21.09.2019 Thomas Bergmann

TLG Immobilien: Passt das Puzzle?

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TLG Immobilien
Trendthema

Anfang September überraschte TLG die Aktionäre. Die Gesellschaft übernimmt zehn Prozent minus eine Aktie an Aroundtown für eine Milliarde Euro. Darüber hinaus gibt es zwischen TLG und Aroundtown-Großaktionär Avisco eine Optionsvereinbarung über einen weiteren Anteil in Höhe von 4,99 Prozent. Ziel sei es, beide Gesellschaften zu fusionieren.

TLG Immobilien (WKN: A12B8Z)

TLG-Finanzvorstand Gerald Klinck, der dem AKTIONÄR Rede und Antwort stand, sieht in einem Zusammenschluss der beiden Plattformen zunächst einmal die klassischen Vorteile. Das wären in erster Linie Synergien im Finanzierungsbereich. Trotz der rekordniedrigen Zinsen könnte man wohl zwischen 30 und 50 Basispunkte auf mittlere Sicht einsparen. Ferner gibt es im operativen Bereich Möglichkeiten für Effizienzgewinne, speziell an den Standorten Berlin, Frankfurt, Leipzig und Dresden. Laut Klinck betrifft dies Around­town-Assets im Volumen von rund fünf Milliarden Euro.

Die Potenziale auf der Kostenseite könne der CFO noch nicht beziffern, da bisher keine Due Diligence durchgeführt wurde. Positiv werde sich eine Fusion jedenfalls für die Aktionäre auswirken, da der Einfluss der bisherigen Großaktionäre schwindet, die Aktie liquider wird und sich vice versa die Freefloat-basierte Marktkapitalisierung erhöht.

Positive Folgen für Projektentwicklung

Durch eine Fusion hätte die TLG ein weiteres Problem aus der Welt geschafft. Die Gesellschaft darf nicht mehr als zehn Prozent des Immobilienvermögens von zurzeit 4,6 Milliarden Euro in ein Entwicklungsprojekt stecken, ohne ihr Rating – Moody’s ratet TLG mit BAA2 und stabilem Ausblick – zu gefährden. "Das Projekt Alexanderplatz in Berlin zum Beispiel stößt an diese Grenze", so Klinck. Gemeinsam mit der Aroundtown könne der Bereich Development viel besser ausgebaut werden.

"Jetzt geht es darum, die Aktionäre der beiden Gesellschaften von der Fusion zu überzeugen", gibt Klinck das Motto aus. Durch den Zusammenschluss entstünde der größte Gewerbeimmobilienkonzern in Europa, vergleichbar mit Vonovia im Wohn- und Unibail-Rodamco-Westfield im Shoppingcenter-Bereich, mit einem immensen Synergiepotenzial. Daran werden die Aktionäre beteiligt.

Zeit, um die Aktionäre positiv zu stimmen, haben die Verantwortlichen sechs Monate. Denn so lange muss die TLG warten, bis sie laut Wertpapierhandelsgesetz ein Übernahmeangebot vorlegen darf. Dann ist geplant, neue TLG-Aktien auszugeben, die wiederum als Tauschwährung für Aroundtown-Aktien eingesetzt werden sollen. Die Transaktion soll laut Klinck auf Basis des jeweiligen Net Asset Value (NAV) über die Bühne gehen. "Nicht David wird Goliath übernehmen, sondern die Übernahme wird komplett freundschaftlich verlaufen", so der Finanzchef.

Am Ende werden die TLG-Aktionäre zwischen 25 und 30 Prozent an der neuen Gesellschaft halten, die anderen 70 bis 75 Prozent die Anteilseigner von Aroundtown. Dass "David" der Bieter sein wird, hat auch steuerliche Vorteile, da so die hohen Verlustvorträge der TLG genutzt werden können.

Große Unsicherheit

Die Anleger sehen die Pläne offensichtlich skeptisch. Nach Bekanntwerden der Fusionsgespräche fiel die TLG-Aktie zwischenzeitlich um rund 13 Prozent gefallen. Der Aroundtown-Kurs sackte zeitweise auf 6,80 Euro ab. Viele Aktionäre haben bestimmt verkauft, weil sie abwarten wollen, ob der Deal überhaupt zustande kommt und wie er letztendlich gestrickt ist.

Die Verantwortlichen von TLG und Aroundtown haben viel Arbeit vor sich, die Unterstützung der Anleger zu gewinnen. Grundsätzlich hält der AKTIONÄR eine Fusion der beiden aber für sehr sinnvoll und sieht in der TLG-Aktie reichlich Kurspotenzial. Wer investiert, muss jedoch einen längeren Atem haben.