sich der Konzern lange Pausen zwischen den Produktzyklen nicht mehr leisten.
Die Pipeline für das kommende Jahr ist voll. Geplant sind AirPods mit integrierten Kameras, eine erste eigene Datenbrille und ein neu gestaltetes Jubiläums-iPhone zum 20. Geburtstag des Geräts. Um diese Fülle an Hardware auf den Markt zu bringen, verlangt Ternus von den Teams mehr Risikobereitschaft und ein höheres Tempo.
Kahlschlag im mittleren Management
Für diesen Tempowechsel greift Ternus zu harten Maßnahmen. Vorbild ist die straffe Arbeitskultur von Rivalen wie Meta Platforms oder der Google-Mutter Alphabet. Ternus vertritt intern seit Jahren die Ansicht, dass Apple mehr Leistung mit weniger Personal erzielen muss.
In den vergangenen zwei Wochen begann der Abbau im mittleren Management. Betroffen sind sogenannte Engineering Program Manager, die jahrzehntelang Zeitpläne und Schnittstellen koordinierten. Rund ein halbes Dutzend Direktoren und mehrere Manager mussten ihre Posten räumen. Wer intern keine neue Rolle findet, verlässt das Unternehmen noch in diesem Jahr.
Gleichzeitig kappt das Management Randprojekte. Einschnitte treffen die Entwicklung des Headsets Vision Pro, den Sprachassistenten Siri und Teile der KI-Software. Auch die Fitness+-Sparte musste Stellen streichen. Ein interner Plan, rund 5.000 Stellen im AppleCare-Kundenservice durch automatisierte KI-Agenten zu ersetzen, liegt derzeit auf Eis. Entsprechend nervös reagieren viele Beschäftigte, die weitere Entlassungen zum Jahresende befürchten.
Wachsender Druck auf die Marge
Die Sparmaßnahmen haben handfeste finanzielle Gründe. Ein branchenweiter Mangel an Speicherbausteinen treibt die Einkaufskosten für Schlüsselkomponenten in die Höhe. Apple fängt diese Belastungen bisher teilweise selbst auf, um die Endpreise nicht zu stark anzuheben.
Auch das schwächere Wachstum im Dienstleistungsbereich drückt auf das Ergebnis. Über Jahre hinweg kompensierte die Services-Sparte schwankende Hardware-Verkäufe. Im jüngsten Juni-Quartal sank der Service-Umsatz jedoch im Vergleich zum Vorquartal – das erste Mal seit dem Jahr 2022. Zwar bleibt der Geschäftsbereich auf Jahressicht profitabel, doch die Dynamik lässt nach.
Finanzchef Kevan Parekh und Services-Leiter Eddy Cue suchen deshalb gemeinsam mit Ternus nach Wegen, mehr Erlöse aus bestehenden Angeboten zu ziehen. Während die Erträge stagnieren, spart das Unternehmen selbst im Kleinen: Bei den anstehenden Firmenfeiern zum Jahresende dürfen Angestellte erstmals seit Jahren keine Begleitpersonen mehr mitbringen.
John Ternus beendet die Ära der ruhigen Hand von Tim Cook. Mit dem Abbau von Managementposten, der Straffung des Portfolios und flexiblen Veröffentlichungsdaten verordnet er Apple eine Schocktherapie. Die Transformation birgt Risiken für die Unternehmenskultur, ist angesichts steigender Bauteilkosten und des harten KI-Wettbewerbs aber betriebswirtschaftlich folgerichtig. Anleger bleiben an Bord.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Apple.
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