++ 5 Kracher-Aktien jenseits des DAX ++

'Verzicht bringt nichts' - IG Metall will Reallöhne sichern

'Verzicht bringt nichts' - IG Metall will Reallöhne sichern
Bayerische Motoren Werke AG -%
Heute, 10:11 ‧ dpa-Afx
Logo: DER AKTIONÄRJetzt bei Google bevorzugen
Top-Analysen. Direkt für Sie. Bei Google.
  • Unsere Analysen ganz oben bei Google
  • Kostenlos schneller informiert
  • Jederzeit anpassbar

BERLIN/FRANKFURT (dpa-AFX) - In der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall mindestens die Reallöhne sichern. Während die exakte Lohnforderung noch in den kommenden Wochen gefunden werden soll, verweist die Gewerkschaft auf eine bundesweite Beschäftigtenbefragung, bei der sich eine relative Mehrheit von 47,8 Prozent für "moderate" Entgelterhöhungen ausgesprochen hat. 35 Prozent der 267.000 Teilnehmer waren für eine "kräftige" Erhöhung.

"Verzicht bringt nichts", erklärte die Gewerkschaftsvorsitzende Christiane Benner. Sie sieht Unternehmen und Politik in der Verantwortung, die Industriearbeitsplätze zu halten und eine Deindustrialisierung zu verhindern. "Wir brauchen eine Anti-Dumping-Strategie und die Sicherung von Wertschöpfung über Local-Content-Vorgaben. Die Arbeitsplätze werden durch unfairen Wettbewerb bedroht, nicht durch zu hohe Arbeitskosten." Diese machten ohnehin nur einen geringen Teil der Gesamtkosten aus.

IG Metall verlangt Gegenleistungen

Wenn es Unternehmen schlecht gehe, sei die Gewerkschaft bei wirtschaftlichen Problemen stets zu Gesprächen bereit und habe Lösungen, sagte Benner. "Wir verlangen aber Gegenleistungen, nämlich Investitionen, Produktzusagen und die Sicherung von Arbeitsplätzen."

Die Lage sei auch nicht so schlecht, wie es in der öffentlichen Diskussion den Eindruck erwecke. Die Befragten nähmen die Situation in ihren Betrieben sehr unterschiedlich wahr. Während knapp die Hälfte sie als gut (31,7 Prozent) oder sehr gut (14,5 Prozent) schildert, sieht gut jeder Fünfte die Lage als schlecht (16,9 Prozent) oder sehr schlecht (4,7 Prozent) an. Gut gehe es Betrieben der Luft- und Raumfahrt, Rüstung, Schiffsbau oder Energie, während in der Autoindustrie und bei Dienstleistern Sorgen herrschten.

Angriffe auf 35-Stunden-Woche

Gleichzeitig warnte die Gewerkschaftschefin einzelne Unternehmen wie Mercedes-Benz , gewerkschaftliche Errungenschaften infrage zu stellen, die nicht einmal Gegenstand der Tarifverhandlungen sind. "Die 35-Stunden-Woche und der Achtstundentag gehören zum Identitätskern unserer Gewerkschaft. Wir haben das erkämpft und nicht geschenkt bekommen. Und wir werden weiter dafür kämpfen." 40 statt 35 Stunden zu arbeiten ohne Entgeltausgleich, bedeute eine erhebliche Lohnkürzung um 14 Prozent.

In den Flächentarifverträgen für die deutsche Metall- und Elektroindustrie werden die Arbeitsbedingungen von rund 3,7 Millionen Beschäftigten verhandelt. Neben der Autoindustrie sind Maschinenbau, Metallbearbeitung, Elektrotechnik und der sonstige Fahrzeugbau wichtige Sparten. Nicht verhandelt wird für die Beschäftigten der kriselnden Volkswagen AG, für die ein eigener Haustarifvertrag gilt. Dieser läuft zum Jahresende aus.

Der Vorstand der IG Metall will seine Forderung nach umfangreicher Rückkopplung mit den regionalen Tarifkommissionen am 23. September beschließen. Erste Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden sind ab dem 7. Oktober geplant. Die aktuellen Tarifverträge laufen zum 31. Oktober aus. Danach sind dann sofort auch Warnstreiks möglich, weil in dieser Runde auf eine nachlaufende Friedenspflicht verzichtet worden ist./ceb/DP/stk

Quelle: dpa-AFX