Chinesische Plattformen, Social Commerce und KI-Agenten verändern die Spielregeln im Onlinehandel. Die Zalando-Aktie ist im Ausverkauf. Wer die Gewinner des Umbruchs im E-Commerce sind, wie Zalando jetzt um Relevanz kämpft und welche Faktoren über die Zukunft des DAX-Konzerns entscheiden, verrät Prof. Dr. Christian Stummeyer im Interview mit DER AKTIONÄR.
In Ausgabe 22/2026 hat DER AKTIONÄR die Frage gestellt: Hat Zalando eine Zukunft? Der Chart schreit laut und deutlich: Nein! Auf dem Allzeithoch 2021 war die Aktie fünfmal so viel wert wie heute. Auf Fünfjahressicht zeigt Zalando damit die schwächste Performance im DAX. Der Markt traut Zalando derzeit offenbar keine führende Rolle im KI- und Social-Commerce-Zeitalter zu. Stattdessen wird das Unternehmen als ein margenschwacher, überholter Online-Modehändler bewertet.
Die Experten zeichnen dagegen ein differenzierteres Bild: Die Zukunft von Zalando soll sich nicht am klassischen B2C-Geschäft, sondern am B2B-Ökosystem rund um ZEOS entscheiden. Nach dem Amazon-Vorbild entwickelt sich Zalando zunehmend zur Infrastrukturplattform des europäischen Online-Fashion-Handels. Christian Stummeyer, Professor für Wirtschaftsinformatik und Digital Commerce an der TH Ingolstadt, sieht Zalando aus mehreren Gründen strategisch auf dem richtigen Weg. Besonders interessant ist dabei seine Einordnung der Kräfteverhältnisse im E-Commerce aus Sicht der digitalen Transformation. DER AKTIONÄR veröffentlicht das Gespräch mit Herrn Stummeyer deshalb nun in voller Länge.
DER AKTIONÄR: Herr Stummeyer, inwiefern verändern sich gerade die Machtverhältnisse im E-Commerce?
Christian Stummeyer: Im globalen E-Commerce werden die Machtverhältnisse gerade neu ausgemacht – und zwar bei Kundenzugang, Daten und Geschwindigkeit. Zwei Jahrzehnte lang war der Online-Shop das Zentrum des digitalen Handels. Heute wandert der Kundenzugang zunehmend auch in andere Schnittstellen: Social Feeds, Chatbots und künftig auch autonome Shopping-Agenten.
Heute, 10:30