30.03.2020 Dr. Dennis Riedl

Low Beta, high Return: Mit Low Beta-Aktien ruhiger durch alle Börsenphasen

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Rational

Wer durch die aktuelle Börsenphase in DAX und Co. gebeutelt wurde, für den sind eventuell sogenannte Low Beta-Aktien die richtige Wahl: „Spannende“ Aktien wie Siltronic, Volkswagen oder Nordex weisen eben allgemein einen hohen Zusammenhang zum Gesamtmarkt auf. Das bedeutet, dass sie typischerweise in der Krise besonders stark an Wert verlieren. Die langfristigen Renditen von HighBeta und Low Beta-Aktien unterscheiden sich zudem. Wer aktuell allerdings einen scharfen Rebound der Märkte nach oben erwartet, ist bei „High Beta“-Aktien jedoch kurzfristig besser aufgehoben.

Low Beta, High Beta – was ist das?

Das Beta einer Aktie ist eine Kennzahl. Sie zeigt den Grad der Abhängigkeit vom Gesamtmarkt an. Ein Beta-Koeffizient von 1,0 bedeutet, dass eine Aktie typischerweise genau so stark fällt oder steigt wie der Gesamtmarkt (z.B. im Sinne des DAX) am gleichen Tag. Ein Beta größer als 1,0 zeigt eine erhöhte Schwankungsintensität an. Ein Beta kleiner als 1,0 entsprechend eine höhere Stetigkeit. Ein Beta von 0 sagt aus, dass eine Aktie typischerweise überhaupt nicht betroffen ist, wenn der Markt nach unten kippt. Da das eine sehr seltene Erscheinung ist, sind Aktien mit Beta 0 sehr selten.

Beta > 1: Volatile Aktie

Beta = 1: durchschnittliche Aktie

Beta < 1: Defensive Aktie

Beta = 0: Vom Gesamtmarkt unabhängige Aktie

Welcher Beta-Typ ist der Beste?

Sie werden die Antwort erraten: „Es kommt darauf an“. In Haussen schneiden High Beta-Aktien in der Regel besser ab, in Baissen eher Low Beta-Titel. Über alle Börsenphasen hinweg lässt sich jedoch folgendes sagen: Studien belegen seit Jahrzehnten, was seither als „Low Beta“-Anomalie bekannt ist. Und diese „Anomalie“ besagt, dass Aktien mit niedrigem Beta auf lange Sicht und risikobereinigt den Markt outperformen. Hier findet man also den schönen Mix aus nicht so enormer Korrekturanfälligkeit mit dem Gesamtmarkt und langfristig attraktiven Renditen. Die folgende Liste zeigt jeweils die aktuellen Top 10 Low Beta und High Beta-Aktien im HDAX:

Zykliker sind meist High-Beta-Aktien

Banken, Chiphersteller, Reisebranche: Das sind typisch-zyklische Branchen mit einem typischerweise hohen Beta. Aktien aus den Bereichen Medizin, Lebensmitteln und anderen defensive Branchen finden sich tendenziell unter den Low Beta-Aktien. Viele dieser Aktien gelten als „Langweiler“ – unter Renditeaspekten sind sie das allerdings nicht.

Low Beta ≠ Low Vola

Ein Missverständnis sollte noch aus dem Weg geräumt werden: Eine Low-Beta-Aktie muss nicht gleichbedeutend weniger volatil sein als eine High-Beta-Aktie: sie zeigt nur eine geringere Abhängigkeit ihrer Volatilität vom Gesamtmarkt. Und das hilft in der aktuell wilden Gesamtmarktphase ja schon einmal.

Das Beta ist eine derjenigen Kennzahlen, mit der man seinem eigenen Portfolio systematisch planbar gewisse Eigenschaften verleihen kann. Das Anlage-Prinzip dahinter ist vor allem dann Gold wert, wenn ansonsten gerade alles aus den Fugen zu geraten scheint. Mit Low Beta-Aktien betritt man dabei die weniger oft frequentierten Anleger-Pfade - und genau die braucht es letztlich, um den Markt zu schlagen.