14.05.2020 Martin Mrowka

Airbus-Konkurrent Boeing: Eine gute und eine schlechte Nachricht

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Boeing

Boeing kommt nicht auf die Beine. Der Flugzeug-Hersteller hat Aufträge für weitere 108 Maschinen des Pannenflugzeugs 737 Max verloren. Unter anderem kürzte die zum General-Electric-Konzern gehörende Leasing-Firma Gecas im April ihre Max-Bestellungen. Damit hat der amerikanische Airbus-Konkurrent erstmals seit Jahren Order für insgesamt weniger als 5.000 Flugzeuge verschiedener Typen in den Büchern. Bereits im März wurden Bestellungen für 150 Maschinen der 737 Max storniert. Die Boeing-Aktie rutschte am Mittwoch im US-Handel zeitweise unter die wichtige 120-Dollar-Marke. Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht.

Die Boeing 737 Max war lange ein Bestseller für den Luftfahrt-Konzern - nach zwei Abstürzen mit 346 Toten stehen nun aber alle Max-Flugzeuge weltweit am Boden. Nach Erkenntnissen von Unfallermittlern führte ein Assistenzsystem, das den Piloten unter einigen Umständen bei der Steuerung der Maschine helfen sollte, wegen fehlerhafter Sensordaten zu den Katastrophen.

Bei der Überprüfung des Modells traten auch weitere Probleme unter anderem in der Software zutage. Es ist immer noch unklar, wann die 737 Max wieder fliegen darf. Kunden verlieren die Geduld - zumal sie sich angesichts der Corona-Krise auf eine lange Flaute im Luftverkehr einstellen und Geld sparen müssen.

Boeing-Chef Dave Calhoun stellt sich zudem darauf ein, dass durch die Corona-Krise eine große US-Airline in diesem Jahr aus dem Geschäft gehen könnte. "Ja, höchstwahrscheinlich", sagte Calhoun auf eine entsprechende Frage in einem Interview des US-Senders NBC.

Im September komme die Nagelprobe für die Fluggesellschaften, argumentierte er. Dann läuft die momentane US-Unterstützung für die Luftfahrt-Industrie bei Gehaltszahlungen aus. Der Luftverkehr werde bis dahin aber nicht einmal ein Viertel des vorherigen Niveaus erreichen, gab Calhoun zu bedenken. "Vielleicht werden wir uns zum Jahresende den 50 Prozent nähern. Also werden die Airlines definitiv Anpassungen machen müssen."

Das Geschäft von Boeing litt bereits unter der Krise rund um das nach zwei Abstürzen weltweit stillgelegte Flugzeug 737 Max. In der Corona-Krise überdenken Airlines bereits Bestellungen bei Boeing und auch Airbus, weil sie davon ausgehen, dass es noch Jahre dauern könnte, bis die Nachfrage nach Flugreisen wieder das Niveau von 2019 erreicht.

Boeing (WKN: 850471)

Es gibt jedoch auch eine gute Nachricht für den US-Konzern: Boeing hat nämlich aus Saudi-Arabien zwei Aufträge im Wert von mehr als zwei Milliarden US-Dollar für die Lieferung von mehr als 1.000 Luft-Boden- und Anti-Schiffs-Raketen erhalten.

Ein erster Auftrag im Wert von 1,97 Milliarden US-Dollar betrifft die Modernisierung von SLAM ER-Marschflugkörpern sowie die Lieferung von 650 neuen Flugkörpern "zur Unterstützung der Regierung von Saudi-Arabien", wie aus dem Pentagon verlautete. Die SLAM ERs sind GPS-gesteuerte Luft-Boden-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 155 Seemeilen (ca. 180 Meilen, also etwa 290 Kilometer).

Luft-Boden-Raketen (Symbolbild)
Shutterstock

Das Pentagon kündigte außerdem einen Vertrag über mehr als 650 Millionen US-Dollar für die Lieferung von 467 neuen Harpoon Block II-Anti-Schiffs-Raketen an, darunter mehr als 400 für Saudi-Arabien. Die anderen werden nach Brasilien, Katar und Thailand geliefert.

In einer separaten Erklärung sagte Boeing, die neuen Verträge würden die Fortsetzung des Harpoon-Programms bis 2026 sicherstellen und die SLAM ER-Produktionslinie neu starten. Boeing bezifferte die Gesamtsumme der Rüstungsverträge auf 3,1 Milliarden US-Dollar. Eine Sprecherin sagte, dass dies auch eine zuvor bereits angekündigte Bestellung beinhaltete. (Mit Material von dpa-AFX)

In Zeiten, da Zivilflugzeuge kaum noch gefragt sind, werden Rüstungsaufträge für Boeing wichtiger. Dennoch reicht das bei weitem nicht, den Aktienkurs nach oben zu hieven. Auf absehbare Zeit dürfte außer zwischenzeitlichen Kursaufschwüngen wenig zu holen sein. Investoren bleiben deshalb am besten an der Seitenlinie.