8 Aktien mit maximalem OHO-Effekt
16.09.2020 Nikolas Kessler

Wirecard-Skandal: Wirtschaftsprüfer EY äußert Bedauern

-%
Wirecard

Im Bilanzskandal bei Wirecard ist schnell auch der langjährige Wirtschaftsprüfer EY in die Kritik geraten. In einem Brief an die Kunden äußert EY-Chef Carmine Di Sibio nun sein Bedauern – und gelobt für die Zukunft Besserung.

Der Wirtschaftsprüfer EY bedauert, den Wirecard -Skandal nicht früher aufgedeckt zu haben. "Viele Menschen glauben, der Betrug bei Wirecard hätte früher entdeckt werden müssen, und wir verstehen das völlig", schreibt der EY-Chef in einem Brief an die Kunden. „Obwohl wir den Betrug erfolgreich aufgedeckt haben, bedauern wir, dass er nicht früher aufgedeckt wurde.“

Allerdings betont Di Sibio auch, dass der Betrug durch ein „hochkomplexes kriminelles Netzwerk“ geschehen sei, entworfen, um alle zu täuschen – Investoren, Banken, Aufsichtsbehörden, Anwälte, Experten und Prüfgesellschaften. In einer Mitteilung vom Dienstag weist EY zudem Anschuldigungen, die bis zum Vorwurf der Mitwirkung am Betrug reichten, „entschieden zurück“.

Ziel: Betrug früher aufdecken

Es sei im öffentlichen Interesse, dass mehr dafür getan werde, Betrug in seinen frühesten Stufen zu entdecken, schreibt Di Sibio. EY kündigte zudem an, seine Prozesse zum Aufdecken von Betrug zu verbessern. Unter anderem soll dazu Datenanalyse eingesetzt werden, die Prüfer wollen externe Quellen wie Soziale Medien heranziehen und Materialien elektronisch bestätigen lassen.

Zudem soll es erweiterte Fortbildungen für alle Prüfungsexperten geben. Der Fall Wirecard zeige, „dass die Prüfungshandlungen und Verfahren zur Bekämpfung von Betrügereien kontinuierlich weiterentwickelt werden müssen.“

Für EY steht viel auf dem Spiel

EY steht im der Causa Wirecard unter großem Druck. Fast zehn Jahres lang hat das Unternehmen die Bücher des Zahlungsabwicklers geprüft und testiert – ohne dabei milliardenschwere Luftbuchungen zu entdecken. Geschädigte Anleger drohen dem Wirtschaftsprüfer bereits mit Schadenersatzklagen, zudem hat mit DWS bereits der erste Kunde ein sicher geglaubte Prüfmandat zurückgezogen. Auch bei der Commerzbank gibt es entsprechende Überlegungen (DER AKTIONÄR berichtete).

Wirecard (WKN: 747206)

Auf die Wirecard-Aktie hat all das kaum noch Auswirkungen. Sie ist inzwischen auf Pennystock-Niveau angekommen und zum Spielball der Zocker geworden. Längerfristig orientierte Anleger bleiben hier besser an der Seitenlinie.

Mit Material von dpa-AFX.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6