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US‑Arbeitsmarktbericht heute: Diese drei Zahlen entscheiden über die Zinsen

US‑Arbeitsmarktbericht heute: Diese drei Zahlen entscheiden über die Zinsen
Foto: Zerbor/Shutterstock
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Ingo Nix Heute, 08:10 Ingo Nix
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Um 14:30 Uhr deutscher Zeit meldet Washington, wie viele Stellen die US-Wirtschaft im August geschaffen hat. Der Konsens steht bei 53.000. Was hinter dieser Zahl steckt, warum die Korrekturen der Vormonate schwerer wiegen und worauf es für die Zinsfrage ankommt.

Der US-Arbeitsmarktbericht ist die monatliche Bestandsaufnahme, wie viele bezahlte Stellen es in den Vereinigten Staaten gibt, und er entscheidet an diesem Freitag mit darüber, ob die Fed am 16. September die Zinsen anhebt. Herausgeber ist das Bureau of Labor Statistics, kurz BLS, die Statistikbehörde des US-Arbeitsministeriums. In der Presse läuft der Bericht unter dem Kürzel NFP für Nonfarm Payrolls, also die Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft bleibt außen vor, weil Saisonarbeit die Reihe von Monat zu Monat unbrauchbar machen würde.

Arbeitsmarktbericht: Zwei Umfragen in einem Dokument

Der Bericht zählt nicht, er fragt. Und er fragt zweimal getrennt. Die eine Erhebung geht an rund 119.000 Betriebe und Behörden mit etwa 622.000 Standorten und liefert die berühmte Stellenzahl. Die andere geht an Privathaushalte und liefert die Arbeitslosenquote. Man kann sich das wie zwei Vermessungstrupps vorstellen, die dieselbe Landschaft mit unterschiedlichem Maßband abschreiten. Der eine zählt Arbeitsplätze, der andere zählt Menschen. Wer zwei Jobs hat, taucht bei den Betrieben zweimal auf, bei den Haushalten einmal. Deshalb können beide Zahlen in verschiedene Richtungen zeigen und trotzdem beide korrekt sein. Genau das war im Juli der Fall: Die Stellenzahl fiel, und trotzdem sank die Arbeitslosenquote.

Revisionen: Warum die erste Zahl selten die letzte ist

Bis zum Meldeschluss der Behörde ist immer nur ein Teil der Fragebögen zurück. Das BLS veröffentlicht trotzdem, mit dem, was vorliegt, und trägt in den beiden Folgemonaten nach, was später eintrifft. Jede Monatszahl hat damit drei Leben: die Erstmeldung, die erste Korrektur, die zweite Korrektur. Erst danach steht sie.

Im Juli hat dieses Nachtragen das gesamte Bild gekippt. Aus 129.000 neuen Stellen im Mai wurden 63.000, aus 57.000 im Juni wurden 20.000, zusammen 103.000 Stellen weniger als zuvor gemeldet. Die Julizahl selbst kam mit einem Minus von 23.000 herein, dem ersten Rückgang in diesem Zyklus. 

Dieselben Monate, zwei Wahrheiten
Quelle: Bureau of Labor Statistics
Dieselben Monate, zwei Wahrheiten

Fünf Werte entscheiden über den Bericht heute 

  • Stellen außerhalb der Landwirtschaft: Der Konsens liegt bei einem Plus von 53.000, nach minus 23.000 im Juli.
  • Arbeitslosenquote: erwartet unverändert 4,1 Prozent.
  • Durchschnittlicher Stundenlohn: erwartet ein Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat und von 3,0 Prozent zum Vorjahr, nach zuletzt 3,2 Prozent, dem niedrigsten Wert seit Mai 2021.
  • ADP-Vorlauf vom 2. September: nur 38.000 neue Stellen im Privatsektor, erwartet waren 47.000.
  • Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe: 206.000 in der Woche zum 29. August.

