16.11.2018 DER AKTIONÄR

Allianz rüstet sich für die nächste Krise

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Die Investment-Tochter der Allianz kauft derzeit in den USA und Europa spezielle hypothenbesicherte Anleihen, die die Portfolios von Allianz Global Investors stärken sollen. Derartige Hypothekenbonds waren vor zehn Jahre einer der Auslöser der Finanzkrise. Müssen sich Anleger und Sparer nun fürchten? Nein, sagt die Allianz.

Der Versicherer strebe mit der Aufnahme ein sogenanntes „Lehman-sicheres“ Portfolio an. Die speziellen Anleihen müssten „auf jeden Fall“ einer möglichen Wiederholung einer globalen Krise standhalten, die vor zehn Jahren durch die Insolvenz von Lehman Brothers ausgelöst wurde.

Mehr Risiko - höhere Renditen

Der Vermögensverwalter von Allianz GI, der etwa 539 Milliarden Euro verwaltet, erhöht seine Bestände an deutschen und US-amerikanischen Bonds, die durch Gewerbe-Hypotheken unterlegt sind, sowie einige niederländische Eigenheim-Hypotheken als Teil einer umfassenderen Strategie, um Renditen deutlich jenseits der Benchmark-Indizes zu erzielen, berichtet heute Bloomberg.

"Wir kaufen ganz bestimmt nichts, bei dem es auch nur einen Hauch von Wertminderung gibt", sagte David Newman, der das globale High-Yield-Team des Vermögensverwalters leitet. Man achte sehr sensibel darauf, was passieren würde, sollte sich 2008 wiederholen.

BBB-Anleihen werden abgestoßen

Allianz GI greife auf verbriefte Anleihen zurück als Ersatz für einige Investment-Grade-Unternehmensanleihen im BBB-Bereich, sagte Newman. Einige Anleger meiden Unternehmenspapiere in den niedrigen Stufen von Ratings, da sie befürchten, diese könnten in der nächsten Rezession auf Junk herabgestuft werden.

Die Allianz rüstet sich damit mit ihrem Anlageportfolio für Pensionsfonds und Lebensversicherungen für eine eventuelle starke Konjunkturabschwächung. Und das ist auch gut so. Denn mit den Unsicherheiten in Großbritannien und Italien schweben gleich zwei Damoklesschwerter über den Märkten.

Allianz nicht mehr gefährlich

Die Umschichtung kommt auch den Regulierern entgegen. Die Internationale Vereinigung der Versicherungsregulierer (IAIS) wollen nämlich ein “ganzheitliches Rahmenwerk” vorgeben, anhand dessen Gefahren für die Versicherungs-Branche und das Finanzsystem besser erkennbar werden.

Aus Deutschland zählte nur die Allianz zu den neun bislang als systemrelevant erachteten Versicherern (G-SII) weltweit, die 2013 festgelegt worden waren. Sie sollten eigentlich von 2019 an zehn Prozent mehr Kapital vorhalten als andere Versicherer. Doch der Finanzstabilitätsrat FSB hatte die jährliche Überprüfung der G-SII bereits 2017 ausgesetzt. Die IAIS will die Versicherer künftig weniger daran messen, wie groß und vernetzt sie sind, sondern wie sie sich im Markt verhalten.

Dennoch leidet die Allianz-Aktie heute etwas überdurchschnittlich im schwächeren Umfeld. Der Angstfaktor ist vor allem bei Finanzwerten zu spüren. Engagierte Anleger bleiben mit Stopp-Kurs bei 170 Euro weiter dabei.