Die Aktie von Moderna zählt am Mittwoch zu den größten Gewinnern im Biotech-Sektor. Das Papier legt zeitweise um rund 18 Prozent zu. Auslöser ist eine Einigung in einem langjährigen Patentstreit rund um die mRNA-Technologie hinter dem Covid-Impfstoff des Unternehmens.
Moderna hat sich mit Arbutus Biopharma sowie Genevant Sciences – einer Tochter von Roivant – auf einen Vergleich geeinigt. Der Streit drehte sich um sogenannte Lipid-Nanopartikel (LNP), also fetthaltige Hüllen, die das mRNA-Molekül in die Zellen transportieren. Diese Technologie gilt als zentraler Bestandteil moderner mRNA-Impfstoffe.
Im Rahmen der Vereinbarung zahlt Moderna zunächst 950 Millionen Dollar im dritten Quartal dieses Jahres. Zusätzlich stehen weitere mögliche Zahlungen von bis zu 1,3 Milliarden Dollar im Raum, gegen die das Unternehmen jedoch Berufung einlegen will.
Wichtig: Nach der Einmalzahlung muss Moderna künftig keine Lizenzgebühren auf die Verkäufe seiner mRNA-Impfstoffe entrichten. Zudem erhält das Unternehmen eine nicht-exklusive Lizenz für die Nutzung der LNP-Technologie bei bestimmten Impfstoffen gegen Infektionskrankheiten.
Die Einigung kommt nur wenige Tage vor dem geplanten Beginn eines Geschworenenprozesses in Delaware zustande. Arbutus und Genevant hatten ursprünglich rund fünf Milliarden Dollar gefordert. Die nun vereinbarte Summe fällt damit deutlich niedriger aus als von vielen Investoren befürchtet.
Analysten sprechen von einer deutlichen Entlastung für Moderna. Die Kurserholung spiegele vor allem die Erleichterung wider, dass das Unternehmen ein potenzielles Worst-Case-Szenario vermeiden konnte. Ein deutlich höherer Vergleich oder gar laufende Lizenzgebühren hätten die Bilanz erheblich belastet.
Der Vergleich verschafft Moderna zudem finanziellen Spielraum. Das Unternehmen rechnet zum Jahresende mit liquiden Mitteln zwischen 4,5 und 5,0 Milliarden Dollar. Zusätzlich steht eine Kreditlinie über bis zu 900 Millionen Dollar zur Verfügung.
Damit kann sich der Fokus wieder stärker auf die Pipeline richten. Besonders wichtig sind mehrere klinische Spätphasenstudien, deren Ergebnisse noch in diesem Jahr erwartet werden und als zentrale Wachstumstreiber gelten.
Die Einigung im Patentstreit ist klar positiv für Moderna. Das Unternehmen vermeidet eine deutlich höhere finanzielle Belastung und schafft Planungssicherheit. Die kräftige Kursreaktion zeigt, wie groß die Sorgen der Investoren zuvor waren.
DER AKTIONÄR favorisiert im mRNA-Sektor dennoch den deutschen Konkurrenten BioNTech, der operativ stabiler aufgestellt ist und ebenfalls über eine vielversprechende Onkologie-Pipeline verfügt.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Moderna Inc, BioNTech.
Heute, 21:11