Die Messlatte liegt niedrig. Juni und Juli haben zusammen netto 3.000 Stellen gekostet, ein Sommer ohne Beschäftigungszuwachs. Einzelne Häuser rechnen mit deutlich weniger als dem Konsens: Andrew Hollenhorst, Chefvolkswirt für die USA bei der Citigroup, erwartet lediglich 20.000 neue Stellen und einen Anstieg der Quote auf 4,2 Prozent, hält solche Werte aber für stabil genug, um keine breitere Sorge auszulösen.

Quote, Löhne, Unschärfen: Was hinter der Zahl steckt

Die Arbeitslosenquote fiel im Juli auf 4,1 Prozent, und das ist kein gutes Zeichen: Gezählt wird nur, wer arbeitet oder aktiv sucht, und die Erwerbsbevölkerung ist in zwölf Monaten um 1,3 Millionen Menschen geschrumpft. Wichtiger für die Notenbank ist ohnehin der durchschnittliche Stundenlohn mit zuletzt 3,2 Prozent über Vorjahr, weil er als größter Kostenblock der Dienstleistungswirtschaft über kurz oder lang in die Preise wandert. Das wiegt schwer, weil die Fed derzeit nicht über eine Senkung diskutiert, sondern über eine Erhöhung; Notenbankgouverneur Christopher Waller stellte für den 16. September aber eine Pause in Aussicht, und Vizepräsident J. D. Vance forderte öffentlich Zinssenkungen. Und die heutige Zahl bleibt eine Vorabschätzung: Die Augustmeldung wurde in den vergangenen vier Jahren jedes Mal nach unten korrigiert, und die vorläufige Jahresrevision vom 28. August mit rund 79.000 Stellen weniger steckt noch gar nicht in den Monatsdaten.

Wie könnte der Markt reagieren?

Die Ausgangslage nach dem Donnerstagsschluss: Der Dow Jones ging 1,2 Prozent fester bei 53.686 Punkten aus dem Handel, die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kam von ihrem Septemberhoch bei rund 4,80 Prozent zurück, der Goldfuture sprang um 2,5 Prozent auf 4.526 Dollar je Unze, und Brent notierte um 95 Dollar je Barrel. Der Donnerstag war damit keine Konjunkturrally, sondern eine Zinsentlastungsrally, ausgelöst von Wallers Aussage.

Die Reaktionslogik ist entsprechend eindeutig. Fällt der Bericht schwach aus, gibt die Zehnjahresrendite weiter nach, was den Dow stützt, weil bei Kursen nahe den Hochs die Bewertung an der Rendite hängt und nicht am Gewinnwachstum. Gold profitiert doppelt, über fallende Realrenditen und über den schwächeren Dollar. Kommt die Zahl deutlich über dem Konsens von 53.000 herein, drehen diese Argumente: Die Rendite steigt wieder über 4,80 Prozent, der Dow gerät über die Bewertungsseite unter Druck, und Gold gibt einen Teil des Donnerstagssprungs wieder ab.

Der Ölpreis folgt dieser Logik nur zum Teil. Brent wird derzeit vom Iran-Konflikt bestimmt, nicht von der US-Beschäftigung, und reagiert auf den Arbeitsmarktbericht erfahrungsgemäß schwach. Die Rückkopplung läuft in die andere Richtung: Solange Brent bei 95 Dollar liegt, hält der Energiepreis die Inflationserwartung oben und damit die Erhöhungsdebatte am Leben, ganz unabhängig davon, wie viele Stellen heute gemeldet werden. Ein schwacher Arbeitsmarkt nimmt der Fed also nur einen Teil des Drucks ab.

Für die Einordnung zählt dreierlei. Erstens die Korrekturen für Juni und Juli, nicht die Augustzahl selbst: Sie entscheiden, ob der Dreimonatsschnitt von rund 20.000 Stellen hält oder weiter abrutscht. Zweitens die Zusammensetzung der Arbeitslosenquote: Bleibt sie bei 4,1 Prozent, weil Menschen Arbeit finden, oder weil sie aufhören zu suchen? Drittens der Stundenlohn, weil er die einzige Größe im Bericht ist, die unmittelbar auf die Zinsentscheidung durchschlägt.

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