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02.04.2020 Leon Müller

DAX, Dow Jones & Co: Die Mutter aller Rezessionen – Corona-Beschränkungen bis Juni

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Es sind Sätze, die keiner gerne liest, Prognosen, die bis vor kurzem keiner für möglich hielt. Die Ökonomen der italienischen UniCredit haben am Donnerstagabend ihren Makro-Ausblick für die kommenden Monate und Quartale veröffentlicht. Das Dokument lässt tief blicken. Anleger wie Bürger müssen sich auf harte Zeiten einstellen.

"Wir gehen davon aus, dass das globale BIP in diesem Jahr um etwa 6 Prozent schrumpfen wird, mit einem enormen Rückgang im ersten Halbjahr, gefolgt von einem Wiederanstieg im zweiten Halbjahr und einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von acht bis neun Prozent im Jahr 2021", so die Einschätzung der UniCredit-Okonomen zur Entwicklung des globalen Wirtschaftswachstums in ihrem Donnerstagabend veröffentlichten "Quarterly Economics Chartbook".

Schlimmer als die Finanzkrise 2008/09

"Wir vermuten, dass das Tal wahrscheinlich viel tiefer - und die Erholung schneller - als in der Finanzkrise 2008/09 sein wird. Es besteht die Gefahr einer zweiten Infektionswelle, während Unternehmenspleiten und eine viel höhere Arbeitslosigkeit das Produktionspotenzial langfristig schädigen können", heißt es in dem Dokument weiter. Einen Hoffnungsschimmer sendet die italienische Bank mit der Schlussfolgerung: "Die Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der öffentlichen Verschuldung sind jedoch übertrieben."

USA vor Einführung strengerer Maßnahmen

Mit Blick auf die Entwicklung in den Vereinigten Staaten von Amerika schreiben die Experten: "Die Wirtschaft wird in diesem Jahr wahrscheinlich um zehn bis elf Prozent schrumpfen, mit einer kumulierten Schrumpfung von 25 Prozent im ersten Halbjahr, da die Eindämmungsmaßnahmen in den kommenden Wochen verschärft werden. Der Arbeitsmarkt steht bereits unter großem Druck, und die Arbeitslosenquote wird wahrscheinlich von derzeit 3,5 Prozent auf über 10 Prozent steigen." Allein in den zurückliegenden Wochen haben sich zehn Millionen Amerikaner arbeitslos gemeldet. Die Erholung der US-Wirtschaft dürfte den Prognosen zufolge ebenso massiv sein wie der jetzige Absturz. UniCredit hält es für möglich, dass die US-Wirtschaft "bis Ende 2021 das Produktionsniveau von vor der Krise" erreicht.

Eurozone härter getroffen als USA

Für die Eurozone erwarten die Ökonomen einen Rückgang des BIP im Jahr 2020 um "etwa 13 Prozent". Auch für die Eurozone rechnet UniCredit mit einer dynamischen Erholung, und für 2021 mit einem durchschnittlichen Wachstum von etwa zehn Prozent. Die Bank stellt allerdings auch fest: "Die Reaktionen der Mitgliedsstaaten waren  unkoordiniert und es fehlte ein gemeinsamer Ansatz. Die Nord-Süd-Spaltung der Eurozone ist wieder aufgetaucht, und die finanzielle Solidarität ist immer noch schwer zu erreichen."

Deutschland mit starkem Comeback in 2021

UniCredit
Ausgeprägtes "V": Für Deutschland erwartet UniCredit einen starken Anstieg der Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr.

China kommt vergleichsweise glimpflich davon

Ironie des Schicksals: Ausgerechnet China, Ursprungsherd der globalen Coronavirus-Pandemie, dürfte nach Ansicht der UniCredit-Fachleute vergleichsweise glimpflich davonkommen. "Die Wirtschaft wird im Jahr 2020 wahrscheinlich um weniger als ein Prozent expandieren, mit einer starken Schrumpfung im ersten Quartal (um sieben bis acht Prozent auf Quartalsbasis oder 30 Prozent auf Jahresbasis), gefolgt von einer raschen Erholung im zweiten und dritten Quartal 2020."

Ausgangsbeschränkungen bis in den Juni

Hinsichtlich der Entwicklung der Coronavirus-Pandemie in näherer Zukunft ist zu lesen: "China hat nun damit begonnen, die Beschränkungen aufzuheben, auch im Epizentrum Hubei (...) , aber der größte Teil der übrigen Welt befindet sich am explosiven Abschnitt der Epidemiekurve, wobei eine Abflachung wahrscheinlich noch Wochen entfernt ist. Wir gehen davon aus, dass die Eindämmungsmaßnahmen in den USA und in Europa bis Juni andauern und erst im zweiten Halbjahr allmählich nachlassen werden."

UniCredit überschreibt seine Studie mit "The mother of all recessions has arrived". Die darin enthaltenen Schätzungen liegen eher am unteren Ende der bisherigen Prognoseskala anderer Institute und Ökonomen. Die Tatsache, dass die Eindämmungsmaßnahmen nach Auffassung der UniCredit-Ökonomen noch "bis Juni andauern" dürften und erst im zweiten Halbjahr gelockert werden könnten, offenbart die erhebliche Diskrepanz in der öffentlichen Wahrnehmung. Erst am Mittwoch hatte die Bundesregierung bekannt gegeben, dass die Ausgangsbeschränkungen hierzulande voraussichtlich bis zum 19. April unverändert fortbestehen werden. Mit der Ergänzung des Wortes "zunächst" hält sich die Regierung alle Möglichkeiten offen. Bis Juni sind es noch drei Monate – eine Strecke, die für die meisten kleineren und mittelgroßen Unternehmen zu lang sein dürfte.

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