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03.09.2020 Nikolas Kessler

Nach Wirecard-Skandal: Das muss sich jetzt ändern

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Wirecard

Der Bilanzskandal bei Wirecard bedeutet nicht nur für Investoren und Gläubiger immense Verluste, sondern hat auch dem Ansehen Deutschlands als Finanzplatz geschadet. Damit sich ein solcher Vorfall möglichst nicht wiederholt, wird nun nach Maßnahmen zur besseren Kontrolle und Aufsicht gesucht.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der wegen der Rolle seines Ministeriums und der ihm unterstellen Finanzaufsicht BaFin im Wirecard-Skandal in der Kritik steht, mahnt zu Tempo beim Umbau der Aufsicht. „Wir müssen jetzt auch konkret und praktisch werden“, sagte er am Donnerstag bei der Handelsblatt-Bankentagung in Frankfurt.

„Ich halte es für dringend erforderlich, dass wir zum Beispiel die Rotation von Wirtschaftsprüfern, die in einem Unternehmen tätig sind, beschleunigen und die lange Dauer, die heute möglich ist, reduzieren. Ich halte es für dringend erforderlich, dass wir eine bessere Trennung von Prüfung und Beratung vornehmen als das heute der Fall ist“, so Scholz weiter.

Zudem müssten die Aufsichtsbehörden „noch mehr zusätzliche und schärfere Instrumente“ bekommen. Nach Scholz‘ Worten sollen staatliche Institutionen künftig selbst Sonderprüfungen von Unternehmen veranlassen können. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat für September bereits umfassende Vorschläge der Bundesregierung zu Konsequenzen aus dem Wirecard-Skandal angekündigt.

Mehr Rechte für Aufsichtsräte?

UBS-Verwaltungsratschef Axel Weber verfolgt einen anderen Ansatz: Er plädierte bei der Frankfurter Tagung für stärkere Kontrollrechte für die Aufsichtsräte in deutschen Unternehmen. „Es ist wichtig, wenn man ein Unternehmen intern kontrollieren will, dass man sich ein unverzerrtes und eigenes Bild der Risiken machen kann“, sagte der Chefaufseher der Schweizer Großbank. Es nütze dem Aufsichtsrat nichts, wenn er von den Berichten des Managements abhänge.

In der Schweiz berichte die interne Revision – die Prüfabteilung einer Bank – hingegen nicht an das Management, sondern an den Verwaltungsrat, sagte Weber. „Und ich glaube, das kann man sicherlich im deutschen Aktienrecht ändern.“

In der Schweiz hat der Verwaltungsrat einer Aktiengesellschaft ähnliche Kontrollaufgaben wie Aufsichtsräte in Deutschland. Allerdings besitze er mehr Macht und Einfluss, sagte Weber, der bis 2011 Präsident der Deutschen Bundesbank war. Für ihn sei der Posten bei der UBS „ein Vollzeitjob“.

Wirecard (WKN: 747206)

Katastrophe für die Anleger

Eine Aufklärung der Geschehnisse bei Wirecard und konkrete Maßnahmen, um Derartiges in Zukunft möglichst zu verhindern, sind nun enorm wichtig. Denn der Bilanzskandal bei dem (früheren) DAX-Unternehmen ist nicht nur für die betroffenen Anleger katastrophal, sondern auch für die Aktienkultur in Deutschland.

Für die Wirecard-Aktionäre kommen all die Vorschläge freilich zu spät – hier ist das Kind längst in den Brunnen gefallen. Im Zuge der Insolvenz ist die Aktie brutal abgestürzt und zum Spielball der Zocker geworden. Nach bis zu 90 Prozent Kursplus am Mittwoch stehen heute wieder zweistellige Verluste an der Kurstafel. Hier überwiegen nach Einschätzung des AKTIONÄR aber auch weiterhin klar die Risiken. 

Mit Material von dpa-AFX.

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