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11.09.2020 Nikolas Kessler

Wirecard: Hier sorgt die Pleite für Jubel

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Wirecard

Für langjährige Aktionäre hat sich Wirecard zum Alptraum entwickelt: Der milliardenschwere Bilanzskandal hat zu einem 99-prozentigen Kursrutsch und zur Insolvenz des Zahlungsabwicklers geführt. Für einige erweist sich die spektakuläre Pleite aber auch als Glücksfall.

Das australische Fintech-Unternehmen Change Financial schnappt sich im Zuge der Zerschlagung von Wirecard zwei Tochterunternehmen des früheren DAX-Konzerns: Wirecard New Zealand und Wirecard Australia. Man habe bereits eine verbindliche Vereinbarung darüber unterzeichnet, heißt es in einer Unternehmenspräsentation.

Die Aktie von Change Financial ist daraufhin in der Spitze mehr als 50 Prozent explodiert und letztlich rund 35 Prozent höher aus dem Handel gegangen.

„Signifikantes Wachstum“ durch die Übernahme

Der Kurssprung kommt nicht von ungefähr: Durch die geplante Übernahme gewinne Change auf einen Schlag 120 neue Kunden in 36 Ländern. Zudem kann das Fintech sein Payment-Geschäft dadurch um fünf Kartenzahlungsnetzwerke, zusätzliche Währungen und neue Produkte wie virtuelle Kredit- und Debit-Karten erweitern, heißt es in der Präsentation.

Quelle: Change

Das Banking-as-a-Service-Unternehmen bezahlt für die beiden Wirecard-Teile insgesamt rund 7,8 Millionen Australische Dollar (rund 4,7 Millionen Euro) und nutzt dafür Mittel aus einer Kapitalerhöhung in der Vorwoche. Eine Bestätigung des Deals durch den Insolvenzverwalter bei Wirecard steht derzeit noch aus. Er hatte in dieser Woche aber Fortschritte bei der Verwertung gemeldet (DER AKTIONÄR berichtete).

Wirecard (WKN: 747206)

Zerschlagung schreitet voran

Bei den Wirecard-Gläubigern dürfte die Meldung über den geplanten Verkauf dagegen für weniger Begeisterung sorgen. Angesichts der Verbindlichkeiten in Höhe von 3,2 Milliarden Euro erscheinen die 4,7 Millionen Euro für die beiden Tochtergesellschaften wie ein Tropfen auf den heißen Stein. 

Die Wirecard-Aktie ist seit der Insolvenz ohnehin fest in Zocker-Hand und inzwischen auf Pennystock-Niveau angelangt. Längerfristig orientierte Anleger sollten die Papiere meiden.


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