Der Start ins Börsenjahr 2026 ist für Europas Luxusbranche holprig verlaufen. Nach der kräftigen Erholung seit dem Frühjahr des Vorjahres mehren sich die Stimmen, die vor zu viel Optimismus warnen. Mehrere Investmentbanken halten die aktuellen Bewertungen für ambitioniert, operative Impulse auf sich warten lassen. Analystenstudien verschärfen den Abwärtsdruck am Montag.
Morgan Stanley hat LVMH zu Wochenbeginn von Übergewichten auf Gleichgewichten herabgestuft. Als Begründung verweisen die Analysten auf mögliche Belastungen durch neue Zölle sowie ungünstige Währungseffekte, die im laufenden Jahr auf die Ergebnisse drücken könnten. Zugleich stellt die US-Bank klar, dass China derzeit noch kein tragender Kurstreiber ist. Die Nachfrage aus dem wichtigen Absatzmarkt liefert aus Sicht der Analysten aktuell keinen Impuls, der steigende Bewertungen rechtfertigen würde.
Auch die Bank of America mahnt zur Vorsicht. Ein großer Teil der erwarteten Erholung sei bereits in den Kursen enthalten. Die Zahlen untermauern diese Skepsis. Laut von Bloomberg zusammengestellten Daten wurde ein von Goldman Sachs berechneter Luxusaktienkorb zuletzt mit mehr als dem 30-Fachen der geschätzten Gewinne bewertet. Im vergangenen Quartal erreichte das Bewertungsniveau damit den höchsten Stand seit fast vier Jahren. Seit dem Tief im April 2025 legte der Korb bis Jahresende um 21 Prozent zu.
Luxusbranche unter Druck – hohe Kursverluste bei LVMH, Kering und Co
Zu Wochenbeginn folgte jedoch ein deutlicher Dämpfer. Der Index verlor zeitweise 3,3 Prozent und fiel den sechsten Handelstag in Folge. Auslöser waren neue Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump. Die Unsicherheit traf die Einzelwerte breit. LVMH gab am Montag in Paris um 4,3 Prozent nach, Kering verlor 4,1 Prozent, Richemont 2,3 Prozent. Auch Brunello Cucinelli und Burberry standen unter Druck.
Richemont-Zahlen kein Befreiungsschlag
Die Erholung der Kurse hatte sich zuletzt vor allem aus der Hoffnung gespeist, dass sich die Umsätze nach zwei Jahren der Stagnation wieder beleben. Erste Zahlen von Richemont fielen zwar besser aus als erwartet, doch selbst dort sorgten Bedenken um die Margen für Kursverluste. Morgan Stanley sieht steigende Gewinnschätzungen erst dann als realistisch an, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld in China weiter aufhellt. Innerhalb des Sektors rechnen die Analysten jedoch mit einer stärkeren Spreizung. Anbieter im Ultra-Premium-Segment wie Hermès dürften sich vergleichsweise robuster entwickeln, da Preissetzungsmacht und Kundenstruktur die Ergebnisse stabilisieren.
Die Bank of America richtet den Blick vor allem auf das erste Quartal. Dieses sei wichtiger als die vorangegangenen Quartale, da es dank leichter Vergleichszahlen aus dem Vorjahr und neuer Kollektionen in den Geschäften Hinweise auf den tatsächlichen Verlauf der Erholung liefern dürfte.
Nach dem starken Lauf im Vorjahr haben die Luxuswerte einen schweren Start ins Jahr 2026. DER AKTIONÄR bleibt für ausgewählte Werte, darunter Branchenriese LVMH, Hermès, Moncler, Prada, Richemont und Burberry jedoch positiv gestimmt. Anleger nutzen die Kursschwäche für langfristige (Nach-)Käufe.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: LVMH, Kering.
LVMH-Aktien befinden sich in einem Real-Depot der Börsenmedien AG.
19.01.2026, 21:20