Hier wird Geschichte geschrieben. Nicht verpassen!
09.12.2019 Nikolas Kessler

Wirecard: Die Financial Times stichelt weiter – was macht die Aktie?

-%
Wirecard

Die Wirecard-Aktie ist Montag zu Handelsbeginn in der Spitze um über vier Prozent eingeknickt, konnte einen Teil der Verluste aber bereits wieder aufholen. Hintergrund ist wieder einmal ein Bericht der Financial Times (FT).

Darin muss sich der Zahlungsabwickler kritische Fragen zur Berechnung seiner Cash-Reserven gefallen lassen. Die Zeitung äußert den Verdacht, dass auch Kapital auf Treuhandkonten („trust accounts“) bei Partnerunternehmen in die Berechnung der Kapitalreserven eingeflossen sein könnten.

Interne Dokumente und Korrespondenzen, die der FT vorliegen, deuteten darauf hin, dass zumindest nach Rechtfertigungen für ein solches Vorgehen gesucht wurden. Edo Kurniawan, der frühere Chef für internationale Rechnungslegung und inzwischen Hauptverdächtiger bei den Ermittlungen in Singapur, habe Vize-Finanzchef Stephan von Erffa entsprechende Argumente geliefert.

Bei dem Kapital auf den Treuhandkonten könnte es sich laut dem Bericht um Gelder handeln, das Händlern gehört, aber für eine gewisse Zeit zurückgehalten wird – etwa um Rückerstattungen und Gebühren an Kreditkartenaussteller zu begleichen.

Sonderprüfung soll Klarheit schaffen

Die Financial Times sieht sich dadurch in ihren Zweifeln an der Richtigkeit der Finanzberichterstattung Wirecards bestätigt. Laut Wirecard dienten die Treuhandkonten jedoch lediglich dazu, die eigenen Barbestände vom operativen Cash der Partner-Abwickler zu trennen. Die Cash-Reserven des Konzerns seien darüber hinaus Gegenstand der laufenden Bilanz-Sonderprüfung.

Bereits in der Vergangenheit hatte Wirecard das belastende Material, das der Financial Times vorliegt, als „nicht authentisch“ bezeichnet. Die laufende Sonderprüfung soll alle Zweifel ausräumen, Ergebnisse sollen Ende des ersten Quartals 2020 vorliegen.

Wirecard (WKN: 747206)

FT schockt nicht mehr

In einer ersten Reaktion hat die Wirecard-Aktie am Morgen über vier Prozent verloren, konnte das Minus jedoch zügig auf rund zwei Prozent begrenzen. Damit notiert sie zwar immer noch am DAX-Ende, verglichen mit den Verlusten nach früheren FT-Artikeln reagieren die Anleger jedoch geradezu gelassen. Viele haben offenbar bereits mit weiteren Angriffen gerechnet. Die Comeback-Wette sollten aber dennoch nur Mutige eingehen. 

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Aktien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6