Der Iran-Krieg lässt die Nervosität an den Börsen explodieren. Top-Stratege Ed Yardeni schug nun Alarm und warnte vor einem deutlich höheren Risiko für einen Ausverkauf an den Märkten. Die Chance auf eine Börsenrally ist laut ihm auf nur noch fünf Prozent geschrumpft.
Yardeni hat seine Einschätzung deutlich nach unten korrigiert. Die Wahrscheinlichkeit für einen größeren Rückschlag an den Aktienmärkten sieht er inzwischen bei 35 Prozent. Zuvor lag sie noch bei 20 Prozent. Gleichzeitig schrumpft die Chance auf eine euphorische Rally – einen sogenannten „Melt-up“ – drastisch. Laut Yardeni liegt sie nur noch bei fünf Prozent.
Wirtschaft in der Zwickmühle
Der Grund für die wachsende Skepsis liegt vor allem im Nahen Osten. Der Konflikt mit dem Iran hat die Energiepreise in die Höhe getrieben. Der Ölpreis ist mittlerweile auf nahezu 120 Dollar je Barrel gestiegen. Gleichzeitig reagieren wichtige Förderländer. Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate haben ihre Produktion gedrosselt, nachdem die Straße von Hormus geschlossen wurde und Lagerbestände schnell voll liefen. Auch im Irak werden inzwischen Förderanlagen stillgelegt.
Viele Investoren rechnen damit, dass sich der Konflikt mit dauerhaft höheren Energiepreisen länger hinziehen könnte. Damit geraten auch die Hoffnungen auf Zinssenkungen der US-Notenbank ins Wanken. Steigende Ölpreise könnten die Inflation erneut anheizen, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum nachlässt.
„Die US-Wirtschaft und der Aktienmarkt befinden sich derzeit in einer Zwickmühle zwischen dem Iran und einer schwierigen Lage. Das Gleiche gilt für die Fed.“, erklärt Yardeni. Denn die Notenbank könnte bald zwischen zwei Risiken feststecken: steigende Preise und eine schwächere Wirtschaft.
Nervosität nimmt zu
Noch halten sich US-Aktien vergleichsweise stabil. Der S&P 500 verlor vergangene Woche rund zwei Prozent, während der globale MSCI-Index um 3,7 Prozent nachgab. Der Grund: Die USA sind deutlich energieunabhängiger als viele andere Regionen. Außerdem hatten Sorgen rund um hohe Investitionen im Bereich Künstliche Intelligenz US-Aktien bereits zuvor etwas gebremst.
Doch die Nervosität steigt. Die S&P-500-Futures rutschten im asiatischen Handel am Montag zeitweise um mehr als zwei Prozent ab. Gleichzeitig bauen Hedgefonds ihre Wetten auf fallende US-Aktien aus.
Auch der Angstindikator der Wall Street zieht an: Der VIX kletterte auf den höchsten Stand seit den Zollturbulenzen im April. Parallel steigen die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen, was ein Zeichen dafür ist, dass Investoren wieder stärker mit höherer Inflation rechnen.
Die Lage an den Märkten bleibt damit angespannt. Laut Yardeni ist eine euphorische Rally aktuell so unwahrscheinlich wie lange nicht mehr.
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Heute, 11:07