Schlussglocke: Dow Jones unter 50.000 ‑ Chip‑Werte belasten Wall Street

Schlussglocke: Dow Jones unter 50.000 ‑ Chip‑Werte belasten Wall Street
Foto: H-AB Photography/Shutterstock
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Timo Nützel Heute, 22:15 Timo Nützel

Die Wall Street erlebt einen tiefroten Handelstag. Neue Kriegsdrohungen von US-Präsident Donald Trump belasten das Parkett schwer. Gleichzeitig brechen KI-Lieblinge wie Super Micro regelrecht ein. Steht der Tech-Rally jetzt das Ende bevor oder bietet der heftige Rücksetzer eine historische Einstiegschance?

Trump zeigte sich unzufrieden mit den laufenden Verhandlungen und kündigte einen bevorstehenden neuerlichen Angriff trotz der formal geltenden Waffenruhe an. Zudem sagte der israelische Verteidigungsminister, der Kampf mit dem Iran sei "noch lange nicht beendet".

Der schon vortags schwache Nasdaq 100 geriet angesichts weiterer Gewinnmitnahmen im heiß gelaufenen Halbleitersektor zusätzlich unter Druck. Frühe moderate Gewinne nach Inflationsdaten waren nicht von Dauer: Der technologielastige Auswahlindex drehte ins Minus und büßte am Ende 1,98 Prozent auf 28.508,03 Punkte ein.

Der marktbreite S&P 500 sank letztlich um 1,62 Prozent auf 7.266,99 Punkte. Für den Leitindex Dow Jones Industrial ging es um 1,87 Prozent auf 49.918,78 Punkte nach unten. Er hatte es am Dienstag letztlich als einziger großer Index noch knapp in positives Terrain geschafft.

Die Folgen des Iran-Kriegs heizen die Inflation in den USA weiter an - im Mai kletterte die Teuerungsrate erstmals seit drei Jahren über vier Prozent. Analysten hatten den nach dem April erneut kräftigen Anstieg allerdings schon erwartet.

Für den neuen Chef der US-Notenbank Fed, Kevin Warsh, sei die Inflationsentwicklung unangenehm, aber wohl noch kein überzeugender Grund für einen restriktiveren geldpolitischen Kurs, schrieb Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz Vermögensmanagement. Er erteilte allerdings auch Hoffnungen auf eine Lockerung eine Absage, denn "die Argumente für die von Warsh bislang in Aussicht gestellten Zinssenkungen bleiben mindestens so schwach wie die für rasche Zinsanhebungen". Daher dürften die Währungshüter bei ihrer abwartenden Haltung bleiben.

SpaceX und Chip-Aktien im Fokus

Die Stimmung in der Technologiebranche ist weiter nervös. Marktbeobachter gehen davon aus, dass der am Freitag anstehende Rekord-Börsengang der Weltraumfirma SpaceX Liquidität im Sektor abziehen könnte. Die Nachrichtenagentur Bloomberg schrieb unter Berufung auf informierte Personen, dass die Nachfrage nach den Papieren mehr als viermal so hoch sei wie das Angebot. Zudem informierte nach dem KI-Unternehmen Anthropic dessen Konkurrent OpenAI am gestrigen Dienstag über den geplanten Sprung auf das Börsenparkett.

Die Anleger blieben vor allem auf Distanz zu den lange sehr stark gelaufenen Chip- und KI-Aktien. Für die Anteile der Halbleiterhersteller Qualcomm und Broadcom ging es um weitere 6,9 beziehungsweise 5,1 Prozent bergab. Die jüngst noch rekordhohen Titel von Arm Holdings und Marvell Technology verbilligten sich um jeweils 5,4 Prozent. Der KI-Chip-Riese Nvidia hielt sich mit einem Kursrückgang um 3,7 Prozent erneut etwas besser.

Die Anteilsscheine von Super Micro brachen um 28 Prozent ein. Der Konzern will sich über Kapitalmarkttransaktionen sieben Milliarden US-Dollar für den Kauf von Komponenten beschaffen, um damit die Kundennachfrage nach den KI-Servern des Unternehmens zu bedienen.

Gefragt waren hingegen als defensiv geltende Aktien wie die der Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US und des Softdrinkriesen Coca-Cola: Mit Kursaufschlägen von 3,4 und 2,8 Prozent führten sie die Gewinnerliste im Nasdaq 100 beziehungsweise im Dow an.

Infront DowJones (WKN: 969420)

Enthält Material von dpa-AFX

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