09.04.2018 Markus Bußler

Silber: Es brodelt unter der Oberfläche

-%
Silber
Trendthema

Auf den ersten Blick kann man dem Silber-Chart nicht viel Positives abgewinnen. Das Edelmetall befindet sich seit Wochen in einer engen Handelsspanne. Von Dynamik fehlt jede Spur. Doch unter der Oberfläche brodelt es. Und zwar gewaltig. An den Terminmärkten hat sich eine einmalige Konstellation gebildet. Naht ein Short-Squeeze?

Charttechnisch im Niemandsland – so könnte man die Situation bei Silber beschreiben. Bei den Investoren spielt der kleine Bruder von Gold praktisch keine Rolle mehr. Doch ein Blick auf die Positionierung der großen Spieler an den Terminmärkten zeigt: Wir haben eine Konstellation, die wir in diesem Extrem noch nie gesehen haben.

Positionierung extrem

Die Commercials haben ihre Netto-Shortposition so deutlich reduziert wie noch nie zuvor in der Geschichte. Sie sind unterm Strich nur noch mit 2.637 Kontrakten short auf den Silberpreis. Im Gegenzug sind die großen Spekulanten, also die Hedge Fonds, netto auf die Shortseite gewechselt. Mittlerweile liegt die Netto-Shortposition der Spekulanten bei 16.965 Kontrakten. Offensichtlich gehen die Hedge Fonds also von einem weiter fallenden Silberpreis aus – traditionell sind sie netto long auf den Silberpreis.

Der eine oder andere mag ob dieser Positionierung die Hände über den Kopf zusammenschlagen und geneigt sein, die Flucht zu ergreifen. Doch dabei sollte man bedenken: Die Spekulanten sind in der Vergangenheit regelmäßig auf dem falschen Fuß erwischt worden. Und so ist es aus heutiger Sicht nur eine Frage der Zeit, bis es zu einem Short-Squeeze bei den Spekulanten kommt. Alles was fehlt, ist ein charttechnisches Signal.

Buchtipp: Die Geschichten des Geldes

Spekulationsblase am Neuen Markt, Bankenkrise 2008 und griechische Schuldenkrise – lauter Themen, die die Finanzmärkte bewegten und bewegen. Doch wer einen Schritt zurücktritt und das große Bild sieht, bemerkt: So neu ist das alles gar nicht! Die Geschichte gibt wertvolle Hinweise zum Verständnis der Gegenwart. Dass sich Geschichte wiederholt, zeigen die beiden Autoren anhand vieler Geschichten des Geldes. Infl ation, Deflation, Abwertung, irrationalen Überschwang, Bankenpleiten und -rettungen gab es immer schon: im Spanien des 16. Jahrhunderts, im Großbritannien des 17. Jahrhunderts, im Frankreich des 18. Jahrhunderts und in den USA des 19. Jahrhunderts. Lehr- und anekdotenreich vermitteln die Autoren gewissermaßen nebenbei ein tiefes Verständnis für die Ursprünge des Finanzsystems – und damit auch für seine aktuellen Kapriolen. So zeigt sich: Der Weg von der Kaurischnecke zur Kreditklemme ist nicht weit.

Autoren: Vaupel, Michael Kaul, Vivek
Seitenanzahl: 240
Erscheinungstermin: 15.04.2016
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-327-0