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All for One Group: SAP schafft den Rahmen – Wettbewerbsstärke und Effizienz im Fokus

All for One Group: SAP schafft den Rahmen – Wettbewerbsstärke und Effizienz im Fokus
Foto: putilich/iStock
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Michael Schröder Heute, 11:47 Michael Schröder

Die All for One Group kann sich dem schwachen Marktumfeld nicht entziehen. Der SAP-Spezialist hat seine Prognose für das Geschäftsjahr 2025/26 nach unten korrigiert. Vorstand Michael Zitz erklärt gegenüber dem AKTIONÄR, wie er die Trendwende vorantreiben will, was der KI-Strategieschwenk von SAP bedeutet und wo das neue Programm zur Steigerung der Wettbewerbsstärke ansetzt. 

DER AKTIONÄR: Herr Zitz, der Strategieschwenk von SAP in Bezug auf Künstliche Intelligenz beherrschte in den vergangenen Tagen die Schlagzeilen: „SAP will die Kontrolle über KI“ war da unter anderem zu lesen. Wie ist Ihre Sichtweise auf diese Entwicklung? 
Michael Zitz:
SAP macht mit dieser Ausrichtung sehr klar: Künstliche Intelligenz ist keine Zusatzfunktion, sondern muss integraler Bestandteil von Business-Software, ja der gesamten Unternehmensarchitektur, werden und Geschäftsprozesse zunehmend eigenständig orchestrieren und ausführen. Dabei sollen sich ERP-Systeme vom „System of Record“ zum „System of Execution“ entwickeln. Das ist aus Kundensicht konsequent – Unternehmen wollen KI genau dort, wo Prozesse laufen, Daten entstehen und Entscheidungen vorbereitet werden.

Wie bewerten Sie diese strategische Kehrtwende von SAP? Und was bedeutet dies für die All for One Group?
Ich sehe darin weniger eine Kehrtwende als eine logische Weiterentwicklung. Im Unternehmensumfeld zählt nicht die „beste“ KI im Schaufenster, sondern verlässliche KI: auf Basis von Daten, Semantik und klarer Governance – inklusive Datenschutz, Verantwortlichkeiten und Haftungsfragen. Ein LLM allein liefert ohne diese Einbettung keinen belastbaren Business-Nutzen. „Kontrolle über KI“ heißt für mich deshalb vor allem: SAP schafft den Rahmen, damit KI produktiv, sicher und betriebswirtschaftlich wirksam in End-to-End-Prozessen eingesetzt werden kann. 

Für All for One ist das also eine gute Entwicklung, oder?
Ja, weil es den Transformationsbedarf bei unseren Kunden weiter erhöht – und genau an der Schnittstelle aus Technologie, Prozessintegration und Branchen-Know-how liegt unsere Stärke. Wettbewerbsfähigkeit wird in Zukunft darauf aufbauen, Unternehmensprozesse, Daten und Betriebsmodelle KI-fähig zu organisieren und orchestrieren.

Mit neuen Tools wie „Joule for Consultants“ und speziellen Migrations-Agenten stellt SAP Einsparungen von rund 35 Prozent bei Implementierungsprojekten in Aussicht. Dieser Schritt erhöht den Druck auf klassische IT-Serviceanwender und verändert auch die Umsatzströme der All for One. Muss man sich Sorgen um Ihr Geschäftsmodell machen?
Sorgen um unser Geschäftsmodell muss man sich nicht machen – aber man muss es sehr bewusst und konsequent weiterentwickeln. Wenn SAP Implementierungs- und Migrationsaufgaben durch KI effizienter macht, verändert das die Wertschöpfung im Markt. Das betrifft die gesamte klassische IT-Service-Landschaft. Gleichzeitig verschieben sich der Kundenbedarf und die Umsatzströme.

Wie sehen diese Verschiebungen im Detail aus? Und wie stellt sich All for One darauf ein?
Der Kundenbedarf verschiebt sich weg von standardisierten Tätigkeiten hin zu Beratung, Prozessdesign, Governance, Architektur, Integration und Change Management. Genau dort entsteht nachhaltige Wertschöpfung. Entsprechend verschieben sich auch die Umsatzströme – weg vom reinen Manntaggeschäft, hin zu standardisierten Delivery-Modellen, wiederverwendbaren Assets und nutzungsbasiertem Mehrwert. 

Vorstand
Quelle: All for One Group
Michael Zitz, CEO All for One Group

Was bedeutet das für die All for One Group?
Darauf stellen wir uns mit neuen Go-to-Market- und Delivery-Ansätzen und konsequent höherer Effizienz ein. Unser Modell bleibt also relevant – es wird sich künftig noch stärker an Beratungstiefe, Spezialisierung und wiederkehrenden Services messen lassen. Denn gefragt sind zukünftig weniger die klassischen „hop on hop off“- Implementierungsprojekte als vielmehr langfristige Betriebs-, Integrations- und Innovationsmodelle. 

Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie? 
Wir sehen einen klaren Turning Point im IT-Service-Markt. Die Cloud-Transformation ist vielerorts noch nicht abgeschlossen, gleichzeitig beschleunigt Business AI die nächste Veränderungswelle. Kurzfristig erhöht das den Anpassungsdruck und sorgt für volatilere Abrufe im Consulting, insbesondere in den konjunkturell belasteten Industriebranchen wie Maschinenbau und Automotive-Zulieferern. 

Und mittelfristig?
Mittelfristig erwarten wir eine strukturelle Verschiebung im Servicegeschäft: Standardisierte Tätigkeiten und klassische Entwicklung werden durch KI deutlich effizienter, wir sehen hier intern bereits 20 bis 30 Prozent Potenzial. Gleichzeitig gewinnen Beratung, Prozessintegration, Daten-/Semantik-Themen und vor allem Governance zunehmend an Bedeutung. Genau dort entstehen neue, wiederkehrende Betriebs- und Innovationsservices und neue Delivery-Modelle – bis hin zu agentenbasierten Lösungen, die direkt in Geschäftsprozesse eingebettet sind.

Was bedeutet dies für All for One dann konkret? 
Wir investieren in unsere eigene Effizienz – Stichwort Precision – , bauen KI-basierte Angebote wie Agenten weiter aus, entwickeln und internationalisieren unser Go-to-Market weiter und diversifizieren stärker nach Branchen und Regionen mit Fokus z. B. auf Life Sciences, den Public Sector und Defence sowie Internationalisierung. Unter dem Strich ist das ein anspruchsvoller Übergang – aber mittelfristig eröffnet er uns zusätzliche Wachstumspotenziale, weil der Transformationsbedarf bei Kunden eher steigt als sinkt. Denn wir bringen unsere Kunden fortan nicht nur sicher und zuverlässig in die Cloud, sondern sorgen auch für die KI-Readiness.

Sie haben Precision angesprochen, Ihr neues Programm zur Steigerung der Wettbewerbsstärke. Welche Maßnahmen umfasst dieses Programm konkret? Wo genau setzen Sie an: Personal, Prozesse, Portfolio oder internationale Strukturen?

Mit Precision entwickeln wir unsere Organisation konsequent hin zu mehr Wettbewerbsstärke, Skalierbarkeit und Profitabilität. Konkret umfasst das Programm verstärkte Investitionen in KI-Ressourcen und -Entwicklungen, die Neuausrichtung unseres Delivery-Modells und unserer Go-to-Market-Strategie, die stärkere Bündelung von Management-Synergien sowie den gezielten Abbau von Personal- und Sachkosten. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die beschleunigte Integration der im März übernommenen apsolut Group, um unsere End-to-End-Beratung weiter zu stärken und die Internationalisierung voranzutreiben. 

Können Sie auch konkrete Beispiele nennen? 
Wir werden in die Entwicklung von AI-Agenten investieren, das Delivery-Setup mit stärkerem Near- und Offshore-Einsatz forcieren und eine globalere Sales-Organisation aufbauen. Ziel ist es, den KI- und Cloud-Umbau schneller, effizienter und näher am Bedarf unserer Kunden umzusetzen.

In welchen Bereichen muss die All for One Group schneller und profitabler werden? Und welche Ergebniseffekte erhoffen Sie sich durch Precision mittelfristig?
Wir müssen vor allem in der Delivery schneller und profitabler werden – in Implementierung, Entwicklung und im laufenden Betrieb. Dort reduzieren wir manuelle Aufwände, senken die Projektvarianz und erhöhen Wiederverwendung und Standardisierung. Im Consulting verlagern wir den Schwerpunkt weg vom reinen Manntaggeschäft hin zu produktisierten, skalierbaren und wiederkehrenden Betriebs- und Innovationsservices– mit klarer Industrialisierung und besserer Auslastungssteuerung. 
Precision zielt genau darauf: höhere operative Effizienz und eine robustere Ergebnisqualität durch besseren Fit von Nachfrage, Delivery und Preismodell. Mittelfristig erwarten wir daraus spürbare Margen- und EBIT-Verbesserungen; konkret soll Precision ab Herbst 2026 einen jährlichen EBIT-Effekt von bis zu 20 Mio. Euro vor M&A-Effekten liefern.

Das erste Geschäftshalbjahr 2025/26 war von verschobenen Investitionsentscheidungen auf Kundenseite geprägt. Wann rechnen Sie mit einem spürbaren Nachholeffekt oder müssen Sie sich auf ein dauerhaft schwächeres Wachstum im SAP-Migrationsgeschäft einstellen?

