12.01.2013 Michael Herrmann

Allianz-Profi Naumer: "Gold ist nichts anderes als eine Religion"

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DAX
Trendthema

2012 war zweifellos ein starkes Jahr für sichere Staatsanleihen. Auch Gold glänzte im vergangenen Jahr. Kapitalmarktexperte Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors kann mit beiden Anlageklassen dennoch nur wenig anfangen. Anleger seien mit Aktien deutlich besser bedient.

Herr Naumer, ist es angesichts des unsicheren Umfeldes nicht nachvollziehbar, dass Anleger das mit Aktien zweifellos verbundene Kursrisiko scheuen?

Ich glaube, viele Anleger leiden noch zu sehr an dem Post-Telekom-Trauma und setzen Sicherheit mit der Abwesenheit von Kursschwankungen gleich. Doch die Zeiten haben sich geändert. Anleger müssen den Begriff Sicherheit dringend neu definieren. Bei niedrig verzinsten Anlagen wie Staatsanleihen ist nämlich nur eines sicher: der Kaufkraftverlust.

Anleihen sind 2012 und in den Jahren zuvor allerdings sehr gut gelaufen. Warum sollte das nicht weitergehen?

Doch auch die Sicherheit ist trügerisch. Ich beteilige mich doch lieber an Firmen mit gesundem Cashflow, als dass ich Staaten Geld leihe, über die man in jeder Zeitung lesen kann, dass sie hoch verschuldet sind. Im vergangenen Jahrhundert gab es zwei Weltkriege, Hyperinflation und reihenweise Währungsreformen. Staatsanleihen waren da regelmäßig futsch. Wer Aktien hatte, war deutlich besser bedient. Anleger müssen dringend ihre Ängste rationalisieren und sich aus ihrer Angstfalle befreien. Sonst flüchten sie wieder in Anleihen oder auch Gold.

Was ist so schlecht an Gold?

Für mich persönlich ist Gold nichts anderes als eine Religion. Seit der Abkopplung vom US-Dollar hat Gold kaum mehr eine wirtschaftliche Bedeutung. Überspitzt gesagt: Wenn morgen die Marsmenschen auf die Erde kämen und eine Mehrheitsmeinung etablieren würden, dass Perlmutt viel schöner ist als Gold, würde Ihnen Gold gar nichts mehr bringen.

Dies ist der zweite Teil des Interviews mit Hans-Jörg Naumer. Warum vor allem deutsche Aktien auch 2013 wieder gefeiert werden dürften erläutert er im ersten Teil, den Sie hier finden.

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