Z.ai, bis 2025 unter dem Namen Zhipu AI bekannt, entwickelt die offene Modellfamilie GLM und war im Januar Chinas erstes großes Sprachmodell-Unternehmen an der Börse.
Z.ai hat am Wochenende bestätigt, was Freitagnacht als Gerücht bekannt wurde: Der Pekinger KI-Entwickler hat 21,97 Millionen neue H-Aktien zu je 714 Hongkong-Dollar (79 Euro) platziert und damit 15,68 Milliarden Hongkong-Dollar oder rund 1,74 Milliarden Euro eingenommen – zehn Prozent unter dem Freitagsschluss von 793 Hongkong-Dollar (87,80 Euro). Parallel kamen 20,14 Milliarden Yuan, umgerechnet 2,59 Milliarden Euro, über eine Wandelanleihe ohne Kupon herein. Die Aktie rutschte am Montag im Tief auf 710 Hongkong-Dollar (78,60 Euro) ab, ein Minus von gut zehn Prozent, und notierte zuletzt bei 743 Hongkong-Dollar (82,30 Euro). Es ist die zweite Großfinanzierung binnen zwei Monaten. Im Juli hatte Z.ai bereits rund 3,45 Milliarden Euro über eine Platzierung eingesammelt.
Am Samstag sagte OpenAI-Chef Sam Altman dem Magazin Fortune, ein Börsengang seines Hauses wäre derzeit unklug – während Z.ai zum dritten Mal in acht Monaten den Kapitalmarkt anzapft.
Z.ai: Keine Finanzierung, sondern ein Countdown
Die Gegenrechnung beginnt beim Fälligkeitsdatum. Die Wandelanleihe läuft nicht fünf oder sieben Jahre wie sonst bei Wandlern – sie ist im September 2027 fällig, also in zwölf Monaten. Ausgegeben wurde sie ohne Kupon zu 100,5 Prozent des Nennwerts: Wer zeichnet, zahlt drauf und bekommt keinen Cent Zins. Das ergibt nur Sinn, wenn die Käufer die Anleihe gar nicht halten wollen, sondern die Aktie. Z.ai nimmt hier kein Fremdkapital auf, sondern verkauft Eigenkapital auf Termin – zu 892,50 Hongkong-Dollar (98,80 Euro), 25 Prozent über dem Platzierungspreis.
Der Maßstab dazu: Seit dem Börsengang am 8. Januar hat Z.ai rund 8,2 Milliarden Euro eingeworben – das 90-Fache seines letzten Jahresumsatzes von 724 Millionen Yuan, umgerechnet gut 90 Millionen Euro, bei 4,72 Milliarden Yuan Nettoverlust (rund 600 Millionen Euro) im Jahr 2025. Nicht der Erlös ist die Nachricht, sondern die Frequenz.
Am Geld liegt es nicht. Drei Tage vorher ging der von Tencent gestützte Chipentwickler Enflame in Schanghai an die Börse und schloss den ersten Handelstag 179 Prozent über dem Ausgabepreis; zeitweise waren es mehr als 200 Prozent. Der Vergleich hinkt – Privatanleger im A-Aktien-Markt gegen Institutionelle in Hongkong –, doch die Richtung ist eindeutig: Für chinesische KI-Rechenleistung zahlen Anleger derzeit Aufschläge. Z.ai musste zehn Prozent Abschlag geben. Das Misstrauen gilt nicht dem Sektor, sondern der Bilanz.
Die Gegenseite: Das Buch war trotzdem voll
Dagegen steht, dass die Bücher schnell gefüllt waren – und das unter Bedingungen, die eigentlich abschrecken sollten. Drei Tage vor dem Start hatten die amerikanischen Regierungsbehörden NSA, FBI und CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency) am 8. September eine gemeinsame Sicherheitswarnung veröffentlicht und Z.ai neben DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax und StepFun namentlich genannt. Die Unternehmen hätten seit Ende 2024 Milliarden Token aus US-Spitzenmodellen abgezogen. Peking wies das zurück, die Anleger zeichneten trotzdem.
Auch operativ gibt es Argumente. Der Umsatz war im Jahr 2025 um 132 Prozent gewachsen. Im August stellte Z.ai ein Modell vor, das nach Firmenangaben komplett auf 100.000 chinesischen Chips läuft – für ein Unternehmen, das seit Januar 2025 auf der US-Entity-List steht, ist das die Geschäftsgrundlage. Von 19 Analysten raten 18 zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 1.662 Hongkong-Dollar (184 Euro). Laut Pflichtmitteilung fließen 60 Prozent des Nettoerlöses in die nächste Modellgeneration.
- 24. September 2026: Xi Jinping wird in Washington erwartet – hier zeigt sich, ob aus der Distillation-Warnung Politik wird.
- 18. Februar 2027: Ab diesem Tag darf Z.ai die Anleihe kündigen, wenn die Aktie an 20 von 30 Handelstagen über 1.160,25 Hongkong-Dollar (128,50 Euro) notiert.
- September 2027: Fälligkeit – unterhalb von 892,50 Hongkong-Dollar wird in bar zurückgezahlt statt gewandelt.
Wer diese Finanzierung als Vertrauensbeweis liest, liest sie falsch. Sie ist ein Preis, und Z.ai hat ihn zweimal gezahlt: einmal mit den neuen Aktien, zehn Prozent unter Börsenkurs, und ein zweites Mal mit der Wandelanleihe, deren Geld schon in zwölf Monaten wieder weg sein kann.
Der Vorgang steht für eine Entwicklung, die weit über Z.ai hinausgeht. Chinesische Firmen kommen an US-Chips wie die von Nvidia kaum noch heran. Also baut das Land die Rechenleistung für Künstliche Intelligenz selbst auf – und weil das Milliarden kostet, holen sich die Unternehmen das Geld an der Börse.
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