23.07.2019 Jochen Kauper

Varta: 143 Prozent Kursgewinn seit Jahresbeginn - wie viel Potenzial steckt noch in der Aktie?

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Varta
Trendthema

Bei 23 Euro wollte die Varta-Aktie fast niemand haben. Zu langweilig das Geschäftsmodell, zu vorsichtig das Management. Jetzt, bei einem Kurs von 61,22 Euro, ist das Interesse an der Aktie so groß wie nie zuvor.

Varta stellt wieder aufladbare Batterien sowie Lithium-Ionen-Knopfzellen für schnurlose Kopfhörer und Hörgeräte her. Kunden sind zum Beispiel Konzerne wie Bose, Fitbit, Google und Samsung. In der Sparte Power & Energy fertigt Varta Energiespeicher für Firmen und speziell für den privaten Gebrauch. Das rechtfertigt aber noch lange nicht die hohe Börsenbewertung.

Paukenschlag Ende Mai

Varta gab bekannt, 17 Jahre nach seiner Zerschlagung das ursprüngliche Geschäft mit Haushaltsbatterien, Taschenlampen und Ladegeräten zurückzukaufen. Der US-Batteriehersteller Energizer musste das europäische Geschäft von Varta auf Geheiß der EU-Kartellbehörden abgeben. Soll heißen: Varta zahlt 100 Millionen Euro plus 80 Millionen Euro übernommene Schulden an Energizer. Auf der anderen Seite verdoppelt Varta auf einen Schlag seinen Umsatz. Kein schlechter Deal!

Setzte Varta bislang rund 300 Millionen Euro um, werden es künftig etwa 600 Millionen sein. Das operative Ergebnis (EBITDA) für 2019 wird auf 67 Millionen Euro geschätzt. Zum Vergleich: 2018 waren es rund 50,2 Millionen Euro.

Mehrere Impulsgeber

Hoffnungen ruhen auf dem noch jungen Bereich Batteriepacks für den Betrieb von Akkubohrern oder Gartengeräten. Das größte Potenzial steckt aber im Bereich Lithium-Ionen-Batterien. Bis 2021 soll die Produktion der Lithium-Ionen-Batterien auf über 100 Millionen Zellen pro Jahr gesteigert werden. In erster Linie werden diese in Hörgeräten und kabellosen Kopfhörern zum Einsatz kommen. Varta will den Bereich allerdings noch weiter ausbauen.

Dabei will das Management das Technologie-Know-how mit in den Aufbau eines Batteriewerkes in Deutschland stecken. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Regierung in diesem Bereich handeln muss, um die Abhängigkeit von den Asiaten zu verringern. Varta will und kann ein solches Vorhaben jedoch nicht alleine stemmen. Zusammen mit mehreren anderen Firmen hat man sich um Fördergelder des Bundeswirtschaftsministeriums für die Massenfertigung von Lithium-Ionen-Batterien, sprich für den Aufbau eines Batteriewerks, beworben. Aus Berlin wurde eine Anschubfinanzierung von insgesamt einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt.

Varta (WKN: A0TGJ5)

Erste Gewinne sichern : Die Branche boomt und der mögliche Aufbau eines Batteriewerks mit Varta als Taktgeber in Sachen Technologie macht Lust auf mehr. Mit einem KGV von 63 und einem KUV von 3,7 ist die Aktie jedoch bereits sehr sportlich bewertet. Doch das Momentum ist hoch.  

Seit der Empfehlung in Ausgabe 48/18 hat die Aktie ihren Wert fast verdoppelt. Anleger realisieren erste Gewinne und setzen beim Rest mit neuem Stopp (55,50 Euro)  auf eine Fortsetzung des Aufwärtstrends.