Nach den schweren Verlusten der Vortage melden sich die Käufer an den US-Börsen zurück. Vor allem Halbleiterwerte sorgten am Freitag für eine spürbare Gegenbewegung. Der Nasdaq 100 legte um 1,4 Prozent zu. Auch der S&P 500 schloss im Plus, obwohl die Mehrheit der Aktien im Index tatsächlich verlor. Der Grund: Wenige, schwer gewichtete Tech-Giganten zogen den Markt fast im Alleingang nach oben.
Entsprechend vorsichtig reagieren Marktbeobachter auf den Kurssprung. Händler werten das Plus eher als Eindeckung von Leerverkäufen und Suche nach günstigen Schnäppchen, nicht als nachhaltige Trendwende. Denn der Druck von der Zinsseite nimmt wieder zu. Ein robuster Arbeitsmarktbericht und das auf ein Dreimonatshoch gestiegene US-Verbrauchervertrauen zeigen eine stabile Wirtschaft. Für die Notenbank Federal Reserve öffnet das die Tür für eine weitere Zinserhöhung im Dezember.
Mehrere Fed-Mitglieder betonten zuletzt, dass der Kampf gegen die Inflation nicht beendet sei. In der Folge stiegen die Renditen zweijähriger Staatsanleihen. Während die Renditen kletterten, legte auch der Dollar zu. Steigende Finanzierungskosten treffen jedoch vor allem kapitalintensive Zukunftssektoren. Anleger fordern bei den gewaltigen Ausgaben für künstliche Intelligenz zunehmend handfeste Gewinne statt reiner Wachstumsversprechen.
Umbau und Ernüchterung bei den Konzernen
Auch die operative Realität drückt auf die Stimmung im Technologiesektor. Das KI-Start-up Anthropic muss seine Pläne für den Börsengang überdenken. Nach den jüngsten Kursverlusten am Markt schrumpft die erwartete Bewertung spürbar zusammen. Gleichzeitig ordnen die Schwergewichte ihre Allianzen neu. Microsoft beendet eine Vereinbarung zur Miete von KI-Rechenleistung bei Oracle und prüft milliardenschwere Cloud-Partnerschaften auf ihren tatsächlichen Nutzen. Alphabet übernimmt wiederum einen Standort von Crusoe in Wyoming, nachdem das Start-up keine ausreichende Kundennachfrage für seine Rechenzentren fand.
Harte Einschnitte gibt es auch abseits der Serverfarmen. Tesla stellt den Cybertruck komplett ein. Das Modell sorgte zwar für Aufmerksamkeit, verfehlte die Absatzziele von Konzernchef Elon Musk jedoch deutlich. Bei SpaceX kündigte Musk an, die Abhängigkeit von staatlichen Aufträgen künftig stark zu verringern. Bewegung gibt es schließlich in Fernost: Der Halbleiterriese TSMC erwägt laut Berichten, künftig auch in die Produktion moderner Speicherchips einzusteigen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Tesla, Microsoft.
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