Wir sehen weiterhin Zurückhaltung bei Investitionsentscheidungen, insbesondere bei größeren Transformationsvorhaben. Viele Kunden prüfen derzeit sehr genau, priorisieren stärker und verschieben Projekte in die Zukunft. Ein Nachholeffekt ist grundsätzlich zu erwarten, wenn Entscheidungsstaus sich auflösen und die wirtschaftliche Planungssicherheit zunimmt. Ein exakter Zeitpunkt lässt sich aber schwer prognostizieren. 
Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage im SAP-Migrationsumfeld strukturell intakt bleibt – nur die Umsetzung ist aktuell zäher und selektiver. Deshalb stellen wir uns auf ein Marktumfeld ein, in dem Wachstum möglich ist, aber stärker von Conversion, Cloud und Effizienzthemen und auch immer mehr von KI-Anwendungen getragen wird.

All for One Group (WKN: 511000)

Noch 2025 hatten Sie mittelfristig EBIT-Margen oberhalb von acht Prozent in Aussicht gestellt. Ist dieses Ziel unter den aktuellen Marktbedingungen weiterhin realistisch?
Ja, das Ziel bleibt aus heutiger Sicht grundsätzlich realistisch, aber der Weg dorthin ist anspruchsvoller geworden. Wir bewegen uns in einem Markt mit höherem Wettbewerbsdruck, unberechenbaren externen Einflüssen, vorsichtigeren Kunden und einem schnelleren Wandel der Leistungslogik. Deshalb hängt die Margenentwicklung noch stärker davon ab, wie konsequent wir unser Portfolio, unsere Prozesse und unsere Ressourcensteuerung optimieren. Mit „Precision“ setzen wir genau dort an. Unser Anspruch bleibt, Wachstum und Profitabilität besser auszubalancieren und die Ergebnisqualität nachhaltig zu steigern.

Trotz des schwierigen Umfelds investieren Sie weiter in Zukäufe wie apsolut oder BrightFlare. Welche Rolle spielen diese Beteiligungen in Ihrer aktuellen Strategie?

Gezielte Zukäufe bleiben für uns ein wichtiges strategisches Instrument. Sie helfen uns, Kompetenzen zu stärken, schneller in Wachstumsfelder und neue Kundenmärkte vorzustoßen und unser Portfolio sinnvoll zu ergänzen. Dabei geht es nicht um Wachstum um jeden Preis, sondern um eine klare strategische und zunehmend internationale Passung. 
Akquisitionen wie die internationale apsolut, Nummer 1 im SAP Procurement Bereich, oder BrightFlare, Service Provider im hoch relevanten und stark nachgefragten Marktsegment Cybersecurity, unterstützen unsere Positionierung dort, wo wir Kunden einen breiteren und zugleich tieferen Mehrwert bieten wollen – etwa in Prozessberatung, Digitalisierung, Cloud-Transformation oder spezialisierten Zukunftsfeldern. Wichtig ist, dass solche Beteiligungen nicht isoliert wirken, sondern operativ und strategisch integriert werden.

Wie sieht Ihre künftige Expansionsstrategie aus? 
Unsere Expansion basiert auf zwei Schwerpunkten: Wir diversifizieren gezielt in wachstumsstärkere Branchen wie Life Sciences, Aerospace & Defence, Utilities und den öffentlichen Sektor sowie in neue Kundenmärkte. Apsolut ermöglicht uns hier beispielsweise den Zugang zu Großunternehmen. Parallel beschleunigen wir unsere Internationalisierung – u. a. in Großbritannien und Polen sowie weiteren Märkten mit strukturellem Wachstum –, ohne den DACH-Raum aufzugeben. 

Werden Akquisitionen gerade wichtiger, um neue Wachstumsfelder wie Cybersecurity und KI schneller zu besetzen?
Akquisitionen können dort an Bedeutung gewinnen, wo Geschwindigkeit, Marktzugang oder Spezialwissen entscheidend sind. Gerade in Bereichen wie Cybersecurity oder KI ist der Markt dynamisch, und nicht jede Kompetenz lässt sich intern in der nötigen Geschwindigkeit aufbauen. Deshalb prüfen wir Zukäufe sehr selektiv als Ergänzung unserer organischen Entwicklung. Für uns bleibt aber entscheidend, dass wir strategisch passende Unternehmen integrieren, die unsere Position im Markt stärken und unser Leistungsangebot für Kunden konkret erweitern. Organisches Wachstum und gezielte Akquisitionen gehören dabei weiterhin zusammen.

Der Newsflow bei der All for One Group war zuletzt alles andere als gut. Das spiegelt sich auch im Kursverlauf der Aktie wider. Vorstand Zitz steckt den Kopf aber nicht in den Sand und dreht an verschiedenen Stellschrauben, um die Trendwende einzuläuten. Anleger setzen die Aktie auf die Watchlist und warten erste positive Signale ab – beim Newsflow und im Chart. 

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