Investieren wie Peter Lynch - So geht's
01.02.2021 Martin Mrowka

Wegen GameStop: Shortseller Melvin und Co verlieren 20 Milliarden

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Die organisierten Aktien-Käufer von GameStop, AMC und anderen bringen die Shortseller, die auf fallende Kurse setzen, in Bedrängnis. In einer der größten Hedgefonds-Rettungsaktionen seit Long-Term Capital Management (LTCM) im Jahr 1998 konnte allein der Leerverkäufer Melvin Capital nur durch die Hilfe von Konkurrenten vor dem Ruin bewahrt worden.

Die Marktverwerfungen infolge massiver Aktienkäufe organisierter Kleinanleger haben die engagierten Leerverkäufer Milliarden gekostet. Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Ihor Dusaniwsky vom Finanzdatenanbieter S3 Partners, der anhand von Brokerdaten berechnet hat, wie viel allein die GameStock-Aktie die Profis gekostet hat: Bis vergangenen Freitag hatten sie in diesem Jahr demnach bereits einen (Buch-)Verlust von 19,75 Milliarden Dollar eingefahren.

Am stärksten betroffen ist der Hedgefonds Melvin Capital. Einem Bericht des Wall Street Journal vom Sonntagabend zufolge schrumpfte das verwaltete Vermögen des professionellen Investors im Januar um rund 4,5 Milliarden auf zirka 8 Milliarden Dollar. In den acht Milliarden Dollar seien 2,75 Milliarden enthalten, die der Hedgefonds von den beiden Vermögensverwaltern Citadel und Apollo in der letzten Januar-Woche erhalten hatte. Bereinigt um diesen Effekt sei das Vermögen sogar um mehr als die Hälfte gesunken.

Der amerikanische Hedgefonds gilt damit als einer der größten Verlierer der Marktturbulenzen der vergangenen Wochen. Seit einigen Tagen tobt bekanntlich an der Wall Street und anderen Märkten ein Machtkampf zwischen professionellen Investoren und Kleinanlegern, die sich über Online-Dienste wie Reddit organisieren. Sie kauften massiv Titel wie die des Computerspiele-Händlers GameStop, und stellten sich so gegen Leerverkäufer wie Melvin.

Am Montag setzt sich der massive Aufschwung der GameStop-Aktie gemäßigt fort. Im deutschen Handel via Tradegate (Chart) zuckte der Wert zeitweise auf 314 Euro. Im vorbörslichen US-Handel legten GameStop-Papiere um gut sechs Prozent zu. Die US-Börsen öffnen um 15.30 Uhr deutscher Zeit...

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Der Handybroker Robinhood und andere Handels-Apps beschränken weiterhin den Kauf von GameStop-Aktien- und Optionskontrakten sowie von anderen geshorteten Papieren. Einschränkungen bestehen heute noch für AMC Entertainment, BlackBerry, Koss, Express, Nokia, Genius Brands International sowie Naked Brand Group.

Die Leerverkäufer setzen auf fallende Kurse und wurden in der vergangenen Woche total auf dem falschen Fuß erwischt. Mit konzertierten Käufen zwangen die Kleinanleger die Hedgefonds, ihre Wetten auf einen Kursverfall der Aktien teilweise aufzulösen. Was dann die Aktien zusätzlich in die Höhe trieb.

Der Chef von Citron Research, Andrew Left hat sogar angekündigt, nach rund 20 Jahren das Veröffentlichen von Short-Reports einzustellen – nachdem er mit Tesla oder GameStop massiv verloren hatte. Auch er will nun mehr long gehen.

Laut Handelsblatt hindern die drohenden Milliardenverluste die Shortseller aber nicht daran, weiter massiv auf fallende Kurse zu wetten: Laut Daten von S3 Partners seien noch immer 113 Prozent der GameStop-Aktien geshortet. Zuvor hatte dieser Wert bei etwa 140 Prozent gelegen.

Und laut Reuters vom Wochenende hält Dusaniwsky die jüngsten Geschehnisse noch nicht für eine Short-Squeeze-Rallye. Es sei ein "long-buying-event" – also Wetten auf längerfristig steigende Kurse.

Das Ringen zwischen Reddit-Jüngern und Wall-Street-Profis könnte noch eine Weile weitergehen. Mittlerweile tummeln sich in den sozialen Medien jedoch auch viele Trittbrettfahrer, die "ihre" Werte pushen wollen. Kleinanleger können bei dem Ganzen eigentlich fast nur verlieren. Zumal die Nachfrage nach weiteren GameStop-Papieren auch wieder deutlich schrumpfen kann. Das würde dann zu stark fallenden Kursen führen.

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(Mit Material von dpa-AFX)