Allianz: Angst vor KI‑Konkurrenz – völlig übertrieben?

Allianz: Angst vor KI‑Konkurrenz – völlig übertrieben?
Foto: ChatGPT
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Michael Herrmann Heute, 13:50 Michael Herrmann

Europas Versicherer haben in der vergangenen Woche spürbar nachgegeben. Der Auslöser: Investoren fürchten, dass künstliche Intelligenz den Vertrieb von Versicherungen grundlegend verändert – ähnlich wie zuletzt bei Softwareunternehmen ohne klare Differenzierung. Wie gefährlich kann die KI für Allianz, AXA und Co tatsächlich werden?

Europas Versicherer standen in der vergangenen Woche unter Druck – ausgelöst durch neue Sorgen vor KI-Konkurrenz. Ein Treiber der Diskussion: Über den KI-Chatbot ChatGPT werden inzwischen Anwendungen sichtbar, die Nutzern personalisierte Versicherungsangebote ermöglichen. Damit könnte ChatGPT perspektivisch selbst zum Vertriebskanal werden.

Dabei trifft der Wandel vor allem Makler und Vergleichsplattformen. Wenn KI-Assistenten Standardprodukte vergleichen, passende Policen auswählen und den Abschluss vorbereiten, kann der Bedarf an menschlicher Vermittlung bei einfachen Produkten deutlich sinken.

In Bezug auf die Versicherer selbst lohnt aber der zweite Blick. Für sie könnten sich sogar massive Effizienz- und Kostenvorteile ergeben. Denn genau hier steckt erhebliches Kostenpotenzial im Vertrieb: Automatisierte Beratung, bessere Vorqualifizierung und schlankere Abschlussprozesse könnten Nachteile wie höhere Preistransparenz zumindest teilweise kompensieren – oder sogar übertreffen.

Noch größer ist der mögliche Hebel jenseits des Vertriebs: KI kann im Versicherungsbetrieb in Bereichen wie Schadensmanagement und Anspruchsprüfung Prozesse beschleunigen und Kosten senken. Gerade in einem Geschäft, in dem Skaleneffekte und effiziente Abläufe entscheidend sind, dürfte das die Margen stützen oder gar verbessern.

KI schafft das Grundbedürfnis nach Risikoabsicherung nicht ab. Sie verändert vor allem den Zugang zum Produkt. Unter Druck geraten daher in erster Linie klassische Vermittler bei Standardprodukten. Gleichzeitig dürften große Versicherer und Vermittler eher zu den Gewinnern zählen: Sie haben die Mittel, KI professionell zu integrieren und die Chancen aktiv zu nutzen.

Im Ergebnis ist der Sprung gar nicht so radikal, wie er klingt: Preisvergleiche sind bei Standardprodukten bereits heute problemlos über Vergleichsportale möglich. Der Weg über KI-Agenten ist eher eine weitere Komfort- und Automatisierungsstufe als eine echte Revolution.

Allianz (WKN: 840400)

Anleger der großen Versicherer sollten sich nicht verunsichern lassen und an ihren Positionen festhalten. KI kann im Vertrieb zwar neue Herausforderungen bergen. Für Allianz, AXA und Co kann KI mittelfristig aber sogar zum Effizienz- und Margentreiber werden. Sie dürften dabei ihre Größenvorteile voll ausspielen können. Das gilt insbesondere für den deutschen Marktführer Allianz. Neue Impulse für die Aktie der Münchner könnten schon am Donnerstag nächster Woche (26. Februar) kommen, wenn der Versicherer frische Zahlen vorstellt.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Allianz.

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