11.10.2019 Marion Schlegel

SAP: Top Zahlen, aber Vorstand geht – was heißt das für die Aktie?

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SAP
Trendthema

Zunächst meldete Europas größter Softwarehersteller SAP in der vergangenen Nacht enorm starke Zahlen für das erste Quartal, dann meldete das Unternehmen eine überraschende Veränderung: Bill McDermott tritt als Vorstandschef von SAP zurück. Die Vorstandsmitglieder Jennifer Morgan und Christian Klein sollen als Führungsduo mit sofortiger Wirkung seine Nachfolge antreten, wie der DAX-Konzern am frühen Freitagmorgen überraschend mitteilte. Informierte Kreise glauben, dass die beiden gut zusammenarbeiten werden.

McDermott war seit 2010 Vorstandssprecher des wertvollsten deutschen börsennotierten Konzerns, zunächst als Co-Vorstandschef, seit 2014 allein. Einen konkreten Grund für den Rücktritt nannte das Unternehmen zunächst nicht. McDermotts Vertrag lief noch bis 2021. Er war seit 2002 im Unternehmen.

SAP (WKN: 716460)

Der US-Amerikaner hatte den Konzern stark in Richtung Cloudsoftware zur Miete aus dem Internet umgebaut. "Von dieser Weichenstellung wird das Wachstum von SAP noch viele Jahre profitieren", sagte Aufsichtsratschef und SAP-Mitgründer Hasso Plattner. "Jetzt ist der Moment gekommen, ein neues Kapitel aufzuschlagen", sagte McDermott. Er hatte zuletzt noch einen Plan zur längerfristigen Effizienzsteigerung für November angekündigt. Noch bis Ende des Jahres will der Manager in einer beratenden Rolle im Unternehmen bleiben.

SAP: Starkes Q3
Quelle: SAP

Die in der Nacht zum Freitag ebenfalls vorgelegten Zahlen zum dritten Quartal konnten sich sehen lassen. Umsatz und Gewinn kletterten überraschend kräftig, nachdem SAP im Vorquartal noch den Handelsstreit zwischen den USA und China zu spüren bekommen hatte. Den Erlös steigerte der Konzern im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro, unter dem Strich blieben mit 1,26 Milliarden Euro 30 Prozent mehr Gewinn übrig.

Im Tagesgeschäft steuerte auch das Cloudgeschäft spürbar mehr Gewinn bei. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern stieg insgesamt um 20 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro. Das war deutlich mehr als Analysten erwartet hatten, die operative Marge lag mit 30,6 Prozent überraschend hoch. Finanzchef Luka Mucic führte das unter anderem auf Kostensenkungen und andere Effizienzmaßnahmen zurück. Die Finanzprognosen für das laufende und die kommenden Jahre bestätigte das Management.

DER AKTIONÄR bleibt aber auch unter dem neuen Führungsduo langfristig optimistisch bei SAP. Die Aktie legt kräftig zu. Damit konnte die wichtige 200-Tage-Linie zurückerobert werden, was ein wichtiges charttechnische Signal ist. 

(Mit Material von dpa-AFX)