So investieren Sie wie Peter Lynch
24.01.2021 Leon Müller

DAX auf Allzeithoch, dann schnellster Crash aller Zeiten

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DAX

Ein Monat noch bis Corona auch Deutschland erreicht. Vor einem Jahr schien die Welt für die meisten noch vollkommen in Ordnung. Der DAX hat gerade ein neues Allzeithoch markiert, es ist ein ordentlicher Jahresauftakt. Anleger nehmen in den Folgetagen ein paar Gewinne mit. Dann kommt das Virus – und schlägt Anleger in die Flucht.

Erste Berichte über ein neuartiges Virus aus China, das die Lunge befällt, machen die Runde. Heute vor einem Jahr soll es noch vier Tage dauern, bis es auch in Deutschland ankommt. Ein Mann aus dem Landkreis Starnberg in Bayern wird positiv getestet. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärt, Deutschland sei gut vorbereitet. Menschen, die mit dem Erkrankten Kontakt gehabt hätten, würden getestet. "Dadurch wird die Ausbreitung des Virus verhindert", erklärt Spahn. Seine fatale Fehleinschätzung hat weitreichende Folgen. Auch nachdem das Virus in Deutschland angekommen ist, landen Flieger aus China an deutschen Flughäfen, werden Passagiere nicht kontrolliert, sind die Grenzen offen. Die USA raten zumindest von Reisen nach China ab. Verhindern wird das den Ausbruch in den Staaten allerdings nicht.

Die Euphorie an den Börsen ist trügerisch

Am 29. Januar 2020 erscheint die neue Ausgabe des AKTIONÄR mit dem Titel "Bullish trotz Corona-Virus". Der auf dem Cover abgebildete Bulle trägt immerhin schon Mundschutz. In den folgenden Wochen wird er ihm nichts nützen. Der DAX notiert auf Allzeithoch. Anleger nehmen ein paar Gewinne vom Tisch, ehe der Index ein weiteres Rekordhoch markiert. Dann kommt das Wochenende 22./23. Februar. In Italien bricht das Chaos aus, die Regierung entscheidet Teile im Norden abzuriegeln. Als die Börse am Montag wieder öffnet, setzt die Flucht ein. Es soll 24 Tage dauern, bis der Crash endet.

DAX (WKN: 846900)

Schnellster Crash der Geschichte

Es ist der schnellste Crash der Geschichte. Innerhalb von sieben Tagen verliert der DAX mehr als zehn Prozent, innerhalb von 14 Tagen mehr als 20 Prozent, nur drei Tage mehr, bis er 30 Prozent verloren hat.

Korrekturen um 30 Prozent und mehr sind selten und brutal zugleich. Erst sechsmal seit 1987 war eine solche Bewegung beim DAX zu beobachten.

Die ganze Welt im Crash-Modus

Nicht nur der DAX ist in den freien Fall übergegangen. Auch an der Wall Street herrscht Panik. Allein am 12. März verliert der Dow Jones zehn Prozent während der Sitzung. Am 16. März sind es knapp 13. Börse brutal. DER AKTIONÄR schreibt: "In Punkten gemessen acht der zehn schlimmsten Tage binnen vier Wochen".

Erste Firmen beantragen Staatshilfen

In diesen Wochen ist die Verunsicherung in der Bevölkerung und der Wirtschaft immanent. Erste Unternehmen beantragen staatliche Hilfen, darunter der weltgrößte Reisekonzern TUI, der sich bis heute nicht von den Corona-Maßnahmen erholt hat. Große Teile des Geschäfts sind auch ein Jahr nach Ausbruch des Virus in Deutschland ruhend.

V-Erholung kommt

Am 16. März 2020 erreicht der Crash seine maximale Ausdehnung. Der DAX notiert im Tief bei 8.255,65 Punkten. Er hat über 40 Prozent seines Wertes verloren. Beinahe elf Jahre Anstieg sind ausradiert. Einen Tag später ist Redaktionsschluss beim AKTIONÄR. Abends erscheint die neue Ausgabe als digitales E-Paper auf der Website. Die Idee für Wording und Motiv kommt beim Einkaufen beim Blick in leere Toilettenpapierregale. Ein Tag nach dem Tief titelt Deutschlands führendes Börsenmagazin dann "Kaufen im Ausverkauf – Stunde null für Langfristinvestoren rückt näher". Perfektes Timing.

"Kaufen im Ausverkauf" – Ausgabe 13/2020 des AKTIONÄR erscheint nur einen Tag nach dem Tiefpunkt des Corona-Crashs. Es ist der Wendepunkt an den Märkten.

Das V nimmt Gestalt an

Bis September steigt der Deutsche Aktienindex um 63 Prozent oder 5.200 Punkte. Für den Sprung über die 10.000 Punkte Marke braucht er nur neun Kalendertage. Die Rallye dauert mit Unterbrechungen bis heute an. In 219 Handelstagen arbeitet sich das deutsche Börsenbarometer vor, bis schließlich ein neues Hoch erreicht wird. Ergebnis bis heute: Der DAX steht höher als vor Corona und damit vor dem schnellsten Crash seiner Geschichte.

Corona hat tiefe Spuren in Gesellschaft und Wirtschaft hinterlassen. Vorbei ist die Pandemie indes noch nicht. Dass die Märkte die vom AKTIONÄR erwartete V-förmige Erholung gezeigt haben, spricht für sie: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Offenbar ist das Vertrauen in die Marktwirtschaft und ihre Selbstheilungskräfte nicht geschwunden. Den Aktienmärkten indes hat die Krise entgegen aller Befürchtungen statt einer Flucht von Anlegern viele neue Aktionärinnen und Aktionäre gebracht. Zurückzublicken schadet nicht. Der Crash lehrt vor allem eines: Demut. Die ist angebracht, insbesondere da sich die Aktie als Anlageform ohne Alternative zunehmend etabliert.

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