27.02.2019 Jochen Kauper

Ajax Amsterdam oder Borussia Dortmund – welche Aktie hat mehr Potenzial?

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Borussia Dortmund
Trendthema

Fußball-Aktien sind längst nicht mehr nur ein Investment für echte Fans. Während die Automobilindustrie unter dem Dieselskandal und den riesigen Investitionen in neue Antriebsformen ächzt und die Banken von den jungen wilden Fintechs herausgefordert werden, stehen die Fußballvereine auf der Sonnenseite. Die Transfersummen gehen durch die Decke und die steigenden Fernsehgelder geben den Klubs immer mehr finanziellen Spielraum. Entscheidend bei der Auswahl für den Anleger ist das Klub-Management.
Der Verkauf von Christian Pulisic an den FC Chelsea zeigt einmal mehr die Klasse des BVB-Managements. Der BVB kassiert vom englischen Top-Klub eine knackige Ablöse von 64 Millionen Euro. Der Vertrag von Pulisic wäre im Sommer 2020 ausgelaufen. Dann hätte das Talent ablösefrei wechseln können.
In der BVB-Bilanz, in der die Spieler als „Immaterielle Vermögensgegenstände“ bilanziert werden, dürfte Pulisic mit einem Wert von 0 Euro geführt werden. Aus dem Transfer ergibt sich also für den BVB ein satter Gewinn. Apropos Gewinn: Die letzten drei großen Verkaufs-Deals machen die Ausnahmestellung des BVB deutlich: Dembele wurde für 105 Millionen Euro nach Barcelona verkauft, Aubameyang wurde für 63,7 Millionen Euro an Arsenal vertickt und zuletzt Pulisic für 64,0 Millionen Euro Richtung Chelsea geschickt. Damit sind die BVB-Macher Watzke, Zorc und Treß die erfolgreichsten Dealmaker in Europa!

Quelle: BVB

Wichtigster Umsatzbaustein
Umso wichtiger sind die Transfers einzuordnen, wenn man bedenkt, dass diese mit einem Anteil von 42 Prozent mittlerweile den wichtigsten Umsatzposten stellen. Dahinter folgen die Bereiche Fernsehgelder mit einem Anteil von 23 Prozent und Marketingerlöse mit 17 Prozent.
Die Einnahmen aus den letzten Transfers haben die Schwarz-Gelben bereits wieder investiert. Auch hier wird sich das hervorragende Scouting in der Zukunft auszahlen. Die 7,84 Millionen Euro, die der BVB für Jadon Sancho an Manchester City überwiesen hat, waren ein Schnäppchen. Bleibt Sancho in dieser Form, werden mögliche Interessenten 50 Millionen Euro plus X auf den Tisch legen müssen. Auch die 23 Millionen Euro für Paco Alcácer, die der BVB an den FC Barcelona überwiesen hat, waren in der heutigen Transferschlacht eine äußerst seltene Gelegenheit, zu einem angemessenen Preis an einen außergewöhnlichen Kicker zu kommen.
Der Aufwärtsmove der BVB-Aktie in den letzten Wochen kam nicht von ungefähr. Einerseits waren es die außergewöhnlich hohen Transfererlöse, andererseits war der Höhenflug auch ein Reflex auf die guten sportlichen Leistungen in den verschiedenen Wettbewerben. Zuletzt kam das Papier allerdings etwas ins stocken, als die Erfolge in der Bundesliga ausblieben und der BVB in Tottenham in der Champions League mit 0 zu 3 unter die Räder kam.

Quelle: BVB

Enorme stille Reserven
Hinzu kommt die Tatsache, dass sich junge hoch talentierte Kicker wie Sancho, Larssen, Hakimi oder Akanji unter dem neuen Trainer Lucien Favre hervorragend entwickelt haben. Dies wird sich in den nächsten Monaten in den Marktwerten der Spieler widerspiegeln.
Der BVB verfügt zudem über enorme stille Reserven. Viele Spieler werden in der Konzernbilanz deutlich unter ihrem „wahren Marktwert“ geführt. So lagen die „Immateriellen Vermögensgegenstände“ des BVB Ende September bei 186 Millionen Euro. Zum Vergleich: Bei Transfermarkt.de beläuft sich der Wert des gesamten BVB-Kaders auf 500 Millionen Euro.

Talentschmiede Ajax
Einen etwas anderen Weg geht der 33-malige holländische Meister Ajax Amsterdam. Weil die Fernsehgelder in der Ehrendivision im Vergleich zur Premier League und der Bundesliga nicht derart üppig fließen, muss das Management von Ajax andere Wege gehen. Bei der aktuellen Transferschlacht und Summen, die im hohen zweistelligen Millionenbereich angesiedelt sind, will und kann Ajax nicht mithalten. Deshalb steckt Ajax Amsterdam seit Jahren viel Geld und Manpower in die Ausbildung junger Fußballtalente. Durch die entstandenen Extra-Einnahmen aus dem dem Champions-League-Gewinn 1995 wurde die Ajax-Talentschmiede „De Toe­komst“ („Die Zukunft“) ausgebaut. Aus der Fußball-Akademie stammten Edwin van der Sar, Frank Rijkaard, Marco van Basten oder Patrick Kluivert.
Zuletzt spielte sich Ajax Amsterdam in der Champions League ins Rampenlicht. So sicherte sich das Team von Trainer Erik ten Hag hinter Bayern München Platz 2. Auf der großen Bühne der Königsklasse glänzten vor allem die jungen Ajax-Kicker Frenkie de Jong und Matthijs de Ligt. Beide gelten als die größten Ajax-Talente seit mehreren Jahren. Nicht umsonst werden de Jong und de Ligt von allen europäischen Top-Klubs gejagt. Laut Transfermarkt.de hat de Jong einen aktuellen Marktwert von 60 Millionen Euro, de Ligt kommt auf 65 Millionen Euro. Nicht vergessen sollte man in den Reihen von Ajax auch Donny van de Beeck, Kasper Dolberg und Hakin Ziyech. Der gesamte Kader, der in der Bilanz nur mit 89 Millionen Euro angesetzt ist, kommt laut Transfermarkt.de auf einen Wert von 369 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Börsenwert des Konzerns, der frei von Nettoschulden ist, beträgt „nur“ 279 Millionen Euro.

Gelddruckmaschine Champions League
Im Achtelfinale der Champions League wartet das Rückspiel bei Real Madrid auf Ajax. Ein schwieriges Los. Im Hinspiel hätte Ajax durchaus gewinnen können. Die jungen wilden aus Amsterdam sollte man noch nicht abschreiben. Der Kurs hat auf die Hinspiel Niederlage fast nicht reagiert. Fakt ist, dass die meisten Anleger ohnehin ein Ausscheiden von Ajax auf der Rechnung hatten. Ganz nebenbei erwähnt würde Ajax 10,5 Millionen Euro für die nächste Runde kassieren.

Depotbeimischung
Borussia Dortmund und Ajax Amsterdam haben ein hervorragendes Management. Die BVB-Aktie kann man in einer Range zwischen 7,35 Euro und 7,50 Euro einsammeln. Die Talentschmiede Ajax Amsterdam ist die etwas spekulativere Wahl. Upside-Potenzial hat die Aktie durch weitere Erfolge in der Champions League und durch mögliche Transfers von de Ligt oder de Jong. Kursziel 19,50. Euro. Spekulative Depotbeimischung!

Der Artikel ist in DER AKTIONÄR Ausgabe 04/19 erschienen.