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Kolumne: Steht der DAX viel zu hoch? (Teil 2)

Kolumne: Steht der DAX viel zu hoch? (Teil 2)
Foto: Thomas Gebert
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Thomas Gebert 23.04.2020, 08:00 Thomas Gebert
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Die Gewinnentwicklung der Unternehmen hat einen direkten Einfluss auf die Entwicklung des DAX. Geringe Produktivitätszuwächse wirken sich nachhaltig auf die Kurse aus.


Ich hatte für mein Anfang des Jahres 2012 erschienenes Büchlein „Warum der DAX auf 10.000 Punkte steigt“, - der DAX notierte damals bei 6.000 Punkten - eine Grafik erstellt, die mich zu dieser optimistischen Aussage veranlasste. Dazu habe ich die Unternehmensgewinne der letzten Jahrzehnte mit der Kursentwicklung der deutschen Aktien verglichen. Nicht mit dem DAX selbst, sondern ich habe den jeweiligen DAX-Jahresschlusskurs mit einem Faktor multipliziert, der sich aus dem langfristigen Zins, der Anleiherendite, ergab. Somit wurde dem Einflussfaktor Rechnung getragen, dass bei einem höheren Zins ein niedrigeres Kurs-Gewinn-Verhältnis angemessen ist. Diesem zinsbereinigten DAX habe ich Unternehmensgewinne pro DAX mit dem Faktor 16 multipliziert gegenübergestellt.


MEHR ZUM GEBERTBRIEF!

Die Kurse notieren gemessen an den Unternehmensergebnissen viel zu hoch.

Thomas Gebert

Die Grafik zeigt, dass über die Jahrzehnte hinweg der zinsbereinigte DAX sich mehr oder weniger nach den Unternehmensergebnissen gerichtet hat. Zwei große Abweichungen sah man vor dem Jahr 2012: das erste Mal im Jahr 1987. Bei dem Crash waren die Aktienkurse deutlich unter das Niveau gefallen, das durch die Unternehmensgewinne eigentlich gerechtfertigt gewesen wäre. Eine fulminante Kurserholung, die zu einer Verdopplung der Aktienkurse in den nächsten zwei Jahren führte, war die Folge. Zu weit gelaufen waren die Aktienkurse im Jahr 1993. Auch diese Diskrepanz wurde eingeholt. Die Unternehmensergebnisse stiegen und der DAX kam zurück.


In den nächsten Jahren können sich die Unternehmensgewinne auch wieder deutlich erholen.

Thomas Gebert

Die zukünftige Entwicklung ist entscheidend

Der gemessen an den Unternehmensgewinnen im Jahre 2011 viel zu niedrig bewertete DAX veranlasste mich zum Schreiben des Büchleins. Die Kurse erholten sich und schon wenig später waren die 10.000 Punkte, wie im Buch prophezeit, erreicht. Nun haben wir es wieder mit einer Diskrepanz zu tun. Die Kurse notieren gemessen an den Unternehmensergebnissen viel zu hoch. Für die Grafik habe ich nicht die Unternehmensgewinne (earnings per share) sondern die „Unternehmensgewinne positiv“ gewählt. Unternehmen die Verluste eingefahren haben, werden dabei nicht berücksichtigt, damit sie die Lage der anderen Unternehmen bei der Summenbildung nicht verfälscht darstellen. Man sieht an der Grafik, dass im Jahr 2019 der DAX den tatsächlichen Gegebenheiten weit vorausgelaufen war. Ich hatte im Gebert-Brief im Februar mehrfach darauf hingewiesen. Für den Balken im Jahr 2020 habe ich einen Rückgang der Unternehmensgewinne in diesem Jahr von 30 Prozent angenommen. Ein fairer Wert des DAX sollte demnach in der Gegend von 8.000 Punkten liegen. Das sollte den Aktionär jedoch nicht zwingend abschrecken. In den nächsten Jahren können sich die Unternehmensgewinne auch wieder deutlich erholen. Allerdings bleibt das Problem des fehlenden Produktivitätszuwachses.


Teil 1 der Kolumne finden sie HIER!

Quelle: Börsenmedien AG

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